Gut beraten in den Urlaub

Schluss mit Urlaubs-Frust: Worauf Sie im Vorfeld achten sollten – Juristin klärt auf

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Stress im Urlaub? Eine Juristin der Verbraucherzentrale erklärt, wie Sie bei Zugausfällen, Fluglotsen-Streiks und dreckigen Hotels zu Ihrem Recht kommen.

Fluglotsen-Streik, Zugausfälle, dreckige Hotelzimmer – oft genug werden die schönsten Wochen des Jahres zum Albtraum. Wie Sie zu Ihrem Recht kommen und was Sie im Vorfeld beachten sollten...

München – Was steht mir zu, wenn mein Flieger aufgrund eines Streiks nicht abhebt? Wie sichere ich mich im Vorfeld einer Reise richtig ab? 

Antworten auf diese Fragen hat Julia Zeller. Die Juristin ist Reiserechts-Expertin bei der Verbraucherzentrale Bayern mit Sitz in München. Egal ob Schnee-Chaos im Winter oder Fluglotsen-Streik in den Sommerferien – die 31-Jährige hilft mit dem richtigen Rat. Den kann sich bei der Verbraucherzentrale auch jeder einzelne – gegen eine gewisse Gebühr – holen (weitere Informationen unter www.verbraucherzentrale-bayern.de). 

Die wichtigsten Fragen beantwortet Zeller zum Start der Sommerferien aber schon in Hallo München. Hier verrät sie von A bis Z, was man in Sachen Mietwagen beachten muss und ob Hotelbesitzer Familien mit zu lauten Kindern vor die Tür setzen dürfen.

Marco Litzlbauer

Julia Zeller (31), Referentin für Verbraucherrecht, über juristische Urlaubs-Streitfragen von A bis Z

Juristin Julia Zeller ist Expertin für Reiserecht bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Auslandskrankenversicherung: Die Police für den Krankheitsfall ist der wichtigste Schutz für einen Trip in ferne Lande. Wichtig jedoch: Unbedingt ins Kleingedruckte schauen! Denn eine Auslandsreise-Krankenversicherung begrenzt in der Regel die Dauer der vereinbarten Absicherung. Zumeist bieten die Jahrespolicen am Markt einen Schutz von höchstens 42 bis 70 Tagen pro Trip.

Bahn: Fällt der Zug aus und ist damit auch der reservierte Sitzplatz nicht mehr vorhanden, hat der Reisende einen Anspruch auf Rückzahlung des gezahlten Reservierungsentgelts.

Checken: Die Zimmerausstattung muss mit den gebuchten Leistungen übereinstimmen. Bietet das Fenster des Hotelzimmers anstatt des gebuchten Ausblicks aufs Meer nur ödes Hinterland, fehlt die gewünschte Dusche oder ist die Klimaanlage defekt, können Urlauber einen Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurückfordern. Welche Leistungen vereinbart wurden, ergibt sich aus dem Reisevertrag oder den Beschreibungen des zum Zeitpunkt der Buchung oder für den Reisezeitraum gültigen Katalogs.

Duty Free Shop: Duty-Free-Shops sind Warenhäuser, die unversteuerte Waren (ohne Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchsteuer) zum Kauf anbieten. Bei der Rückreise aus einem Nicht-EU-Mitgliedstaats nach Deutschland dürfen im Duty-Free-Shop unversteuert erworbene Waren im Rahmen der Reisefreimengen abgabefrei nach Deutschland eingeführt werden.

„Niemals des gesamten Preis im Voraus zahlen“

Echt: Betrüger werden heutzutage immer raffinierter. Fake-Ferienwohnungen zu erkennen ist daher nicht einfach. Wird zum Beispiel nur eine E-Mail-Adresse des Anbieters angegeben, aber keine weiteren Daten, wie Name oder Telefonnummer, kann dies ein Zeichen für einen Fake-Angebot sein. Die Ferienwohnung sollte auch detailliert beschrieben sein und die Adresse bekannt sein. Ein Tipp: Niemals den gesamten Preis im Voraus zahlen.

