Andreas Beck im Gespräch mit Hallo München

Neuer Indendant im Residenztheater: „Wir müssen unsere Preise überdenken“

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"Mich unterhält eine kluge Dokumentation manchmal viel mehr als ein laffer Vorabend-Krimi", so Andreas Beck.

Wie geht es mit dem Residenztheater weiter? Neue Möbel, neue Preise, neues Publikum? Der neue Intendant Andreas Beck im Interview... 

Der neue Indendant denkt über Veränderungen am Bayerischen Staatsschauspiel nach – zum Beispiel eine Familienkarte. Vielleicht gibt es bald auch Vorstellungen mit Hund? Über die letzte Installation von Ingo Maurer, wie er sich in seinem neuen Büro eingelebt hat und was für ihn Unterhaltung bedeutet, spricht der 54-Jährige im Interview. von SABINA KLÄSENER

Herr Beck, zum Start Ihrer Intendanz gibt es auch optisch Veränderungen, angefangen beim Büro, das Sie sich hier heimisch einrichten wollten.
Also heimisch und eingerichtet ist es noch nicht, die Bilder stehen noch da. Erstmal übernimmt man ja ein bisschen das, was der Vorgänger zurückgelassen hat. Das fiel mir in ein paar Details etwas schwerer.

Zum Beispiel?
Ich mag keine weißen Ledersessel, die sind schon nicht mehr da. Das ist nicht ganz mein Stil. Ich finde auch Couchs in Büros schwierig, eine suggerierte Gemütlichkeit, die ich nicht mag. Bin da ein bisschen strenger.

Eine weitere optische Neuerung ist die Installation von Ingo Maurer, die nun leider sein letztes Werk ist.
Das ist traurig, denn es war eine schöne Begegnung. Wir haben nie gesagt, es muss so oder so sein. Sondern wir haben uns über den Ort und den Raum unterhalten, was ich mir wünsche, wie ich versuche, das Theater zu öffnen. Irgendwann hat er gesagt: Ich habe eine Idee – ohne viele Worte hat er das mitaufgenommen, was wir uns erhofften. Das Residenztheater ist nach dem Krieg eingekastelt durch diesen neuen Eingang. Und jetzt ist es nicht nur eine deutliche Markierung, sondern auch eine luftige. Ingo Maurer, ein großer Künstler, hat diese Transparenz hergestellt. Und er ist ein Kind dieser Stadt.

Luftig leicht: Die „Silver Cloud“ von Ingo Maurer im Wintergarten des Resi. 

Wie intellektuell muss Theater sein?
Ich würde es anders fragen: Ist eine bestimmte Intellektualität per se unterhaltungsfeindlich?

Ihre Antwort darauf?
Ein geistreicher Abend kann genauso unterhalten wie ein alberner Abend. Man darf oder muss im Theater verführt werden, Dinge anders oder bestenfalls neu zu erleben. Es muss nicht immer leicht sein. Mir geht es manchmal so, dass eine kluge Dokumentation mich viel mehr unterhält, wenn ich mitdenke, als ein laffer Vorabend-Krimi. Apropos Krimis: Ich kann ja nicht jeden Abend 15 Krimis gucken.

Ich schon – vielleicht nicht 15.
Die Inflation von Krimis im deutschsprachigen Fernsehen finde ich wirklich auffällig. Das deutsche Fernsehen besteht nur noch aus Arztserien und Krimis.

Es heißt, junge Frauen gehen dem Theater verloren, wenn sie Kinder bekommen. Wie sieht es mit Betreuung aus?
Bei uns gibt es eine Kinderbetreuung, eine Theaterpädagogin und eine ganze neue Abteilung, die versucht das auszuweiten. Aktuell gibt es einmal pro Monat Betreuung. Als ich neu einen Hund hatte, habe ich mir gedacht, wie gehe ich jetzt noch ins Kino. Und habe festgestellt, dass es Kinos gibt, die Vorstellungen mit Hund anbieten. Was ich auch sehr gern genutzt habe. Will heißen, man muss sich allenthalben umhören und darf auch kreativ werden.

