Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner im Gespräch mit Hallo München

Politisch? Nicht für diesen Preis!

+
Politik ist wichtig aber nicht auf der Bühne: Denn machen ist wichtiger als labern, wie Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner im Interview verraten. Und die vierte Maß ist magischer als die dritte...

Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner gewinnen mit ihrem Programm den Kabarettpreis – Politik ist darin aber kein Thema. Die gehört für beide ins echte Leben, nicht auf die Bühne.

München – Die Stimmung in der Bräurosl ist ausgelassen. Auch oben auf dem Balkon sind Ringlstetter & Zinner in Feierlaune. Schließlich geht der diesjährige Kabarettpreis an die beiden Multitalente. Hallo hat mit ihnen angestoßen und über Freundschaft, zauberhafte Wiesn-Erlebnisse und Kabarett, das ohne Politik auskommt, gesprochen. von Sebastian Obermeir

Herr Zinner, Herr Ringlstetter, mit welchen drei Worten würden Sie den anderen beschreiben?
Zinner: Das ist leicht: jung, gutaussehend, musikalisch.
Ringlstetter: Zuverlässig, lustig, unkompliziert.

Da klingt ja schon gegenseitige Bewunderung durch. Gibt es Sachen, die Sie an einander nicht mögen?
Zinner: Na!
Ringlstetter: Lustigerweise, wie in jeder guten Beziehung, gab es das eher am Anfang. Aber mir fällt tatsächlich jetzt auch nix ein und das ist auch gar keine Schleimerei. Wir haben unserer Freundschaft aber auch ein paar Jahre Zeit gegeben. Wir haben nicht behauptet, dass wir Freund sind, bevor es überhaupt so war.

Was verbindet Sie am meisten?
Ringlstetter: Ich glaube, tatsächlich eine Weltsicht. Logischerweise der Humor. Die Leidenschaft, vor allem zur Musik. Und der Zweifel.

Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner – beide heilfroh, wenn einer das Mikro übernimmt: „Man braucht ja kein Duo, wenn man auf einem Ego-Trip ist.“

Worin unterscheiden Sie sich?
Zinner: Gute Frage. An der Abendvorbereitung. Der Hannes isst immer warm. Das bewundere ich. Das hat bei mir überhaupt nicht geklappt. Ich bring’ vor dem Auftritt nix runter. Und er fährt schneller Auto!
Ringlstetter: Na, auch nicht mehr. Weil es überhaupt kein Sinn macht, bin ich drauf kommen. Es stresst ja nur. Ich mag nie zu spät kommen, das finde ich blöd, bin aber immer knapp dran.

Zu Ihrer Show (Hallo verlost Tickets): Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn gerade der andere dran ist und ein Lied singt?
Beide: Super! (lachen)
Ringlstetter: Man braucht ja kein Duo, wenn man auf seinem Ego-Trip ist. Wenn der Stephan seine Sachen macht, bin ich heilfroh. Ich hör’ mir es gern an und muss immer lachen – das ist nicht gespielt. Das Schönste am Duo ist ja, dass man energiemäßig immer was zurückkriegt.
Zinner: Als wir letztes Jahr im Circus Krone waren, sind wir raus und ich bin so in ein kindliches Staunen kommen. Der Hannes hat sofort angefangen. Und ich war heilfroh. Ich war noch gar nicht in Bühnenspannung, weil ich mich so g’freut habe, dass ich da bin, wo die Elefanten rauskommen.

„Die vierte Maß ist ein magischer Moment“

Ah, jetzt kommt das Bier.
Zinner: Na dann, Prost! Auf die Löwen!
Ringlstetter: Es gibt ja so Räusche, die hab ich in der Form nur auf der Wiesn.
Zinner: Die vierte Maß ist ein magischer Moment, da entscheidet sich viel.