Fotos: Treten am Urlaubsort Mängel auf, muss der Reisende diese beim Reiseveranstalter melden und auch die Beseitigung des Mangels fordern. Die Anzeige ist an keine bestimmte Form gebunden. Es ist aber immer ratsam aus Beweisgründen mit Hilfe von Fotos oder auch Videos den Mangel zu dokumentieren.

Grillen: Laute Insekten, wie zum Beispiel Grillen in der Umgebung, müssen Urlauber hinnehmen. Insekten sind in der Regel ein natürlicher Bestandteil der Umgebung und daher nicht als Mangel anzusehen.

Hunde: Zwischen dem Urlauber und dem Hundesitter wird in der Regel ein Vertrag geschlossen. Der Hundesitter übernimmt hier das Risiko, für die vom Hund verursachen Schäden aufzukommen. Es ist aber auch möglich, dass vertraglich etwas anderes vereinbart wurde und damit der Hundehalter haften muss. Hier sollten die vertraglichen Bedingungen genau geprüft werden.

Internetportale: Wer die Reiseleistung erbringt, muss auch für eventuelle Reisemängel haften. Es ist daher wichtig, sich vor Buchung der Reise darüber zu informieren, wer der Reiseveranstalter ist oder ob das Reise-Portal als Reisevermittler auftritt. Sind diese Information nicht eindeutig zu erkennen, sollte der Reisende von einer Buchung Abstand nehmen.

Jet: Die Airlines räumen den Flugpassagieren grundsätzlich das Recht ein, die Lehnen in der Position zu verändern. Hier ist jeder Fluggast frei in seiner Entscheidung. Füllt sich der Hintermann gestört oder wird beispielsweise beim Essen stark beeinträchtigt, hilft hier in der Regel ein netter Hinweis an den Vordermann.

Kinder: Der Hotelbetreiber hat grundsätzlich das Hausrecht und kann selbst entscheiden, wer im Hotel geduldet wird. Wegen Kinderlärm kann der Hotelbetreiber die Familie nicht einfach aus dem Hotel werfen. Hier müssen gravierende Gründe vorliegen. Laute oder herumtobende Kinder sind jedoch nicht ausreichend.

Man sollte sich mit den Alkoholregelungen vor Ort vertraut machen

Likör: Hier ist auf die landestypischen Regelungen abzustellen. Sieht das Gesetz in dem Urlaubsland vor, dass bei einer Promillefahrt der Führerschein eingezogen wird, so muss der Reisende dies auch dulden. Vorab sollte sich informiert werden, welche Regelungen vor Ort gelten.

Mietwagen: Unerlässlich ist die Kfz-Haftpflichtversicherung. Hier sollte genau darauf geachtet werden, bis zu welchem Betrag der Versicherer haftet (sog. Deckungssumme). Ratsam ist es auch eine Vollkaskoversicherung abzuschließen. Am besten eine Police, die keine Selbstbeteiligung vorsieht und sowohl Diebstahl als auch Schäden an Reifen, Felgen, Unterboden und Dach, sowie wegen Steinschlags einschließt.

Nachbarn: Gartenpartys sind grundsätzlich nicht verboten. Es muss sich aber an die Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 7 Uhr gehalten werden. Gespräche dürfen jedoch weiterhin in Zimmerlautstärke geführt werden. Um unnötigen Ärger mit den Nachbarn oder auch der Polizei zu vermeiden, sollten die Nachbarn vorab informiert werden.

Operation: Ob Kosten bei einer medizinischen Behandlung im Ausland anfallen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Urlaubsland (EU oder Nicht EU), gesetzlich oder privater Versicherungsschutz. Im EU-Ausland übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten.

Panne: Ob auch im Ausland der ADAC Schutz Bestand hat, ist abhängig von der Police welche im Vorfeld abgeschlossen wurden. Es ist dem Urlauber daher zu raten, sich vorab genau die Inhalte seiner Versicherung durchzulesen und sich im Bedarfsfall entsprechend zusätzlich abzusichern.

