A bis Z mit Manfred von Papen

Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?

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Papan zeichnet seit 20 Jahren in Haidhausen, doch jetzt bangt der Künstler um seine Bleibe.

Seine Figuren kennt jeder – seit mehr als 20 Jahren schreibt und zeichnet Papan seine Pointen in der Pariser Straße. Die Eigentümerin will das Gebäude aber nun verkaufen...

München – Ob Zeit, Stern oder Brigitte – etliche große Zeitschriften haben die Zeichnungen des 76-Jährigen gedruckt, der vor allem mit seinen humorigen Cartoons über Paarstreitereien bekannt wurde. Wie viel eigene Erfahrung darin steckt, warum er Moritz Bleibtreu schon als Kind kannte und wieso er die Steine, die er früher auf Polizeiautos warf heute lieber mit nachdenklichen Sprüchen bemalt, verrät Papan im Interview.

Hanni Kinadeter

Cartoonist Manfred von Papen alias Papan (76) von A bis Z

Adel: Eigentlich heiße ich Manfred Michael Friedrich Wilhelm Andreas von Papen. Aber mein Künstlername ist Papan.

Beziehungen: Ach, klar, die vielen streitenden Ehepaare aus meinen Cartoons sind von meinen eigenen Erfahrungen beeinflusst. Mit Katherina, der Tochter von Ruth Drexel, war ich liiert. Es gab eigentlich stündlich Streit. Davon habe ich viel in die Cartoons beim Stern eingebracht. Ich habe nach einem Streit Kathi ignoriert und geschmollt, statt zu sagen, was Sache ist – ziemlich doof von mir.

Container: Darin sind stapelweise Cartoons von mir gelandet. Keine Ahnung, wie viele Cartoons ich gezeichnet habe. Tausende? 20 Jahre lang habe ich für den Stern gezeichnet, die habe ich alle weggeschmissen. Was soll ich damit? Auch für die Zeit, Brigitte, die Süddeutsche Zeitung, Petra und so weiter habe ich gemalt.

Dick: Meine Figuren sind alle ein bisschen dick. Es sind auch immer die gleichen. Ich habe eine Vorliebe für üppige Frauen.

Ex: Mit Cartoonistin Franziska Becker war ich zwölf Jahre lang zusammen. Mit der habe ich jetzt auch wieder mächtig Streit. Mir gefallen ihre neuen Cartoons nämlich nicht. 

Femininst: Hm, einige Macho-Züge habe ich bestimmt, aber ich bin auch mit Feministinnen wie Alice Schwarzer befreundet. Da sie großer Katzenfan ist, habe ich auch Katzencomics gezeichnet. Darin spricht eine Frau ganz kindisch mit ihrer Katze, die sich darüber furchtbar aufregt, schließlich ist sie eine erwachsene Katze. 

Glaube: Religiös war ich noch nie, aber ich glaube an Menschen, an die Liebe, an Papier und Stifte.

„Klar war ich bei der 68er-Bewegung dabei!“

Hippie: Klar war ich bei der 68er-Bewegung dabei. Wir haben Steine und Eier auf Polizei-Autos geschmissen, gegen den Springer-Verlag protestiert, der damals so hetzte und uns gegen den Kapitalismus aufgelehnt. Lange Haare hatte ich auch und fand die RAF toll, mit meinem Vater hatte ich deswegen Streit. Erst am Sterbebett, kurz vor seinem Tod, haben wir uns versöhnt.

Inspiration: Sprache inspiriert mich, Gespräche und Situationen. Ich sitze gerne am Bahnsteig und beobachte Leute.

Jux: Auf die Witze habe ich seit ein, zwei Jahren weniger Lust, das merkt man meinen Cartoons an, sie wandeln sich. Heute mag ich auch Sprüche, die zum Nachdenken anregen, und ich bemale auch Steine.

Kommune: Mit Ruth Drexel, Hans Brenner, Martin Speer, Monica Bleibtreu und anderen Kulturschaffenden habe ich in einer Kommune gelebt, in einem Haus von Rainer Werner Fassbinder. Den Moritz Bleibtreu habe ich immer gewickelt. Nach seiner Geburt hat sich die Kommune aufgelöst.

