A bis Z mit AWM-Chefin Sabine Schulz-Hammerl

Sabine Schulz-Hammerl: „Ich kann versichern: Grün-, Weiß- und Braunglas werden getrennt“

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Die neue AWM-Chefin spricht im Interview über ihre täglichen Herausforderungen, die Glas-Lüge und Konflikte beim Müllsammeln.

Ihr Büro liegt in luftiger Höhe am Georg-Brauchle-Ring in Moosach, ihr Einsatzgebiet ist die gesamte Stadt: Als neue AWM-Chefin hat Sabine Schulz-Hammerl Münchens Müll im Griff.

Jetzt hat sie ihren Traumjob: Sabine Schulz-Hammerl (51) ist neue Chefin des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM). „Diese zupackende, klare, schnelle Arbeitsweise liegt mir einfach“, begründet sie ihre Leidenschaft für die Abfallwirtschaft. 

Von 2005 bis 2015 war die Taufkirchnerin schon einmal beim AWM im Bereich Marketing und Vertrieb. Als der Posten des Werkleiters vor rund zwei Jahren frei wurde, bewarb sie sich dafür – und bekam ihn. Jedoch klagte ein Mitbewerber gegen das Verfahren und das Verwaltungsgericht machte erst nach einiger Zeit den Weg für Sabine Schulz-Hammerl frei. Diese Zeit nutzte sie, um als Werkleiterin beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Fürstenfeldbruck Erfahrungen zu sammeln. 

Im Hallo-Interview verrät die Mutter zweier Kinder, was sie mit den jungen Klimaschutzaktivisten von heute verbindet, was an der Glaslüge dran ist und wie bei ihr zuhause Müll getrennt wird.

Ursula Löschau

AWM-Chefin Sabine Schulz-Hammerl (51) von A bis Z

Anpacken: Die Abfallwirtschaft ist mein Metier, und das seit 20 Jahren. Da fühle ich mich ganz und gar zuhause. Ich denke, weil es meiner anpackenden Art entspricht. Denn: Der Müll muss weg!

Biomüll ist zu schade für den Restmüll und muss unbedingt in die Biotonne. Wir gehen deshalb permanent mit Kampagnen in die Stadtteile, verteilen zum Beispiel Bioeimer, um die Mengen noch zu steigern. Noch landen fast 40 Prozent organische Abfälle im Restmüll.

Containermangel: Auf die Anzahl und die Standorte der Containerinseln haben wir keinen Einfluss. Laut Gesetzgeber müssen Verpackungen von denen gesammelt und entsorgt werden, die diese herstellen und in Umlauf bringen, also vom Handel und von der Industrie. Deshalb sind wir dafür nicht zuständig. Wir zeigen, wie gesammelt werden muss, und können beratend wirken.

Deutsches Museum: Man muss ja auch mal etwas Anderes ausprobieren, und es hat mir dort viel Spaß gemacht. Ich war zuständig für Kommunikation und Strategie. Das Deutsche Museum in die Öffentlichkeit zu bringen, war eine schöne Aufgabe. Im Bereich Strategie ging es um die Überplanung der gesamten Museumsinsel. Das war sehr spannend. Es gibt auch schon Ideen, was man alles machen könnte. Das größte Problem ist jedoch die Finanzierung.

Sie räumt Münchens Straßen auf: Als neue AWM-Chefin verantwortet Sabine Schulz-Hammerl alleine bei der Müllabfuhr 186 Fahrzeuge und über 700 Mitarbeiter.

Einsammeldienst, so nennen wir bei uns die Müllabfuhr. Und die einzelnen Teams aus Ladern und Fahrern sind die Partien. Die ganze Stadt ist in insgesamt 154 Partien mit über 700 Mitarbeitern eingeteilt, inklusive der Führungskräfte. Der Fuhrpark umfasst 186 Müllfahrzeuge.