Kinderinszenierungen sind oft schnell ausverkauft. Ein Zeichen dafür, dass man Theater als Familie erleben möchte?
Jein. Das Angebot Theater ist etwas, das man erst lernen muss – in der Schule oder im Familienverbund, man wird herangeführt, dass es A nicht weh tut und B ganz leicht ist und man sich nicht aufbrezeln muss, sondern einfach hingeht.

Und ohne Schule und Familie?
Wir bieten Einführungen an, wie das Programm „Guck-Resi“, das heißt man muss nicht im Schauspielführer nachgeschaut haben oder sich vorbilden. Bei uns heißt es übrigens nicht mehr Junges Resi sondern Resi für alle, weil wir alle ansprechen wollen – schwellenlos. Man kann ganz individuell ins Residenztheater kommen, aber man kann hier Freunde und Freude finden.

Sind weitere Veränderungen geplant?
Wir schauen jetzt ein Jahr lang, aber wir müssen irgendwann über die Preisstrukturen und besondere, neue Angebote nachdenken. Wir überlegen beispielsweise eine Familienkarte anzubieten. Wir haben erstmal alles so übernommen, wollen selber Erfahrungen sammeln und auswerten. Wenn man wo ankommt, fängt man nicht an, gleich alles in Frage zu stellen.

Mit welchem Gefühl oder Gedanken sollen die Menschen das Resi verlassen?
Im Idealfall mit einem neuen Gedanken oder einer anderen Perspektive. Man kann auch von einem Abend beglückt werden, der sehr ernsthaft oder gar pessimistisch ist. Glück ist in unterschiedlichen Bereichen zu erfahren. Auf der Plakette am Eingang des Residenztheaters steht: Möge es dem Volk zur Freude und Besinnung dienen. Vielleicht ein guter Anspruch.

ZUR PERSON

Rückkehr in die alte Heimat: Andreas Beck, geboren am 5. Juni 1965, studierte an der LMU Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Daher war die Intendanz-Anfrage etwas Besonderes für ihn: „München ist eine Stadt, in der ich geworden bin, was ich heute bin.“

Nach Stationen unter anderem in Wien, Stuttgart und Hamburg war Beck zuletzt Intendant des Theaters in Basel, bevor er in München einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieb. Obwohl in Mülheim an der Ruhr geboren sei er kein waschechter Saupreiß: „Die Familie mütterlicherseits kommt aus Holzkirchen.“

In Interviews verwendet Beck auffallend gerne Fußball-Analogien. Für wen sein Fußball-Herz wohl schlägt? „Früher habe ich zu den 60ern gehalten, weil ich da auch gewohnt habe, also am Grünwalder Stadion.“ Heute ist das anders: „Ich gucke schon ein bisschen, wie die Bayern stehen, aber wenn es zu langweilig wird, weil sie eh’ die Besten sind, dann schau ich nicht mehr.“

Anders als zu Studentenzeiten wohnt Beck nun in Bogenhausen, aber nicht in irgendeiner Wohnung, sondern dort, wo Margarethe von Trotta als Studentin wohnte.

GEWINNEN SIE KARTEN FÜR DAS RESIDENZTHEATER

„Dieses Haus mag ich sehr. Obwohl es so eine Größe hat, stimmt die Harmonie des Ortes. Es ist ein Riesenhaus, aber man geht trotzdem nicht rein und sagt: Wow ist das groß, wie beim Deutschen Schauspielhaus in Hamburg“, schwärmt Andreas Beck vom Residenztheater. 

Das eröffne Möglichkeiten: „Hier erscheint alles denkbar und das ist das Tolle.“ Was alles denkbar ist, sieht man bei einem der Premieren-Stücke: „Die Verlorenen“ erzählt die Geschichte von Menschen, denen die Selbstverständlichkeit, Mensch zu sein, abhanden gekommen ist. In Ewald Palmetshofers Stück geht es auch darum, was das Wort „Mensch“ bedeuten könne. 

Nächste Vorstellungen: 1., 2. und 6. November. Karten ab 14 Euro unter 21 85 19 40. 

Hallo verlost 5x2 Karten für Samstag, 2. November, 18.30 Uhr im Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1. 

Teilnahmeschluss: 29. OKTOBER

Das Gewinnspiel ist beendet.
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