„Förderung? Von wegen!“

Filmfest München: Ein Filmemacher rechnet ab – mit zwei Weltpremieren

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Kampf gegen das Establishment auch im Film: In „Schmucklos“ werden die Ärmel hochge­krempelt.

Mit gleich zwei Weltpremieren gastiert der Münchner Filmemacher Thomas Schwendemann auf dem Filmfest. Doch trotz des Erfolges ist ihm mehr nach kritischen Worten als nach Feiern zumute...

München – Ein Traum wird wahr: Der Münchner Filmemacher Thomas Schwendemann stellt auf dem Filmfest seinen ersten Film „Schmucklos“ vor. Der ist einerseits „sein Baby“ – der 41-Jährige spielt die Hauptrolle, führt Regie und hat den Film produziert –, andererseits erstaunt die Reihe an großen Namen, die in Nebenrollen zu sehen sind. Unter anderem Uschi Glas, Marianne Sägebrecht, Michaela May, Thomas D und Joseph Hannesschläger. 

Und doch: Schwendemann ist nicht nur nach Feiern zumute. Was ihm sauer aufstößt: Sein Projekt erhielt keinerlei Förderung.

Unverständlich für den Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) und der Wiener Universität. Die Beteiligten unterschrieben Rückstellungsverträge – verzichteten auf eine feste Gage, bekommen stattdessen Teile der eingespielten Gelder. „Wenn wir alle bezahlt hätten, wäre es eine halbe Million gewesen. Das muss der Film jetzt einspielen, damit jeder sein Geld kriegt,“ erklärt der 41-jährige Münchner. 

Wie kritisch er die Branche sieht, erzählt er im Interview. von Sabina Kläsener

Herr Schwendemann, wie ist es, in München Filme zu machen?
Schlimm. Die Förderung durch den FFF Bayern – den Film Fernseh Fond – ist weg. Die sind jetzt ein kapitalistisches Unternehmen, unterstützen nur Dinge, wo sie die Chance haben, das Geld auch wieder zurückzubekommen.

Wozu „Schmucklos“ nicht zählt?
Was ich nicht verstehe, denn ein Film, der wenig kostet und bei dem namhafte Schauspieler mitwirken, hat eher eine Chance, das Geld wieder einzuspielen, als ein Film, der Millionen kostet und der 19. von Bully oder vom Sohn von der Berben ist. Ich bin verzweifelt, ich möchte zumindest eine Chancen kriegen. Wenn es dem Publikum nicht gefällt, ok.

Sehen Sie hier den offiziellen Trailer zu „Schmucklos“

Wo liegt das Problem Ihrer Meinung nach?
Früher hieß es mal: Jeder, der an der HFF studiert, hat auch die Chance beim BR einen Film zu machen. Das ist nicht mehr so. Der BR ist eine Geldverbrennungsmaschine. Zehn Redakteure, die auf Spielfilm angesetzt sind, und nur das Geld für zwei Filme pro Jahr. Ein Fernsehsender ist kein Betrieb, der Redakteure, sondern Minuten braucht, die er senden kann. Das ist viel Klüngelei und die Dinosaurier, die da oben sitzen, haben nicht verstanden, dass Fernsehen tot ist.

Geht es anderen ähnlich?
Ich hab Joseph Vilsmaier getroffen. und ihn nach Rat gefragt. Er hat gesagt: „Es tut mir Leid. Die goldenen Zeiten waren Ende der 90er, Anfang der 2000er. Da haben sie dich mit Geld zugeschissen. Du konntest machen was du willst.“ Heute hat auch er Probleme, seine Filme zu finanzieren. Wenn es so jemand schwer hat, seine Sachen zu lancieren – dann ist es wirklich schwer.

Sie mussten sich um jeden Schritt bei der Produktion kümmern, was viel Arbeit und Verantwortung bedeutet. Herr Schwendemann, Frau Zawila, wie haben Sie das als Paar gestemmt?
Franziska Zawila: Das frage ich mich auch jeden Tag.
Thomas Schwendemann: Da war auch ganz viel diese Frau, die die Kinder genommen hat und quasi ein Jahr lang alleinerziehend war. Das ist der Vorteil, dass wir zu meinen Eltern gezogen sind.
Zawila: Es hat auch Momente gegeben: Im Schmucklos drinnen, ich hab noch gestillt. Das heißt Zeno musste mit ans Set. Dann musste ich fertig gemacht und geschminkt werden und er war etwas leidlich. Thomas musste aber eigentlich gerade eine Szene mit vielen Komparsen drehen. Thomas stand da, das Baby weint und ich kann grad nicht. Er nimmt sich den Zeno unter den Arm und sagt den Leuten, wo sie hinsollen. Das war schon Teamwork.

Kokett schreiben Sie auf Ihrer Website, Sie hätten das Ausbildungsgeld Ihrer Kinder verprasst und was Ihr Frau wohl dazu sagt. Und?
Zawila: Wir profitieren ja alle davon (lacht).
Schwendemann: Sie durfte ja mitspielen und eine CD machen. Wir haben doch noch die leise Hoffnung, dass das was ich in den Film reingesteckt habe, wieder rauskommt und ich nicht meine Kinder unterrichten muss.