Führungen sind Teil der Informationskampagne. Für Schulklassen gibt es derzeit Führungen über einen der städtischen Wertstoffhöfe für Kinder ab der dritten Klasse und durch das Gebrauchtwarenhaus Halle 2 für Kinder ab der fünften Klasse. Zudem gehen wir mit kostenlosen Beratungsangeboten in die Stadtbibliotheken und an Orte oder zu Veranstaltungen, wo viele Münchner anzutreffen sind, zum Beispiel zu Stadtteilfesten.

„Mit gemischtem Glas könnten die Verwerter nämlich nichts anfangen“

Glaslüge: Zwar sind auch dafür nicht wir zuständig, sondern die Betriebe des Dualen Systems. Aber ich kann versichern: Grün-, Weiß- und Braunglas werden getrennt, auch wenn es bei der Leerung der Container manchmal so ausschaut, als würde alles zusammengeschmissen. Mit gemischtem Glas könnten die Verwerter nämlich garnichts anfangen.

Halle 2: Dort können wir Gegenständen, die für den Müll einfach zu schade sind, noch ein zweites Leben geben. Pro Jahr werden so 1000 Tonnen Abfall vermieden. Ab sofort finden im Gebrauchtwarenhaus an der Peter-Anders-Straße 15 auch wieder jeden Samstag ab 11 Uhr Versteigerungen statt. Unter den Hammer kommen besondere, kuriose Gegenstände. Das ist immer sehr spannend.

Interessen außerhalb der Abfallwirtschaft sind bei mir Sport und Berge: Skilaufen, wandern, bergsteigen. Und ein gutes Buch verschmähe ich auch nicht.

Jugend: Ich sehe in den jungen Leuten, die für Klimaschutz demonstrieren, einiges von mir selbst. Als ich 1986 angefangen habe, Geoökologie zu studieren, ging es um Themen wie Waldsterben, Tschernobyl, saurer Regen. Das hat mich dazu bewogen, etwas zu studieren, mit dem man die Welt vielleicht ein bisschen besser machen kann. Mein Schwerpunkt war ökologische Chemie. Da geht es darum, welche Umweltgifte welche Auswirkungen auf die Erde haben.

„In München fallen täglich 190 000 Kaffeebecher an“

Kaffeebecher sind so kurzlebig, dass man sie wirklich nicht braucht. So ein Becher wird im Schnitt gerade mal 15 Minuten lang benutzt, dann ist er Müll. Nach Schätzungen fallen in München täglich 190 000 davon an.

Leihlexikon: Es gibt fast nichts, was man sich in München und Umgebung nicht ausleihen kann, von der Bohrmaschine bis zum Smoking. Deshalb haben wir auf unserer Homepage ein Leihlexikon. Jeder hat doch viele Gegenstände, die er im Jahr höchstens zehn Minuten lang benutzt und dann in den Schrank oder Keller stellt. Wenn man sich die Sachen bei Bedarf leiht, anstatt sie zu kaufen, ist das aktive Abfallvermeidung.

München: Hier Chefin des größten kommunalen Entsorgungsbetriebs in Deutschland sein zu können, freut mich sehr. Der AWM soll ein starker kommunaler Vorzeigebetrieb sein, der Restmüll und Wertstoffe pünktlich einsammelt und die Stadt sauber hinterlässt.

Nachwuchs: Bei den Ladern haben wir noch nicht so sehr mit Personalmangel zu kämpfen, wohl aber bei den Berufskraftfahrern. Deshalb bilden wir auch selbst aus. Extremer Fachkräftemangel herrscht vor allem im Ingenieurbereich, Stichwort Deponien, und im IT-Bereich. Als kommunaler Betrieb zahlen wir zu wenig, um mit der freien Wirtschaft konkurrieren zu können. Dafür bieten wir als Arbeitgeber aber auch Vorteile wie geregelte Arbeitszeiten und einen sicheren Arbeitsplatz.

Organisation: Grundlegende Änderungen an der AWM-Organisation wird es nicht geben, allenfalls kleinere Anpassungen. Aber ich muss mir das alles erstmal anschauen. Sicher ist: Bei den Einsammelpartien vor Ort funktioniert alles gut. Da muss man nichts verändern.

