Thomas Hermanns im Gespräch mit Hallo München

Mit einem Grantler ist nicht zu spaßen

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Trotzdem gut gelaunt: Mit einstündiger Verspätung traf Thomas Hermanns in München ein.

„Wenn ich versuche, mir einen Witz zu merken, in dem eine Nonne, Mussolini und Söder in die Sauna gehen, dann stockt mir das Gehirn.“

Er gilt als Garant für gute Unterhaltung. Vor fast 30 Jahren gründete der 56-Jährige den Quatsch Comedy Club. Jetzt kommt das beliebte Bühnenformat ins Werksviertel. Warum es dafür jetzt Zeit wurde, wie sich die Münchner Humorszene verändert hat und warum Grinsen besser als Meckern ist, verrät er im Interview. von SABINA KLÄSENER

Herr Hermanns, was ist lila und bedient in Restaurants?
Den sollte ich jetzt kennen?!

Eine Obergine.
Ah, also mit dem Gag käme man bei uns noch nicht weiter (lacht).

Haben Sie einen Lieblingswitz?
Nein. Witze erzählen ist eine Kunstform, die auch gerade wieder sehr modern ist. Stand-up ist Storytelling, Geschichten erzählen, und was ganz anderes. Das ist im Kopf ein anderes Muster. Wenn ich versuche, mir einen Witz zu merken, in dem eine Nonne, Mussolini und Söder in eine Sauna gehen, dann stockt bei mir das Gehirn schon.

Das ist bei Stand-up anders.
Wenn ich eine Alltagsgeschichte erzähle, wie ich sie erlebt habe, ist das eine andere Textsorte. Bei einem guten Stand-up kann man hinterher gar nicht wirklich erzählen, wo die Pointen waren. Man weiß nur, dass es lustig war.

Bei Witzen gibt es Tabus – gibt es die auch bei Storytellern?
Es gibt eigentlich keine Tabus. Ich sag immer: Je höher das Tabu ist, desto besser muss die Pointe sein. Wenn ich einen Witz über eine Beerdigung mache, muss es ein sehr guter sein. Wenn der Witz mau ist, lacht das Publikum vielleicht noch, aber es fühlt sich im Magen nicht gut an. Es gibt den sogenannten Ho-Ho-Ho-Lacher, aber das ist nicht der warme Bauchlacher, den wir haben möchten.

Den Quatsch Comedy Club gibt es schon seit fast 30 Jahren – jetzt auch in München. Warum gerade jetzt?
Wir haben das Gefühl gehabt, dass sich in den letzten Jahren hier in der Szene etwas verändert hat. München war sehr theaternah, es gibt eine starke Brettl-Tradition, wie den Schlachthof. Es gibt das Lustspielhaus. Aber es gibt nicht einen Club nach amerikanischen oder englischem System.

Der Quatsch Comedy Club eröffnet in München

Der Club hat München also gefehlt.
Ich hatte das Gefühl, dass immer mehr Open-Mic-Sachen hier passieren, gerade junge Leute wollen eigentlich den Style, den wir machen – ein Mann, eine Frau, ein Mikro.

Derzeit wird am Forum Humor und komische Kunst unter anderem von Gerhard Polt gearbeitet. Passen Sie da gut rein?
Total. Wir hatten mit denen auch schon Kontakt. Ich finde es sehr schön, dass jenseits des Wirtschaftlichen der akademische Teil mitreinkommt als Forum für Austausch.

Wieso ist der wichtig?
Ich habe immer gesagt: Die besten Sachen waren, wenn man Kabarettisten, Stand-up-Comedians, Parodisten und Sketch-Leute zusammen wirft – das passiert zu selten. Wir sind immer auf Tour und haben zu wenige Foren, um uns auch mal auszutauschen, was in der jeweiligen Humorecke gerade los ist. Wenn da München nach vorne prescht – super! Da passen wir mit unserer Form gut rein.

Sie haben ab 1981 hier studiert. Hat sich seitdem die Humorszene sehr verändert?
Ja, total. In den 80ern war hier noch viel los, das war eine gute Zeit. Dann sind irgendwann viele weggegangen, besonders lokale Künstler, weil es zu teuer wurde. In den letzten Jahren sind wieder einige zurück gekommen. Die Kreativen und die Mieten, das muss irgendwie immer zusammenpassen, das ist hier das Problem. Gerade junge Leute oder Stand-Up-Comedians, die am Anfang der Karriere stehen, verdienen nicht viel Geld und können deshalb hier nicht wohnen. Aber deshalb bringen wir die jetzt einfach hier her.

Sie haben heuer Ihr Buch veröffentlicht: „Netter ist better“. Wie nett ist München?
Ich fand München immer sehr nett. Das Einzige, was ich nicht nett fand als ich damals hier studiert habe, war diese Kultur des Grantelns. Die immer hoch geschätzt wurde. München war die einzige Stadt, wo eine Anwohnerin ein Lokal schließen konnte, indem sie meckert: „Ja mei wenn sie da unten so an Krach machen...“ (spricht wie eine 80-Jährige). Das ist wie es ist, aber man muss es nicht glorifizieren. Aber ansonsten hatte ich hier eine sehr nette Zeit und habe München sehr positiv und feierfreudig erlebt.

ZUR PERSON

Der Quatsch Comedy Club ist sein Baby: 1992 entstand unter der Leitung von Thomas Hermanns der erste Club in Hamburg. Mit Erfolg: Mittlerweile gibt es weitere in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart. 

Hermanns, am 5. März 1963 in Bochum geboren, wuchs in Nürnberg auf. 1981 begann er sein Studium der Theaterwissenschaften an der LMU in München. Er inszenierte Fernsehsendungen und Shows, auch für andere Künstler wie Michael Mittermeier, führte Regie bei Musicals und brachte mit seiner Show „Tommy Gardens Sing-A-Long“ Karaoke nach Deutschland.

Mehrfach gewann er den Deutschen Comedypreis, 2006 erhielt er eine Goldene Kamera und im vergangenen Jahr den Bayerischen Fernsehpreis. 

Neben dem TV-Bildschirm und der Bühne, ist Hermanns auch im Bücherregal präsent: Anfang Juni erschien mit „Netter is better: Die hohe Kunst der guten Laune“ sein fünftes Buch. Seit 2008 lebt er in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

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Im neuen Jahr ist es soweit: Ab Freitag, 17. Januar, gibt es in der Nachtkantine, Grafinger Straße 6, den Münchner Quatsch Comedy Club. 

Im Interview verriet Club-Begründer Thomas Hermanns: „Das tolle am Live-Club ist: Wir haben viel interaktive Momente. Es entwickeln sich Running Gags durch den ganzen Abend.“ 

Das könne man nicht mit einer TV-Sendung vergleichen. „Das ist wie bei Jazz oder im Theater. Das Abgefilmte ist nur die Hälfte der Wahrheit.“ Ab Januar gibt es jede Woche freitags und samstags eine Show. 

Die Besetzung ist klar: Ein Host führt durch den Abend mit vier Comedians, die jede Woche wechseln. Durch den Premierenabend führt ab 20 Uhr Christian Schulte-Loh und begrüßt Mazi, Max Ruhbaum, Matthias Seling und Özgür Cebe. Tickets ab 21 Euro unter 54 81 81 81. 

Hallo verlost 5x2 Tickets für die Premiere. 

Teilnahmeschluss: 27. OKTOBER

Das Gewinnspiel ist beendet.
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