Quallen: Hier kommt es darauf an, wie viele Quallen es sind und ob es sich um ein Gebiet handelt, wo zu einer bestimmten Jahreszeit viele Quallen auftreten. Ein paar Quallen bei entsprechender Witterung sind kein Reisemangel. Anders kann es jedoch sein, wenn ein Badeverbot ausgesprochen wird.

Auch bei der Reiserücktrittsversicherung gilt: Genau informieren!

Reiserücktrittsversicherung: Eine Reiserücktrittsversicherung ist zu empfehlen, wenn beispielsweise eine teure Reise lange im Voraus geplant wird. Auch für den Urlaub mit Kindern kann der Abschluss sinnvoll sein. Wer den Reiserücktritt versichert, sollte unbedingt darauf achten, dass auch gleichzeitig die Kosten für einen vorzeitigen Abbruch des Urlaubs übernommen werden.

Streik: Kann der Flug wegen eines Streiks nicht wie geplant stattfinden, kann der Reisende auf einen Ersatzflug bestehen oder den Flug stornieren und das Geld zurückfordern. Handelt es sich bei der Reise um eine Pauschalreise hat der Reiseveranstalter die Kosten zu tragen, welche durch den Streik entstanden sind.

Tabletten: Wer auf lebenswichtige Medikamente angewiesen ist, kann diese im Handgepäck transportieren. Es wird jedoch empfohlen, immer ein ärztliches Attest bei sich zu führen und dies gegeben falls vorzuzeigen. In modernen Linienmaschinen können heutzutage Medikament auch ohne Bedenken im Frachtraum transportiert werden.

Überfall: Wird im Urlaub die Handtasche gestohlen und damit auch alle wichtigen Urlaubsunterlagen, wie Pässe, Kreditkarten oder Hotelreservierung sollten umgehend alle Karten gesperrt werden und auch das Auswärtige Amt benachrichtig werden. Eine Kopie aller Reisedokumente und aller Notfallnummern sollte zudem separat im Reisegepäck aufbewahrt werden

Verspätungen: Bei einer Ankunftsverzögerung des Fliegers am Endziel von mindestens drei Stunden, steht dem Reisenden je nach Strecke eine Ausgleichzahlung zwischen 250€ und 600€ zu. Der Anspruch entfällt jedoch, wenn die Fluggesellschaft außergewöhnliche und unvermeidbare Umstände nachweist. Darunter fallen zum Beispiel schwere Unwetter.

Weitergeben: Handelt es sich um eine Pauschalreise muss der Reiseveranstalter dem Verbraucher ermöglichen, die Reise auf eine andere Person umzubuchen. Die hierdurch entstehenden Mehrkosten können vom Reiseveranstalter jedoch auf den Reisenden und den Ersatzreisenden umgelegt werden. Hierzu zählen insbesondere die Kosten für neue Flugtickets.

X-mal: Die meisten Anfragen bekommen die Verbraucherzentrale im Bereich Flugreisen. Klassiker sind hier dann ausgefallen oder verspätete Flüge und die Verbraucher streiten mit der Airline über mögliche (Geld-)Entschädigungen.

Vorab nach dem besten Wechselkurs suchen

Yen: Eine sorgfältige Planung beim Geldwechseln ist wichtig. Der Reisende sollte sich vorab genau informieren, wie der Wechselkurs vor Ort ist und wo Möglichkeiten bestehen Geld zu wechseln. Ein Vorabwechsel in Deutschland ist fast immer möglich. Häufig besteht im Vergleich zum Geldtausch im Zielland jedoch ein ungünstigerer Wechselkurs.

Zoll: Der Urlauber sollte sich vorab beim Zoll informieren, welche Souvenirs bedenkenlos mitgebracht werden können. Um vor unangenehmen Überraschungen geschützt zu sein, sollte geklärt werden, welche Waren zoll- und steuerfrei sind und von welchem Reisemitbringsel auf jeden Fall die Finger gelassen werden sollte. Zu beachten ist auch das bei Reisen innerhalb der EU andere Bestimmungen gelten, wie bei Reisen ins Nicht EU-Ausland.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Eine große Auswahl weiterer Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

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