Michaela May und Günther Maria Halmer im Gespräch mit Hallo München

Von Dietl zu Valentin und wieder zurück

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„ Sie haben eine tiefgreifende Sicht auf Bayern, wo ein „A ge!?“ mehr sagt als „Ach, ist das wirklich so?“

Die Schauspieler Michaela May und Günther Maria Halmer wurden durch ihre „Münchner Gschichten“ bekannt. Nun befassen sie sich mit einem herausragenden Münchner Komiker-Duo.

Karl Valentin, Liesl Karlstadt und Helmut Dietl haben einen gemeinsamen Nenner: Günther Maria Halmer und Michaela May. Mit den „Münchner Gschichten“ wurden die beiden Schauspieler berühmt, jetzt geben sie in einer Lesung das Beste vom vielleicht besten Komiker-Duo Münchens zum Besten. Und das ist quasi eine Familien-Sache. 

von Sebastian Obermeir

Frau May, Herr Halmer, starten wir mit einer Glaubensfrage: Semmelnknödeln oder Semmelknödel?
Halmer: (lacht) Richtiger wäre Semmelknödel. Aber ob das Karl Valentin auch so sähe? May: I sag Semmelknödel! Aber ein „n“ kann man nach Valentin noch reinwurschteln.

Was macht die Komik von Karl Valentin und Liesl Karlstadt Ihrer Meinung nach aus? Halmer: Es steckt immer ein Kern von Wahrheit darin. In gewisser Weise war Valentin philosophisch. „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ – das finde ich mehr als komisch. Und darüber hinaus lacht man über sich selbst und über die Schwierigkeiten des Lebens. Er war so ernst, manchmal glaubt man gar nicht, dass er es komisch meinte.
May: Die Komödie entsteht erst durch Ernsthaftigkeit. Die Leute denken ja, dass Menschen, die lustig sind, ein lustiges Leben haben, das war bei den beiden aber gewiss nicht so. Halmer: Karlstadt hat sehr unter ihm gelitten. Er war eben auch ein bösartiger, widersprüchlicher Mensch. 

Warum passen Karl Valentin und Liesl Karlstadt zu München?
May: Sie haben eine tiefgreifende Sicht auf Bayern, wo man nicht allzuviele Worte braucht und nur das Nötigste sagt. Wo ein „A ge!?“ mehr sagt als „Ach, ist das wirklich so?“ Das ist aber nicht nur der münchnerische, sondern der urbayerische Charakter.
Halmer: Der Humor kam in Berlin gut an, Brecht fand Valentin zum Beispiel toll. Er war Bayer, aber vielleicht hätte er die Komik auch in Sachsen entwickelt? Es ist internationaler Humor und heute ist man stolz, dass Valentin Bayer ist.

Samt Denkmal! Wo – außer am Valentin-Brunnen – fühlen Sie sich sonst noch an ihn erinnert?
May: Ich wohne ums Eck vom Valentin-Musäum und meine Tochter in der Nähe seines Geburtshauses in der Au. Da fühl ich mich ihm immer nah. Aber auch in so Situationen, wenn ich meine Brille nicht mehr finde oder wenn Leute etwas so umständlich sagen. Oder wenn ich daran denke, wie valentinesk meine Kindheit oft war. 

Warum?
May: In der Liebe zur bayerischen Sprache war mein Vater mit Valentin verwandt. Wenn in einer Speisekarte Klöße statt Knödel oder Schweinebraten statt Schweinsbraten stand, hat er das schon mal durchgestrichen und richtig darüber geschrieben.

In der Tat „valentinesk“.
May: Mein Vater war ein großer Verehrer. Und das obwohl Valentin selbst mal recht unhöflich zu ihm war. Mein Vater war Hafnermeister, also Ofenbauer. Als Geselle musste er einmal Kacheln zu ihm liefern. Karl Valentin sagte: „Stellen Sie’s da ab.“ So Kacheln sind ja gar nicht leicht. Er stellt sie ab. „Na, nicht da hin.“ Er hat die Kacheln dreimal umgestellt. Schikaniert von Karl Valentin!

Was ist Ihr Lieblings-Karl-­Valentin-Moment?
May: Einer meiner Lieblings-Sprüche: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“
Halmer: Es gibt so viele. Die Orchesterprobe vielleicht. Oder der Buchbinder Wanninger. Weil es das auch heute noch so gibt. Wie oft meine Frau am Telefon mit der Telekom ist. Man antwortet einem Computer, dann drückt man eine Zahl, dann die Raute. Und am Schluss kommt man doch nicht bei der richtigen Person raus.

„Für mich ist Helmut Dietl der Karl Valentin der Neuzeit“, haben Sie mal gesagt, Frau May. Was verbindet die beiden?
May: Ihre Beobachtungsgabe.
Halmer: Sie hatten einen genauen Blick auf die Widersprüchlichkeit der bayerischen Seele. Und es ist eine Art von Humor, wo man sich wiedererkennt und man sich denkt: Genau so ist es.
May: In dieser Reihe ist übrigens auch noch Gerhard Polt zu erwähnen, der ebenso ein großer Wortschöpfer im Sinne Valentins ist.

Wie ist es für Sie, so lange nach den „Münchner Gschichten“ noch zusammen zu spielen? May: Wir habe zusammen Filme gedreht, Theater gespielt und sind auch privat in Kontakt. Das ist auch Günthers Frau zu verdanken. Als Schauspieler geht man ja fast vagabundenhaft durchs Leben, da ist es ein großes Geschenk und Glück, wenn eine Freundschaft so kontinuierlich anhält.
Halmer: Wir sind so vertraut, wie man nur sein kann, wenn man seit 45 Jahren gemeinsam spielt. Wir kennen die Stärken und die Schwächen des anderen. Wir sind fast schon verwandt. Michaela ist ein bisschen wie meine Cousine, die ich immer wieder treffe.

Zur Person

Er als der Hallodri Tscharli, sie als sein Gspusi Susi: In diesen Rollen wurden Günther Maria Halmer und Michaela May in den „Münchner Gschichten“ von Helmut Dietl berühmt. Zu sehen waren der 1943 geborene Halmer und die 1952 geborene Münchnerin May seither in etlichen Produktionen: In Tatorten, auf Theaterbühnen, in Kinofilmen. 

Auch gemeinsam standen sie vor der Kamera – zuletzt für die Komödie „Familienfest“. Jetzt widmen sich die zwei einem besonderen Münchner Duo: In einer szenischen Lesung lesen sie Texte von Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

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