Hallo im Interview mit dem Hasenbergl-Playmate

Das Bunny vom Hasenbergl

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Auf dem Cover des US-Playboy 1979 – auf Englisch konnte Buchfellner bei ihrer Reise in die USA „Yes“, „No“ und „How are you?“ sagen.

Erstes deutsches Playmate – heute setzt die Münchnerin auf Seelenstriptease. Hallo München hat das Interview...

München 168 cm groß, 47 Kilogramm schwer, Sternzeichen Zwilling: So steht es in dem „Playmate Data Sheet“ des US-Playboy im Oktober 1979. Dahinter steckt Ursula Buchfellner – ein damals 18-jähriges Mädchen aus dem Hasenbergl. 

Als erstes deutsches Playmate wurde sie vor genau 40 Jahren von heute auf morgen zu einem international gefragten Model – entdeckt im Biergarten. 

Heute lebt sie in Bogenhausen. Im Hallo-Interview erzählt die 58-Jährige, was Hugh Hefner sie beim Frühstück fragte, wo sie bei der Nacktheit die Grenzen zog und warum sie Schwierigkeiten hatte, Spaß am Leben zu finden.

Auf der Straße beschimpft

Frau Buchfellner, Hasenbergl und Playboy. Wie hat das zusammen gepasst?                 

Gar nicht. Da war ich plötzlich die Nutte vom Hasenbergl. Ich durfte mich eine Zeit lang nicht mehr sehen lassen, weil ich auf der Straße beschimpft wurde. In der Bäckerei, in der ich damals gearbeitet habe, wurde mir gekündigt. 

Das wirklich Schlimme war aber, dass ich von dort immer Tüten voller Essen nach Hause mitgebracht habe. Meine neun Geschwister haben immer schon an der Haltestelle gewartet. Wir waren sehr arm.

Von der hungernden Großfamilie ging es für Sie weiter in die Playboy Mansion nach Los Angeles. Exzessive Pool-Partys und Turteln mit Hugh Hefner?                                          

Es gab jeden Abend eine Party, ich bin nie hingegangen (lacht). Bis mich eines Tages Hugh Hefner beim Frühstück abgefangen hat, dass ich doch zumindest einmal mitkommen soll. Ich saß dann abends in der Ecke und habe mich nicht wohl gefühlt.

„Ich stellte schnell fest, dass ich dort seelisch verhungern werde“

Sieben Wochen waren Sie dort.                                                                                            

Ich habe mich nie angepasst und am liebsten morgens mit den Bediensteten gefrühstückt. Es war für mich eine Welt, in der ich sehr schnell feststellte, dass ich dort seelisch verhungern werde. Das Geld, das ich verdient habe, habe ich lieber gespart und meine Familie damit versorgt.

Also haben Sie negative Erinnerungen an die Zeit?                                                             

Es war viel Angst und Traurigkeit dabei, aber auch meine Chance, aus dem Schlamassel daheim rauszukommen. Natürlich waren da auch schöne Momente: Ich hatte mir zum Beispiel meine ersten Rollerblades gekauft. Sau teuer waren die. 

Ich bin über das ganze Areal der Villa gerollt und hatte meinen Walkman an. Ich hatte irre Glück. Alle haben mich eher als süßes Mädchen, anstatt als Sexobjekt, gesehen.

Später haben Sie dann Pornos gedreht, wie „Die nackten Super- hexen vom Rio Amore“ 1981.

Nein, um Gottes Willen, das waren harmlose Sexfilmchen. Nach diesem Film war aber Schluss: Ohne mein Wissen wurden Szenen und Gestöhne reingeschnitten. 

Das war für mich weit über der Grenze. Dann habe ich beschlossen, mich nicht mehr auszuziehen. Es kamen immer noch viele Angebote reingeflattert. Oben ohne, nackt, Liebesszenen. Ich habe die Drehbücher alle zurückgeschickt und bin in eine Schauspielschule gegangen.

Sie drehten einige Serien und Filme. Wie war das Leben hinter den Kameras?               

Es war immer eine latente Traurigkeit in mir. Ich wäre lieber bereit gewesen zu sterben, als wirklich zu leben.

„Jetzt gibt es keinen Tag an dem ich nicht lächle.“

Warum?                                                                                                                                    

Es waren zu viele schwere Lasten aus meiner Kindheit auf meinen Schultern. Missbrauch, Gewalt, der ewige Hunger, Wertlosigkeit. Mein Vater hat mich geschlagen und gedemütigt. Ich bin einen langen Weg gegangen, um mich selbst zu finden. Jetzt gibt es keinen Tag, an dem ich nicht lächle.

Darüber haben Sie auch ein Buch geschrieben, das Sie den Menschen in Lesungen näherbringen.                                                                                                                          

Im Playboy habe ich mich körperlich ausgezogen, in meinem Buch und meinen Lesungen ziehe ich mich seelisch aus. Heute kann ich meine ganze Geschichte erzählen – und das fühlt sich verdammt gut an.

Sophia Oberhuber

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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