Interview von A bis Z mit Thomas Böhle

Der Herr über 3822 Wahlurnen

+
Kreisverwaltungsreferent Thomas Bühle

Hinsichtlich der kommenden Kommunalwahl, erläutert der Münchner Kreisverwaltungsreferent im Hallo-Interview von A bis Z die Organisation rund um die Wahl.

München: Europa-, Landtags- und Bundestagswahl – alle drei hat Münchens Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle schon über die Bühne gebracht. Am 15. März leitet der 66-Jährige nun erstmals eine Kommunalwahl, die nicht ohne Grund als Königsdisziplin gilt. „Genau genommen sprechen wir ja von 27 Wahlen an einem Tag: OB-Wahl, Stadtratswahl – und die Wahl 25 verschiedener Bezirksausschüsse“, so Böhle. 

Angst vor Chaos hat der Wahlleiter, der sowohl Rechts- als auch Verwaltungswissenschaften studiert hat, aber keineswegs: „Das Wahlamt ist optimal vorbereitet“, betont der Isarvorstädter. An was dabei alles gedacht werden muss, was sein Team von früheren Pannen gelernt hat und wie teuer die Landeshauptstadt ihre Mega-Wahl zu stehen kommt, das verrät Böhle im Hallo-Interview von A bis Z.

Kreisverwaltungsreferent und Wahlleiter, Dr. Thomas Böhle, von A bis Z

Ablauf: Am Wahlsonntag konzentriert sich alles auf die OB-Wahl. Für die Stadtratswahl werden am Sonntag nur die Stimmzettel mit Listenkreuzen bei einem Wahlvorschlag erfasst und übermittelt. Die Kandidatenstimmen werden erst am Montag ausgewertet.

Briefwahl: Das Wahlamt stellt sich darauf ein, dass der Briefwahlanteil steigt. Bei der letzten Kommunalwahl haben nur knapp 20 Prozent aller Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen beantragt.

Check: Alle Stimmzettel werden nach dem Vier-Augen-Prinzip ausgezählt. Das bedeutet, dass immer zwei Personen für eine Auszählung zuständig sind. Kommen unterschiedliche Ergebnisse heraus, muss nochmals komplett neu durchgezählt werden.

Digital: Die Wahlvorstände zählen alle Stimmzettel von Hand aus. Die Schriftführenden erfassen die Ergebnisse mit Hilfe spezieller Laptops. Per gesicherter Datenverbindung wird das Auszählergebnis ans Wahlamt übermittelt.

Ehrenamtliche: Die Landeshauptstadt benötigt die Unterstützung von 14 000 Wahlhelfern. Für deren Entschädigung ist eine Summe von rund zwei Millionen Euro eingeplant.

Fehler: Bei der OB-Wahl 2014 gab es etwas mehr als 0,5 Prozent ungültige Stimmzettel, bei der Stadtratswahl etwas weniger als zwei Prozent. Eine der größten Fehlerquellen ist, dass zu viele Stimmen an eine Person vergeben werden oder dass die Maximalstimmenzahl überschritten wird.

Geheimhaltung: Es gilt in den Wahllokalen ein Fotografierverbot. Fotografiert jemand hinter der Sichtblende den Stimmzettel, darf der nicht in die Wahlurne und muss vernichtet werden. Der Wähler erhält dann neue Stimmzettel.

Hochrechnung: In der Vergangenheit wurden noch fehlende Ergebnisse zum Teil ergänzt – etwa bei der Landtagswahl 2018. Das wird nicht mehr gemacht, spielt aber bei der Kommunalwahl sowieso keine Rolle.

Inspektion: Insgesamt gibt es fünf Bezirksinspektionen.Deren Arbeit beginnt bei der Suche nach geeigneten, barrierefreien Wahllokalen sowie bei der Einteilung der Wahlhelfer.

Juristischer Sachverstand ist nie von Nachteil für die Kenntnis der zu Grunde liegenden gesetzlichen Regelungen.

