Jeanette Biedermann im Gespräch mit Hallo München

Jeanette Biedermann – Ihre wilden 90er sind zurück

+
Jeanette Biedermann über die Trends ihrer Jugend, die Krise, in der sie keine Lieder schrieb und die musikalische Zukunft mit ihrem Mann.

Die 39-Jährige feiert ihr Comeback mit dem ersten Solo-Album seit zehn Jahren. Wenn das kein Grund für eine Zeitreise ist!

Frau Biedermann, wie nostalgisch sind Sie?

Tatsächlich sind mir alte Sachen sehr lieb. Ich liebe es, wenn Dingen eine Geschichte innewohnt. Man spürt das – egal, ob das Gebäude oder Klamotten sind. Dieses T-Shirt zum Beispiel ist von 1985.

Auf Ihrem neuen Album „DNA“ haben Sie den 90ern ein Lied gewidmet.

Der Song sollte wie ein Erinnerungsfotoalbum sein. 96 war ich süße 16. Da habe ich Musik gehört, gesungen, war ständig verliebt und hatte nur eine Sorge: dass ich nie lang genug raus durfte. Aber will ich noch mal 16 sein? 1000 gebrochene Herzen, das alles nochmal durchmachen müssen. Oh nein! (lacht)

Die 90er sind jetzt zumindest modisch zurück.

Will ich noch mal 16 sein? 1000 gebrochene Herzen, das alles nochmal durchmachen müssen. Oh nein!

Ich finde das so süß. Als ich den Song geschrieben habe, war mir das gar nicht so bewusst, dass diese Welle wieder kommt. Aber es freut mich, weil es mich so an mich erinnert. Gerade diese Plastik-Halsbänder. Ich hatte sogar mehrere über den ganzen Hals hoch. Und Buffalos natürlich. Wenn du damit umgeknickt bist, hattest du ein Riesen-Problem.

Gibt es auch Trends von damals, die Sie jetzt wieder mitmachen würden?

Ein paar Sachen mache ich mit. Den Dutt mit dem großen Haargummi zum Beispiel. Buffalos brauche ich nicht mehr. Aber ich hab noch goldene Docs aus den 90ern. Die sind mega! Und Chucks hab ich auch noch ganz abgewetzte. Da sind Löcher überall drinnen.

Zum Wegwerfen dennoch zu schade, oder?

Wegwerfen sowieso nicht. Ich spende meine Sachen immer, die ich nicht mehr anziehen will. Das ist was Kleines, aber das kann jeder machen. Zehn Jahre sind seit Ihrem letzten Solo-Album vergangen. Warum kam es heuer zum Comeback? Das letzte Solo-Album war ein tolles Album. Aber es hatte so gar nichts mit mir zu tun. Damals hatte ich nicht einen einzigen Tag frei. Ich habe eine Serie gedreht und daneben an der Platte gearbeitet. Das hat mich zerrissen. Ich war richtig, richtig durch. Das habe ich dann an der Musik gemerkt, die ich geschrieben habe.

aVon der Schaffenskrise in die musikalische Zukunft mit ihrem Mann

Inwiefern?

Weil ich nur noch an der Oberfläche gekratzt habe. Weil ich nicht mehr die Kraft hatte, an mein Innerstes zu gehen. Wo es auch mal weh tut. Und wo es mir wirklich etwas bedeutet.

Das haben Sie dann mit der Band „Ewig“, die Sie gemeinsam mit Ihrem Mann Jörg Weißelberg und Christian Bömkes gründeten, wieder gemacht. 

Als sich diese Band auflöste, weil Christian Vater wurde, bin ich mit Jörg in ein Riesenloch gefallen. Wir haben tolle Konzerte gespielt, zusammen gekämpft. Das schweißt zusammen. Da ist eine Ära zu Ende gegangen. Irgendwann kam aber der Moment, wo ich wieder unbedingt Musik machen wollte. Ich war damals auf Theater-Tour, also hab ich ein Mikro gekauft und Songs im Hotelzimmer aufgenommen. Als ich nach Hause kam und es Jörg zeigte, hat das glaube ich auch einen Funken in ihm wieder entfacht.

Er hat beim neuen Album unter anderem als Gitarrist mitgewirkt. Wie ist es denn, mit dem Ehepartner zu musizieren?

Er teilt diesen Wahnsinn, den kein anderer versteht. 24 Stunden durchzuarbeiten, immer an einer Idee dran zu sein. Jemand anderes würde sagen: Bist du bescheuert, kannst du nicht mal schlafen gehen? Können wir mal über etwas anderes reden? Es ist auf der anderen Seite auch mal nervig, weil man echt über nichts anderes spricht (lacht).

von SEBASTIAN OBERMEIR

ZUR PERSON

Seifenoper-Liebling, Theaterschauspielerin, Stars-auf-Eis-Jurorin, Pop-Star, Designerin, Akrobatin im Kinderzirkus, DDR-Geflüchtete – Jeanette Biedermann ist nicht mit einem Wort zu beschreiben. Doch der Reihe nach: 1980 in Bernau bei Berlin geboren, flüchtete sie mit ihren Eltern im Herbst 1989 in den Westen. Nach einer abgebrochenen Frisörlehre wurde sie als Marie Balzer in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zum Star. Daneben veröffentlichte sie mehrere Musik-Alben, bis das Nebeneinander als Hauptdarstellerin in „Anna und die Liebe“ und das Leben als Popstar seinen Tribut forderte. Erst nach einer Schaffenspause gründete sie zusammen mit ihrem Mann Jörg Weißelberg die Band „Ewig“, die sich kürzlich auflöste. Auf der Bildfläche erschien Biedermann 2019 deshalb ohne Band wieder – in der Sendung „Sing meinen Song“. Und mit dem neuen Solo-­Album „DNA“.

Verlosung

Hallo München verlost 5x2 Karten für das Konzert im Backstage.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer kostenloser Gewinnspiele finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

„Ich hoffe, ich vertrete den Joseph würdig“
„Ich hoffe, ich vertrete den Joseph würdig“

Kommentare