Interview von A-Z mit Barry Werkmeister

Seit 25 Jahren schickt Barry Werkmeister Münchner spontan auf Reisen

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Barry Werkmeister, der "Schenke-Onkel" und Moderator von "Die Zeit läuft".

Er lässt die Zeit laufen - und schickt Münchner In den Urlaub. Moderator Barry Werkmeister im Interview von A bis Z, wo er verrät, wie seine Zeit verlief...

München – Mauritius, Dubai, Oman, Ibiza – kein Traumziel ist zu weit, wenn Barry Werkmeister für seine TV-Sendung „Die Zeit läuft“ Münchner mit einem spontanen Gratis- Urlaub überrascht. 1995 war er zum ersten Mal „Schenke-Onkel“, zieht seitdem mit dem Kamerateam durch die Innenstadt, um Leute anzusprechen. Nur 180 Minuten haben die Beschenkten, um Koffer zu packen, ihren Reisepass zu schnappen und Arbeit wie Familie zu erklären, dass das Flugzeug nicht wartet. 

In zehn Fällen verpassten die Kandidaten den Flieger – einen Ersatz gibt es dann nicht. Auch nicht im Jubiläumsjahr, wenn am 1. März die neue Staffel startet (München TV, 20.15 Uhr). Was der gebürtige Münchner mal auf seinem Grabstein stehen haben will, ob er als Ex-Faschingsprinz eine neue Prinzessin hat und auf welcher Urlaubsinsel er selbst ein Haus gebaut hat, verrät er im Interview. 

Kult-Moderator Barry Werkmeister (57) von A bis Z

Alessandro heißt mein Sohn, den ich seit über elf Jahren nach der Trennung von seiner Mutter überwiegend alleine erziehe. Wir sind ein gutes Team, ob im Sport, im Urlaub, zuhause. Ich bin ein guter Hausmann, war auch mal Elternsprecher. Er hat zum Glück die Optik von der Mama und das Talent vom Papa.

Bürokratie am Flughafen ist wegen der Sicherheitsvorschriften ein Muss. Mein Kameramann und ich haben zum Polizeilichen Führungszeugnis die Erlaubnis, den Kandidaten in den Flieger zu bringen. Ganz wichtig für die Zuschauer: Die Reisepässe müssen gültig sein!

Chef bin ich gerne, ich fühle mich wohl in der Rolle. Ich bin Produzent, habe drei Festangestellte und übernehme diese Verantwortung. Aber wenn ich den Chef raushängen muss, dann ist was schief gegangen und etwas passt nicht, das mag ich nicht gern.

Die Zeit läuft gibt es heuer seit 25 Jahren. In der Sendung finde ich jemanden in München, der spontan in drei Stunden einen Traumurlaub antritt. Heuer produziere ich sie selbst.

Einblick in Privatwohnungen bekomme ich viele, aber nicht alles wird gesendet. Heute muss jeder, den wir ansprechen, drei Seiten zur Dreh- und Ausstrahlungsgenehmigung unterschreiben. Das erfordern der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte.

Flugreisen gibt es bei uns, trotz des Klimawandels. Ich wollte nachhaltig sein, einen Hybrid-Bus für die Sendung kaufen. Leider war die Laufleistung zu unsicher. Auf dem Weg zum Flieger mit dem Kandidaten im Wagen stehenbleiben geht nicht.

Gaudibursch und Schenke- onkel – dafür stehe ich. Ich habe meinen Traumberuf: ich beschenke Menschen. Die mich kennen, wissen: Wenn der kommt, kriegen wir was!

Hänger hatte ich nur einmal, aber da hätte ich gerne ein Loch gehabt, das sich unter mir auftut: Bei einer Gala im Deutschen Theater fiel mir bei Sir Peter Jonas, dem ehemaligen Opernintendanten, nur Sir Peter ein. 

Idole habe ich keine, Vorbilder wie Blacky Fuchsberger bewundere ich. Er kam einmal auf mich zu und sagte: „Du machst einen richtig guten Job.“ Das vergesse ich nie.