„Schmucklos“ – Jetzt tatsächlich in der Hallo München

Wie haben Sie die Bar „Schmucklos“ gefunden?
Schwendemann: Ich saß im Hobbyraum meiner Oma und dachte, das ist es doch. Der schaut aus wie eine kleine Kneipe aus den 80ern. Man konnte eine Tür hinbauen, war wetterunabhängig. Und ich muss keine Kneipe finden, die eine Woche lang für mich zusperrt und die ich bezahlen muss. Wir dachte uns, irgendeine Fassade werden wir finden, die wir von außen filmen dürfen.

Wie haben Sie Promis wie Uschi Glas, Günther Maria Halmer und Joseph Hannesschläger für das Projekt gewinnen können?
Schwendemann: Thomas D kenne ihn von „Wissen vor Acht“. Er hat etwas eingesprochen und mit diesem Trailer haben wir die Promis angeschrieben. Ich kannte niemanden. Dann antwortete Marianne Sägebrecht. Da in der Branche bekannt ist, dass sie in ihrer Karriere nicht alles gemacht hat und auch sehr wählerisch ist, glaube ich, dass das den Ausschlag gegeben hat. Die nächste die anrief war Uschi Glas.

Was ist jetzt das Ziel – Fernsehen, Kino?
Schwendemann: Das Ziel ist es, den Film ins Kino zu verkaufen. Ich bin da Oldschool, auch wenn Kino am ausbluten ist. Wenn es immer nur diese drei Blockbuster gibt, die drei Stunden dauern, da gehe ich einmal rein und der Rest findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich kann mir bei dem Film, der regional ist, mit der Vorgeschichte – wir sind welche von euch und haben einen Film gemacht, um uns gegen das Establishment zu wehren – gut vorstellen, dass das gut ankommt. Aber dazu braucht man einen Kinoverleih und den suchen wir gerade.

Wann könnte Kinostart sein?
Schwendemann: Nach der Wiesn wäre ganz gut. Da hat man noch Traditionsbewusstsein, aber keine Lust in der Kneipe zu hocken, weil man genug Bier getrunken hat. Da geht man vielleicht ins Kino und schaut sich da Tradition an.

Thomas Schwendemann und Franziska Zawila.

Das sagen die Förderer

„Ein ‚kapitalistisches Unternehmen‘ kann eine Institution wie der FFF Bayern nicht sein, weder theoretisch noch praktisch“ heißt es von Seiten des Fonds. Nachwuchsfilmemacher werden jährlich mit etwa 1,6 Millionen Euro gefördert. Das Projekt müsse insgesamt den Ausschuss überzeugen. 

HFF-Präsidentin Bettina Reitz sitzt im Vergabeausschuss des FFF Bayern und erklärt: „Der Fond bietet den HFF-Studenten und dem bayerischen Filmnachwuchs eine verlässliche Fördersituation.“ Sie sehe ein Defizit bei der Förderung für eine gute Stoffentwicklung, um international konkurrenzfähig sein zu können.

„Wir engagieren uns überaus stark in der Nachwuchsförderung“, heißt es seitens des BR auf Hallo-Nachfrage. Exemplarisch stünden dafür Namen wie Florian Henckel von Donnersmarck und Markus H. Rosenmüller. Aber: „Wie andere öffentlich-rechtliche Sender muss der BR seit Jahren einen drastischen Sparkurs fahren.“

Filmfest München

„Monaco Fränzy“: Der Bandname verrät die Wurzeln des Films.

Gleich zwei Filme von Thomas Schwendemann feiern auf dem Filmfest Weltpremiere: „Schmucklos“ und „Wer 4 sind“, eine Doku über die Fantastischen Vier anlässlich ihres 30-jährigen Bandbestehens. 

Mit Thomas D drehte Schwendemann bereits die Sendung „Wissen vor 8“ und konnte ihn so für „Schmucklos“ gewinnen.

„Mit dem Bandnamen wird klar, in welcher Tradition der Film steht“, erklärt Schwendemann. Gemeint ist „Monaco Fränzy“, Ehefrau Franziska spielt im Film die Frontfrau. 

„Schmucklos“-Hauptdarsteller Stefan Fent schrieb neben dem Drehbuch auch einige Songs für die Band. „Schmucklos“ wird am Sonntag, 30. Juni, ab 22 Uhr im Open-Air im Gasteig Forum gezeigt. Eintritt frei.

Verlosung

Hallo verlost 5x2 Karten für den Film „Neue Götter in der Maxvorstadt“ für die Vorstellung um Samstag, 6. Juli, um 22.30 Uhr in der Münchener Freiheit 1, Leopoldstraße 82.
Teilnahmeschluss ist am 27. Juni.

Das Gewinnspiel ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

Das gesamte Programm des Filmfest München gibt es im Internet unter: www.filmfest-muenchen.de

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