Am Anfang oder am Ende der vierten?
Zinner: Das weiß ich nimmer! (lacht)

Was muss man als Münchner auf der Wiesn erlebt haben?
Beide: Schichtl!
Zinner: Wilde Maus!
Ringlstetter: Teufelsrad als Zuschauer.
Zinner: Frühschoppen!
Ringlstetter: Und Augustiner Biergarten.

Warum genau den?
Ringlstetter: Meine erste Wiesn-Maß hab ich im Augustiner-Biergarten getrunken. Und seither geh ich da hin. Immer am selben Platz. Ich bin furchtbar. Das ist meine Form von Tradition: Stammgast sein. Ich bin wahnsinnig gern Stammgast.

Zurück zum Kabarett (Hallo verlost Tickets). Ihre Show ist weniger politisch als Sie es persönlich sind. Stimmt der Eindruck?
Zinner: Ich bin nicht so ein großer Fan von politischem Kabarett. Ich habe es mal probiert und ich kann es irgendwie nicht. So macht es mehr Spaß.
Ringlstetter: Bei gesellschaftlich relevanten Dingen finde ich das Machen wichtiger als das Labern. Überall das Gescheidhaferltum zu allen Themen, aber keiner macht was. Und oft ist es ja auch so: Die, die im Publikum sitzen und der, der auf der Bühne steht, sind sich ja eh einig.

Inwiefern beschäftigt Sie die Kommunalwahl nächstes Jahr?
Zinner: Als Wähler sehr. Auf der Bühne aber bisher nicht.
Ringlstetter: Ich finde, dass Dieter Reiter ein super Typ ist. Ich hoffe, dass er es bleibt. Er versucht, wichtige Dinge in eine andere Richtung zu lenken.

„Weltstadt mit Herz nennt, darf keine Armutsschere zulassen“

Was läuft denn zum Beispiel schief?
Ringlstetter: Das Kernthema in München ist, dass man mittlerweile eine Stadt hat, die die Schere von Arm und Reich immer weiter aufmacht. Wenn man sich Weltstadt mit Herz nennt, darf das nicht passieren. Aus.
Zinner: Die Stadt ist so geschäftlich worden. Es sind so viele Business-Leut reingschwappt. Mir ist es total egal, woher die kommen, wenn sie gut drauf sind. Dialekt? Kein Dialekt? Egal. Es geht aber immer nur ums Geschäft. Und das ist nie gut.

Sie bekommen den Kabarettpreis in der Sparte Musik, Sebastian Bezzel wird der Laudator. Was wird er sagen?
Ringlstetter: Ich lehn mich weit aus dem Fenster und sage: Ich glaub, das weiß er selbst noch nicht.
Zinner: Ich weiß es – du hast Recht. Wir haben letztens zusammen gedreht.

Zur Person

Unzertrennlich aber nicht immer als Duo unterwegs: Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner.

Wie ein Herz und eine Seele – Stephan Zinner (45) und Hannes Ringlstetter (49) ist beim Interview nichts eingefallen, was sie am anderen nicht mögen. „Und das ist auch gar keine Schleimerei“, wie Ringlstetter noch anmerkte. 

Kein Wunder, dass die beiden Kabarettisten, Schauspieler und Musiker sich da bald an ein gemeinsames Programm machten. Für „Zwei Typen, Zwei Gitarren, Zwei Bücher“ gewinnen sie jetzt den Bayerischen Kabarettpreis.

Bei aller Freundschaft: Zinner und Ringlstetter sind auch einzeln unterwegs. Zinner, der in der Maxvorstadt wohnt, doublet am Nockherberg Markus Söder und spielt regelmäßig in Film und Fernsehen. 

Ringlstetter – „mittlerweile im Dreihmühlenviertel“ zuhause, ist etwa mit seiner Band „Ringl­stetter“ unterwegs, mit seiner Late Night Show im BR oder in der ARD-Serie „Hubert und Staller“ zu sehen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren
Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren

Kommentare