Jugendpfleger war mein Vater, er leitete Jugendzentren der Kirche. Deshalb wohnte ich die ersten drei Lebensjahre in Grünwald, dann sieben Jahre in Schweinfurt. Mit zehn Jahren kam ich nach Neuperlach-Süd, in die Plettstraße, als Außenseiter. Den fränkischen Dialekt habe ich sofort in einer Woche abgelegt.

Karriere: Meine Radiosendung habe ich gerne für Alessandro aufgegeben. Ein alleinerziehender Papa, der jeden Abend weg ist – das passt nicht zusammen.

Lieblingsgericht ist das Rahmschnitzel mit Nudeln. Da bin ich der einfache Charakter. Das erinnert mich an die sparsame Zeit, meinen Auszug von daheim, mit 18. Das Teuerste zur Packerlsoße war die Sahne.

Monaco, der Fischer, war ein Stenz, aber sympathisch. Man muss die Leute richtig einordnen. Ich wurde im neuen Buch von Damir Fister als Berufsjugendlicher beschrieben. Das ehrt mich, mit 57.

Nachteil vom Bekanntheitsgrad: falscher Neid. Wenn der Handwerker meint, er kann das Doppelte verlangen. Wenn Alessandro darunter leidet, dass mich nicht jeder mag. Wenn mich jemand absichtlich übersieht, um mit meiner Freundin anzubandeln.

Originale prägen. Mir ist wichtig: Jeder Mensch hat und kann etwas. Es kommt darauf an, was er daraus macht und wie seine Möglichkeiten nutzt, allen Widerständen zum Trotz.

Prinzessin: Die hatte ich 1991/92, als ich Faschingsprinz der Landeshauptstadt München war. Sylvia Carstens, verheiratet Berchtold, lebt heute in Amerika. Auch mit meiner ersten Jugendliebe habe ich bis heute über Facebook Kontakt.

Querulant bin ich im positiven Sinn als Moderator, wenn ich die Leute im Kino störe, im Café, bei der Arbeit. Aber auch wenn ich mal mit meiner Meinung anecke, stehe ich dazu.

Reise – meine letzte trete ich zum Friedhof an, nur hoffentlich nicht so bald. Ich weiß aber schon, was auf meinem Grabstein stehen soll: „Seine Zeit ist abgelaufen.“

Schreiner habe ich zwar gelernt. Aber mit dem Gesellenbrief habe ich den Beruf an den Nagel gehängt. Mein Gesellenstück war ein Schreibtisch. Für die Schubladen hat mich sogar der Innungsmeister gelobt!

Trachtengwand habe ich drei Schränke voll, alles, was sich in den Jahren seit 1995 angesammelt hat. Ich könnte dreimal sechzehn Wiesn-Tage drehen, ohne dass ich etwas zweimal anziehen müsste.

Urlaub mache ich selbst am liebsten auf Sardinien. Da habe ich meinen Lebenstraum gebaut: Ein Haus mit Blick aufs Meer. Dort sind oft viele sehr gute Freunde, auch unser Hund kommt von dort.

VIP? Ich bin kein VIP, aber man kennt mich in München. Dass ich aber Erni Singerl treffen konnte, Otto Waalkes beim Grillabend mit Harold Faltermayer oder Götz George als Nachbar hatte – das ist toll, das Glück hat nicht jeder.

Wiesn habe ich in den letzten 28 Jahren nie ausfallen lassen, keinen Tag! Mit Wiggerl Hagn verbindet mich eine echte Freundschaft, er war mir immer ein guter Berater. Was mich sehr freut: Mich kennt auf der Wiesn jeder, das öffnet auch für die Arbeit die Türen.

X-beliebig suche ich mit meinem Kamerateam die Kandidaten in der ganzen Stadt. Ich habe schon Kinobesucher oder Standl-Händler in den Urlaub geschickt.

Yin & Yang – ja, ich bin ein spiritueller Mensch. Ich trage zwei Armbänder, Geschenke von meinen beiden liebsten Menschen, meinem Sohn und meiner Freundin. In München hat ein Wünschelrutengänger bei mir die Erdstrahlungen gemessen.

Zeiträuber mag ich nicht, die machen mir miese Laune. Menschen, die Energie rauben und einem nichts geben.

Marie-Julie Hlawica

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