Von A bis Z mit Christian Springer

Christian Springer und die Stadt – Eine Liebe, die jetzt ausgezeichnet wird

Christian Springer lässt München leuchten.

„Das, was ich da tu’, soll Antrieb sein für die jungen Menschen, dass man wirklich rausgehen kann mit Ideen – man kann etwas tun als Einzelner.“ Was Christian Springer noch umtreibt, erklärt er von A bis Z...

Er kann und will einfach keine Ruhe geben – und das ist gut so: Mit spitzer Zunge treibt Christian Springer sein Unwesen in der deutschen Kabarettlandschaft. 

Er schreibt eigene Programme, bringt in Bälde ein neues Buch heraus und moderiert mit Michael Altinger den „Schlachthof“. Gerade erhielt er von der Stadt „München leuchtet“ in Gold. Eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht. 

„Ich trage diese Stadt als Schild vor mir her“, betont der gebürtige Münchner. Für ihn ist die Auszeichnung auch Motivation, mit seinem Verein „Orienthelfer“ weiterzumachen, der sich unermüdlich für die Menschen in Syrien einsetzt. 

„Das, was ich da tu’, soll Antrieb sein für die jungen Menschen, dass man wirklich rausgehen kann mit Ideen – man kann etwas tun als Einzelner.“ Was den Berg-am-Laimer noch umtreibt, erklärt er von A bis Z. 

Claudia Theurer

Christian Springer (54) von A bis Z

Advent: Es ist Hochbetrieb bei Springers, eine Feierlichkeit jagt die nächste. Nikolaus: groß gefeiert. Weihnachten: noch größer. Und Silvester hab ich Geburtstag. Das ist schon ein schöner Jahresausklang.

Bazi: Haha, bitte die anderen fragen. Bescheißen tu ich niemanden. Aber mit Schlitzohrigkeit gelingt manches besser.

Christentum: Ich bin katholisch, geh aber kaum in die Kirche. Aber austreten will ich nicht. Da habe ich zu viel Bindung zur Religion. Und was in der Kirche schiefläuft, das kommt bei mir ins Kabarett.

Dorat werd ich, wenn ich zum tausendsten Mal die gleichen Klischees höre: Wir sind eine Leitkultur, die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg und sind krimineller als wir. Blabla. Ich kann’s nicht mehr hören.

Erfolg ist bei mir a bissl anders definiert. Ich halte es für den größten Erfolg, wenn ich meine Ideen umsetzen kann und das den Leuten auch noch gefällt. Das ist Freiheit pur. Viel Geld ist fein, aber nicht wichtig.

Fonsi – meine Figur als Kassenwart von Schloss Neuschwanstein – ist eine wunderbare Erinnerung. Tasche und Mütze stehen im Schrank, griffbereit. Aber er hat Pause.

Genozid: Das, was in Syrien passiert, ist zwar noch kein Völkermord, aber ein grauenhaftes Gemetzel. Seit acht Jahren sind die Bomben im Einsatz. Aber ich helfe weiter. Und weiter. Das geht aber nur, weil so viele Spender das Vertrauen in unsere Arbeit haben. Von dieser Stelle: Danke an alle!

Heimat ist für mich Berg am Laim – und sonst nix!

Irgendwann möchte ich mal wieder Klavier üben. Und einen aufgeräumten Schreibtisch haben. Aber das sind ja unerreichbare Hirngespinste. Haha.

Jessas sag ich, wenn ich glaube, dass mir eine gute Idee gekommen ist. Aber das bedeutet immer gleich Arbeit: neues Buch, neuer Sketch, neues Programm. Und das bedeutet früh aufstehen, weil ich am liebsten ab sechs Uhr in der Früh schreibe.

Klimakatastrophe: Mein neues Buch heißt: „Bitte sagen Sie die Klimakatastrophe ab! Ich habe wichtige Termine.“ Ich habe mich beim Schreiben sehr amüsiert. Ich hoffe, meine Leser tun es auch.

Langeweile: Wie heißt dieses Wort nochmal?

Moderation: Der „Schlacht- hof“ ist der sehr lebendige Dinosaurier des BR. Ich war als Autor für Ottfried Fischer schon bei der ersten Sendung dabei. Wenn es den BR mal nicht mehr gibt, machen wir trotzdem weiter!

Nüsse knacken: Jeder Mensch will doch, dass es immer rund läuft im Leben. Aber anscheinend ist das in der Schöpfung nicht vorgesehen. Probleme lösen, das kann Spaß machen. Aber jeder Spaß hat einmal ein Ende. Da sind mir echte Nüsse lieber.

Orienthelfer: Ich bin nicht verzweifelt, aber traurig bin ich schon oft, wenn ich vor Ort vor den Kindern und Müttern stehe, und daran denke, wie rechte Hetze in unserem Land um sich greift. Humanität ist Menschenpflicht. Das kapieren wenige.

Plätzchen backen: Dieses Jahr probiere ich zum ersten Mal einen Dresdner Stollen. Nach einem Rezept meiner Urgroßmutter aus Dresden. Bitte Daumen drücken!

Querelen: Ich glaube, ab und zu stelle ich selber welche her. Das ist mir dann sehr peinlich. Wenn es allerdings gewisse Politiker betrifft, da ist es durchaus Absicht.

Radlbegehren: Es hat sich herumgesprochen, dass ich nicht Radlfahren kann. Radlfahrer sind ok, aber die ­Radlrambos werden zu wenig bestraft. Bei mir gibt es zwei Super-Radwege, aber kaum einer fährt drauf. Das ist gedankenlos.

Starkbieranstich: Ich wurde mit Unwahrheiten aus dem Löwenbräukeller entfernt, das schmerzt. Jetzt schenk ich mir daheim selber eine Maß ein.

Täuschung: Wir lassen uns oft enttäuschen. Wir haben oft so große Erwartungen an andere und merken nicht, dass der andere damit komplett überfordert ist. Am schlimmsten ist, wenn sich Freunde als Deppen herausstellen. Deswegen bleiben am Ende so wenig übrig.

Unglück: Das größte Unglück der Menschen ist immer das gleiche: Wenn Extremisten plötzlich das Sagen haben. Menschenverachtung bleibt Menschenverachtung.

Versehen: Wer kennt das nicht: Müll rausbringen, Tür zugefallen, Großeinkauf, aber den Geldbeutel vergessen. Täglich fühlt man sich wie ein Depp.

Winter hat dieses Jahr einen traurigen Höhepunkt: Am 13. Februar jährt sich zum 50. Mal der Brandanschlag auf das Jüdischen Altenheim in der Reichenbachstraße. Sieben Juden kamen 1970 ums Leben. Bis heute nicht aufgeklärt. Es gibt noch Mitwisser! Melden Sie sich! 

Xmal schwöre ich mir, dass ich mir nachts um 2 Uhr, wenn ich von den Auftritten nach Hause komme, keine zwei Portionen Spaghetti mehr mache und mir hinterher noch eine halbe Tafel Schokolade reinhaue.

Yoga kann ich nicht leiden. Mit Robin-Hood-Strumpfhosen auf gstinkerten Matten rumturnen.

Zukunft: Bitte mein neues Buch lesen! Das steht alles bis zur letzten Minute exakt drin!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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