„Das Ziel ist, Plastik zu vermeiden, wo es nur geht“

Plastikmüll ist ein Riesen-Problem. Das ist so und so heißt deshalb auch unsere neue Kampagne, die gerade startet. Das Ziel lautet, Plastik zu vermeiden, wo es nur geht. Mit dem, was in München an Plastikmüll anfällt, könnte man stündlich die Bavaria-Statue oder täglich das Siegestor füllen.

Quecksilber, wie es zum Beispiel noch in Fieberthermometern vorkommt, gehört zu den Stoffen, die man an den Problemstoffsammelstellen auf den Wertstoffhöfen oder beim Giftmobil abgeben kann. Das Angebot wird gut genutzt. Das Bewusstsein für Problemstoffe ist in der Bevölkerung inzwischen da.

Repair Cafés finde ich super. Das ist eine tolle Form der Abfallvermeidung. Und die Leute können dort voneinander lernen, wie Dinge des täglichen Lebens aufgebaut sind. Auf unserer Homepage gibt es auch einen Reparaturführer. Zudem setzen wir uns für die Reparaturfähigkeit von neuen Produkten ein.

Straßen werden immer enger, die Stadt wird immer voller. Die Müllwerker haben in der Stadt immer größere Probleme, die Tonnen leeren zu können, und stehen unter starkem Druck. Damit steigt auch das Konfliktpotential. Es wird schon viel gehupt, wenn ein Müllfahrzeug zum Leeren kurz die Straße blockiert. Aber da hilft kein Hupen und kein Schreien, anders können sie den Müll nicht wegschaffen.

Trennung: Das Drei-Tonnen-System ist seit 20 Jahren ein Erfolg. Täglich werden aktuell fast 60 000 Tonnen geleert. Vergleicht man die Bevölkerungsentwicklung und das Müllaufkommen, hat das System deutlich zur Restmüllvermeidung beigetragen. Während die Einwohnerzahlen in 20 Jahren um 20 Prozent gestiegen sind, gab es beim Restmüll nur ein Plus von drei Prozent.

Unterflurcontainer: Wo bereits gebaut wurde und nur umgestaltet wird, ist es nahezu unmöglich, diese nachzurüsten. Dort sind bereits viel zu viele Sparten wie Gas-, Strom- und Telekommunikations-Leitungen verlegt. In den Neubaugebieten bemühen wir uns aber sehr, Unterflurcontainer anzubieten und zu etablieren. In der Bayernkaserne werden wohl die ersten für das Drei-Tonnen-System eingebaut.

„Die Müllverbrennungsanlagen sind überfüllt“

Verbrennung: Bei der thermischen Müllverwertung entstehen Strom und Fernwärme, die genutzt werden. Aber die Mengen, die anfallen, sind viel zu groß. Die Anlagen sind übervoll, besonders mit gewerblichen Abfällen. Das ist die andere Seite der boomenden Wirtschaft.

Warten auf den Werkleiter-Posten: Das fand ich jetzt gar nicht schlimm. Ich war inzwischen Werkleiterin beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Fürstenfeldbruck in einer etwas kleineren Dimension, und das hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem war es die optimale Vorbereitung auf die Aufgaben hier in der Millionenstadt.

X-Faktor: Hausintern rechne ich mit keinem X-Faktor. Ich kenne den AWM. Politisch wird es dagegen immer Überraschungen geben.

Ytong: Dieser poröse Baustoff wird nur an einigen unserer Wertstoffhöfe angenommen und darf nicht in den Bauschuttcontainer, sondern muss extra gesammelt werden. Insgesamt nimmt die Menge an Baustoffen und der Aushub von Baugruben durch den Bauboom stark zu. Da ist auch weiter mit einer deutlichen Steigerung zu rechnen.

Zuhause bei mir wird natürlich Abfall getrennt: Papier wird in der Küche gesammelt, Glas steht im Keller und der Bioeimer neben der Restmülltonne. Ich bin auch fleißige Besucherin des Wertstoffhofs. Im Bioeimer landen bei mir dabei nur Küchenabfälle. Für Gartenabfälle haben wir in der Wohnanlage zum Glück einen Kompostplatz.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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