Kosten: Da kommt schon ein bisschen was zusammen. Bei der vergangenen Kommunalwahl inklusive der Stichwahl hatten wir Sachausgaben von etwa sechs Millionen Euro. Mindestens damit ist auch diesmal zu rechnen, eher mit ein bisschen mehr.

Lokale: In 755 Wahllokalen können die Münchner ihre Stimmen abgeben. Unter anderem öffnen auch Gaststätten, die Stadtwerke München, die Hochschule für Philosophie oder der ESV Freimann ihre Türen.

Material: 3822 Wahlurnen kommen zum Einsatz, drei je Stimmbezirk. In den Wahlkabinen liegen mehr als 6000 Stifte aus. 32 000 weitere Stifte sind für die Wahlvorstände eingeplant.

Nachschub: Am Wahltag steht ein Reservepool von knapp 400 Ehrenamtlichen vor Ort bereit, um kurzfristige Ausfälle und Krankmeldungen am Wahltag aufzufangen.

Obligatorisch: Gibt es zu wenige Wahlhelfer, haben wir die Möglichkeit, Bürger dafür zu verpflichten. Das mussten wir noch nicht und das haben wir auch nicht vor.

Personen: Bei den Kommunalwahlen 2020 können in München gut 1,1 Millionen Wähler ihre Stimmen abgeben.

Quorum: Für die OB-Wahl müssen mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf einen Kandidaten fallen, ansonsten findet eine Stichwahl statt. Welche Wahlvorschläge einen Sitz im Stadtrat erhalten, hängt ab von der Wahlbeteiligung und von den Stimmen, die der einzelne erhalten hat.

Riem: Die Briefwahl wird in Messehallen in Riem an 519 Tischen ausgezählt. Dort kommen mehr als 5000 Wahlhelfer zum Einsatz und es sind 6228 Brieföffner zum Schlitzen der Wahlbriefe vorgesehen.

Stimmzettel: Der Stimmzettel kann bis zu 1,66 Meter breit sein. Insgesamt werden über drei Millionen gedruckt- – jeweils gut eine Million für die Stadtratswahl, die OB-Wahl und die Bezirksausschusswahlen.

Team: Im Kern besteht das Wahlamt aus zwölf Personen. In der heißen Phase sind rund 300 Dienstkräfte für die Wahlen im Einsatz, beantworten Wählerfragen, betreuen Wahlhelfer oder unterstützen die Ergebnisermittlung. Für die Wahlhelfer-Schulungen kommen rund 100 Trainer zum Einsatz.

Urnengang: Ich gehe in mein Wahllokal in der Isarvorstadt. Das ist mein Start in den Wahlsonntag – so bekomme ich gleich einen Eindruck, wie es vor Ort läuft. Danach geht es weiter ins Büro.

Vorbereitung: Sie beginnt, wenn der Wahltermin feststeht. Beim Wahlamt ging die Arbeit nahtlos von der Europa- zur Kommunalwahl über. Ganz wichtig ist es, die Messehallen in Riem für das Auszählen der Briefwahl rechtzeitig zu reservieren.

Wahlbeteiligung: Im Vergleich zur vorigen Kommunalwahl mit nur 42 Prozent Wahlbeteiligung ist da noch Luft nach oben. Bei der Europawahl 2019 lag die Beteiligung bei etwas mehr als 65 Prozent.

X an richtiger Stelle: Bei der OB-Wahl haben Wahlberechtigte eine Stimme. Bei der Stadtratswahl dürfen maximal 80 Stimmen vergeben werden.

Young: Kinder können selbstverständlich mit ihren Eltern ins Wahllokal. Wenn sie jedoch älter als drei Jahre sind, dürfen sie nicht mit in die Wahlkabine.

Zeitlimit gibt es in der Wahlkabine nicht. Jeder kann sich die Zeit nehmen, die nötig ist.

Romy Ebert-Adeikis

Haben wir ihr Interesse geweckt? Mehr spannende Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Wortwitz und Tiefe funktioniert auf Deutsch
Wortwitz und Tiefe funktioniert auf Deutsch
„Ich hoffe, ich vertrete den Joseph würdig“
„Ich hoffe, ich vertrete den Joseph würdig“

Kommentare