Detlef Soost im Gespräch mit Hallo München

„Meine Familie ist meine Ladestation“

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Detlef Soost im Gespräch mit Hallo München

Er drillte die Kandidaten bei der Casting-Show „Popstars“, nahm 32 Kilogramm ab und verhalf auch anderen zum Traumkörper. Nun möchte der Tänzer mit dem Buch „Scheiß drauf, mach’s einfach“ eine andere Seite zeigen. Hallo hat den 49-Jährige interviewt...

Herr Soost, in Ihrem neuen Buch erklären Sie, wie man seine Träume erfüllen kann. Wann haben Sie sich Ihren letzten erfüllt? 

Mit meinem neuen Buch – meinem „Papier-Baby“. Ich gebe schon so lange Vorträge und wollte diesen Weg gehen. Meist sieht man nur den Erfolg, aber nicht den harten Weg dorthin. Der bedeutet mir aber sehr viel. 

Was war so schwer? 

Ich bin ohne eine Zeile, ohne einen Lektor, ohne einen Verlag rein – keine PR war vorher fix, und ohne geht es nicht. Die Idee hat viele Verlage angesprochen, die wollten aber ein Fitnessbuch mit etwas Coaching machen. Doch ich wollte ein anderes Bild zeigen: Soost von heute und nicht wie bei Popstars von gestern. Ich rede nicht oft von Schwächen, aber wenn ich eine habe, dann ist es das Schreiben. Ich habe das Buch dann mit meiner Co-Autorin Stella Bongartz fertiggestellt, sie hat meinen Ton perfekt getroffen. 

Wie gehen Sie damit um, für viele noch der laute, harte Popstars-Coach zu sein? 

Das bin ich ja und man nimmt sich so an, wie man ist. Das gehört zu meinem Leben – sei es Popstars oder dass ich 32 Kilo abgenommen habe. Ich freue mich, wenn mich Leute darüber kennen, habe aber auch noch eine andere Seite. Es wird einen Augenblick dauern, bis auch diese Seite gesehen wird.

Bekommen Sie Feedback? 

Viele sprechen mich an, wieviel sie mit meinem Programm abgenommen haben. Eine Stewardess sagte zu mir „15“ und ich dachte, ich sitze falsch. Viele berichten davon, dass sie endlich ihr Leben in die Hand genommen haben. Für mich das Salz in der Suppe. Wenn man mit seiner Arbeit Menschen helfen kann, ihr Leben zu verbessern, ist das der Jackpot.

Sie selbst haben offen über Ihre schwere Vergangenheit geschrieben. Muss man erst mit der Vergangenheit seinen Frieden finden, bevor man die Zukunft haben kann, die man sich wünscht? 

Mit 20/21 steckte ich im Tal des Leidens, mich mag keiner, ich bin nicht dazu geboren, glücklich zu sein. Ich habe gemerkt, dass ich nicht immer nur zurückschauen darf. Was ich heute tue, ist ausschlaggebend für morgen. Das trifft auf den Beruf, auf die Figur und die Familie zu. Als ich das kapiert habe, hat sich viel verändert. 

Selbstoptimierung ist Trend. „So kannst du jeden Tag zu einem Abenteuer machen,“ steht in Ihrem Vorwort. Kann daraus auch Druck entstehen? 

Die Frage ist, welche Glaubenssätze man sich vorgegeben hat. Es heißt aber nicht, dass du jeden Tag 120 Prozent geben sollst. Abenteuer bedeutet für mich auch abends mit meiner Frau und meinen Kindern auf der Couch zu sitzen und „Let’s dance“ zu schauen. Für mich bedeutet Abenteuer Freiheit und nicht, sich in neue Korsetts zu zwängen. 

Sie wollten 2020 ein noch engeres Verhältnis zu Ihrer Familie haben und auf Ihren ökologischen Fußabdruck achten. Wie schaut’s aus? 

Mit beidem ziemlich gut. Ich verbringe mehr Zeit mit der Familie, die meine Ladestation ist, und versuche mit dem Rad zum Einkaufen zu fahren. Wir versuchen auch bewusst Müll zu trennen. Wenn ich reise, überlege ich, welche Strecke ich entspannt mit der Bahn fahren kann statt zu fliegen. 

In Ihrem Programm „I make you sexy“ geht es um den Weg zur Traumfigur. Sind Münchner anfälliger, das nicht für sich selbst zu tun, sondern für den Schönheitskult? 

München ist eine eher glamouröse Stadt, daran orientieren sich die Menschen. Wer München als Stadt liebt und hier lebt, der möchte vielleicht auch das ausstrahlen, wofür die Stadt steht. Aber ich will da niemanden vorverurteilen, warum jemand was macht. 

Nach „Dancing on Ice“ mussten Sie wegen einer verschleppten Erkältung ins Krankenhaus. Sie sind gefühlt immer „on fire“ – ist das Ihr wichtigster Antrieb, aber auch Ihre größte Gefahr? 

Da habe ich es einfach übertrieben und die Rechnung gezahlt und mein Leben noch mal neu betrachtet. Meine Frau sagt immer, wenn ich heimkomme und noch so „on fire“ bin: „Komm doch erstmal an, atme durch.“ Da ertappe ich mich, dass ich manchmal unter Strom stehe. Im Juli steht die große 5 auf der Torte... ...bis jetzt war es ein nettes Gespräch. 

Also nicht einfach nur eine Zahl für Sie, 50 zu werden? 

Ich verdränge das. Aber meine dreizehnjährige Tochter, meine Große, schießt da gegen mich und fragt: „Und, merkst du’s schon?“

ZUR PERSON 

Als D! oder Detlef D! Soost kennen ihn die meisten – geboren wurde der Tänzer und Choreograph als Detlef Soost am 2. Juli 1970 in Ost-Berlin. Seine Mutter war Deutsche, der Vater stammte aus Ghana – sie hatten eine Affäre, Soost Mutter war verheiratet. 

Kurz nach der Geburt wurde die Ehe geschieden, die Mutter konnte sich nicht mehr um ihren Sohn kümmern. Er wuchs im Kinderheim auf. Der Berliner ist ausgebildeter Werkzeugmechaniker, sammelte erste Bühnenerfahrung am Berliner Metropol-Theater. Nach dem Mauerfall war er als Finanzermittler tätig, ab 2000 als Choreograf. 

Ab 2001 bis 2012 war er Coach beziehungsweise Jurymitglied bei der Casting-Show Popstars. Mit seiner früheren Lebensgefährtin hat er eine Tochter und einen Sohn. Seine Ehefrau, die Sängerin Kate Hall, lernte er bei Popstars kennen und hat mit ihr eine Tochter.

Interview von von SABINA KLÄSENER

Haben wir ihr Interesse geweckt? Mehrexklusive Interviews gibt es in unserer Übersicht.

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