Peter Gaymann im Gespräch mit Hallo München

Peter Gaymann: „Beim Hendl essen muss ich aufpassen“

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Peter Gaymann – das ist doch der mit den Hühnern.

Seine Hendl: Köstlich! – Seine Hühner machten ihn bekannt. Warum der Freiburger Cartoonist Peter Gaymann jetzt außerdem Münchner Motive zeichnet, verrät er im Hallo-Interview.

Die „Huhnstage“ machten ihn berühmt. Jetzt erscheint bereits der 100. Band des gebürtigen Freiburgers. Die Hühner hat er aber nicht satt – die neue Heimat am Starnberger See inspiriert mit ihren bayerischen Eigenheiten schließlich zu vielen weiteren Zeichnungen. Hallo hat den Künstler im Atelier besucht. von Sebastian Obermeir

Herr Gaymann, haben Sie gerne Besuch im Atelier oder haben Sie dabei das Gefühl, etwas Geheimes preiszugeben?
Geheimnisse hüte ich hier nicht. Mein Atelier empfinde ich aber als meinen Spielplatz. Wenn jemand Interesse hat, mache ich schon mal Führungen. Aber Museumsshop gibt es keinen (lacht).

„Die Umgebung fließt immer in meine Arbeit ein“, erklärt der Cartoonist.

Sie leben seit 2017 in Bayern. Was hat Sie hierher geführt?
Die Liebe. Ich war in Köln, als ich meine Frau Viktoria im Jahr 2000 kennengelernt habe. Sie lebte in München. Die Option hierher zu kommen, gab es immer. Wir wollten nicht zu weit von der Stadt weg sein. Jetzt muss ich nicht pendeln, sondern nur die Treppe hoch.

 Wie hat sich die neue Umgebung künstlerisch ausgewirkt?
Als Cartoon-Zeichner ist es mein Job, die Menschen und ihre Art zu beobachten. Die Umgebung fließt also immer in meine Arbeit ein. Da muss man sich Teile rauspicken, die einem auffallen. Erst gestern ging ich zufällig wo vorbei, da wurden Bentleys, Oldtimer und so ganz teure Schlitten ausgestellt. Super-Reiche sollten das dann kaufen. Und da stehen die Typen in Lederhose um die Autos rum. Keine Scheichs oder Anzugträger. Das war so ein Bild, das ich woanders nicht sehen würde. 

Hallo verlost fünf Exemplare von „Trüffelschweine & Naschkatzen“ – mit persönlicher Widmung und handsigniert von Peter Gaymann.

 Ein Kulturschock?
Ich wurde von den Kölnern schwer gewarnt, ausgerechnet nach Bayern zu ziehen (lacht). Dass ich als Zuagroaster abgestempelt werden würde. Ich habe aber überhaupt nicht das Gefühl, dass man hier fremdelt. Auch der Anschluss an die Humoristen- und Kultur-Szene hat schnell geklappt.

„Manchmal habe ich mich vom Huhn verabschieden wollen“

Der Cartoonist Peter Gaymann in seinem Atelier in Schäftlarn. Sein Arbeitsweg: einmal die Treppe hoch.

Wie beim Forum Humor und Komische Kunst, für das Sie an der Seite von Gerhard Polt, Reinhard Wittmann, Meisi Grill und Co. kämpfen.
Der momentane Stand ist ganz positiv, die Politik haben wir hinter uns. Mittlerweile planen wir mit Kuratoren, wie man das Ganze konzipiert. Es soll in der ehemaligen Viehbank ein Haus des Humors mit Museum und Räumlichkeiten für Veranstaltungen entstehen.

Man kennt Sie vor allem für Ihre Hühnermotive. Nervt Sie das?
Manchmal habe ich mich vom Huhn verabschieden wollen. Ich habe auch immer Menschen und viele andere Tiere gezeichnet. Die Hühner hatten aber eine andere Resonanz. Letztendlich geht es aber nicht um die, sondern um die Menschen. Loriot hat sein Knollennasen-Männchen, ich hab halt meine Hühner. Also darf sich immer wieder mal eines in meine Bücher verirren. Übrigens: Eines meiner meistverkauften Bücher war zum Thema Wein. Darin gab es gar keine Hühner.

 Wie ist das für Sie, dass man Ihr Werk kennt, ihr Gesicht aber nicht so bekannt ist?
Unter Vermarktungsgesichtspunkten ist es nicht ideal. Dann kommt noch dazu, dass ich gar nicht mit ganzem Namen unterschreibe. Aber als Privatmensch lebe ich gut damit. Hin und wieder erkennen mich die Leute. Einmal verdrückte ich bei einem Steh-Imbiss ein halbes Hähnchen und plötzlich sagte einer: „Dass Sie, Herr Gaymann, auch noch Hühnchen essen!“ Da denk ich mir dann, ich sollte schon überall aufpassen. Es könnte ja doch einer dabei sein, der mich kennt. 

„Schwierige Themen reizen mich“

Sie engagieren Sich für verschiedene Sozialprojekte. Wie kam es dazu?
Mein Vater ist im Hospiz verstorben. Ich fand es damals sehr gut, wie in dieser Einrichtung mit Menschen umgegangen wird. So hat es sich ergeben, dass der Bundesverband Kinderhospiz auf mich zukam, für den ich jetzt Botschafter bin. Zuerst dachte ich, was willst du da mit Humor? Aber auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass man gerade da, wo es schwierig ist, auch mal lachen und Lebensfreude empfinden möchte.

Auch das Thema Demenz verarbeiten Sie mit Cartoons.
Auch da habe ich zuerst gezweifelt, ob ich das kann. Aber gerade Themen, bei denen man denkt, ob es geht, reizen mich. Wie wenn ein Tüftler einen Motor sieht und denkt, den muss ich zum Laufen kriegen. Mit dem ersten Kalender für das Projekt „Demensch“ habe ich gespürt, dass es viel positive Resonanz gab. Das hält seit sieben Jahren an. Und im Moment ist es fast das gefragteste Thema bei mir.

Zur Person

Derzeit arbeitet Peter Gaymann an einem neuen Band „Typisch Bayern“. Darin dürfen natürlich weiß-blaue Hühner-Geschichten und Karl Valentin nicht fehlen.

Peter Gaymann – das ist doch der mit den Hühnern. Sein Cartoonband „Huhnstage“ verhalf ihm zu Bekanntheit. Auch seine „Paar-Probleme“, die er in der Zeitschrift „Brigitte“ veröffentlicht, trugen dazu bei. Und natürlich die Welle von Postkarten, einige davon mit Hühnermotiven. 

„Die Postkarten gingen wie heute eine Whatsapp durch die Gegend. ‚Das find ich lustig, schick ich dir mal.‘“, erzählt der am 26. Juni 1950 in Freiburg geborene Künstler im Interview. Nur konsequent, dass die Post 70 Millionen Briefmarken mit seinen Motiven druckte – „ein Highlight“ in vierzig Jahren Künstlertätigkeit wie er selbst sagt. 

Das nächste steht aber auch schon an: „Jetzt plane ich schon für den 70. Geburtstag, da werde ich im Buchheim Museum in Bernried etwas machen.“ Seit 2017 lebt Peter Gaymann mit seiner Frau in Schäftlarn.

Sie sind auf den Geschmack gekommen? Weitere spannende Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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