Laden: Mein Ladengeschäft ist in Haidhausen in der Pariser Straße, dort wohne ich auch. Jetzt will die Eigentümerin das Haus aber verkaufen. Ich fürchte, dass ich dann nicht im Haus bleiben kann.

Musik ist meine Leidenschaft, ich habe bestimmt 4000 Schallplatten. Wenn ich eine Zeichnung nicht hinbekomme, dann werde ich wütend. Ich höre dann Free Jazz, das regt mich ab.

Nervig: Angegangen werde ich wegen meiner Cartoons nicht, dafür bin ich zu harmlos. Nur ändern musste ich mal was, das nervt mich bis heute: In einem Kinderbuch wollten Bub und Mädchen fliegen, haben sich verletzt und mussten ins Krankenhaus. In meiner Version lagen sie zusammen in einem Bett, im gedruckten Buch nicht.

Oktoberfest-Fan bin ich nicht, aber von München schon. Geboren bin ich in Hamburg. Vor 20 Jahren bin ich nach der Trennung von Franziska Becker endgültig hergezogen, habe aber früher schon hier gelebt.

„Ich habe immer abgepaust“

Pauspapier: Ich habe kein Talent und hatte es nie. Es gibt Zeichner, die mit einem Bleistift aus dem Bauch kommen, wenn sie geboren werden. Ich nicht. Ich habe immer abgepaust. Mit meinem Vater war ich in einer Paul Klee Ausstellung, danach habe ich eine Postkarte von Klee abgepaust. Meine Tanten waren begeistert: „Mein Gott hat der Bub Talent.“

Qual: Als ich „Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow“ von Roger Willemsen illustrierte, habe ich mich echt gequält. Woher soll ich wissen, wie es im 15. Jahrhundert in Venedig ausgesehen hat?

Reichskanzler: Ja, ich bin der Großneffe des letzten deutschen Reichskanzlers, der Hitler an die Macht gebracht hat. Aber mit meiner ganzen Familie habe ich komplett gebrochen.

Satire hat Grenzen. Was Jan Böhmermann macht, ist dumm und würdelos. Ich würde nie Witze gegen Homosexuelle machen oder über Behinderte. Das gebührt der Anstand.

Tante Anni: Ihr habe ich als Kind eine Figur gestohlen, eine Nonne mit Glocke unterm Rock. Das fand ich lustig. Als es rauskam, hat meine Mutter mir mit einer Peitsche den Hintern verdroschen, ehrlich wahr. Nach Tante Annis Tod habe ich die Glocke geerbt.

„Ich habe viele Berufe gelernt – und zeichne seit 1968“

Unterschiedliche Berufe habe ich ausgeübt. Ich bin ausgebildeter Buchhändler, habe als Requisiteur, Schaffner und Nachtwächter gearbeitet und zeichne seit 1968.

Vorbilder: Alfred Kubin und Roland Topor waren früher Vorbilder. Jetzt gar nicht mehr. Heute mag ich Glen Baxter.

Wilma ist mein Stoffschwein, ich hänge an ihr. Außerdem habe ich eine Ratte und eine Maus. Die Maus hatte ich mal im Taxi liegen lassen. Ich habe sofort die Taxizentrale angerufen, die entsetzt war – bis ich versicherte, dass es ein Stofftier ist. Um vier Uhr morgens hat mir der Taxifahrer dann die Maus vorbeigebracht.

Xanthippe: Male ich die? Wie sieht eine Xanthippe denn aus? Achso, eine streitsüchtige Frau. Hm, meine Paare streiten schon immer. Aber insgesamt kommen die Männer schlechter weg.

Yoga habe ich noch nie gemacht, ich treibe keinen Sport und lebe ungesund. Ich esse wenig Gemüse, kaum Salat. Mir schmecken Spaghetti mit Sahnesauce, Speck und Käse besser.

Zwanghaft: Manche Cartoon­isten haben irgendwann die Schnauze voll. Ich nicht, ich zeichne zwanghaft. Wenn ich mal einen Tag nicht zeichne, fühle ich mich unwohl.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl an weiteren spannenden Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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