„Münchnerinnen, verbündet euch!“

Gleichstellung: So ist die Situation in München – Mädchenkonferenz beleuchtet Defizite

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Regelmäßig engagieren sich junge Münchnerinnen bei der „Fridays for Future“-Bewegung – wie hier auf der Theresienwiese. Der Klimawandel wird auch bei der Mädchenkonferenz thematisiert.

„Hört uns zu! Wir sagen, was wir wollen!“: Bei der Mädchenkonferenz am Freitag, 19. Juli, im Rathaus haben junge Frauen das Wort. In Hallo klärt eine Expertin über die aktuelle Lage in München auf.

Altstadt/Blumenau – Gleich drei Jubiläen gibt es heuer, die den Anlass dazu gaben, jungen Münchnerinnen bei einer Mädchenkonferenz im Rathaus eine Plattform zu bieten: 100 Jahre Frauenwahlrecht, 30 Jahre Kinderrechtskonvention sowie 30 Jahre Münchner Fachforum für Mädchenarbeit. 

Vor Kurzem wurde außerdem der „1. Aktionsplan zur Gleichstellung von Frauen und Männern“ in den Stadtrat eingebracht, der etwa 70 Maßnahmen enthält. 

Wie es um die Gleichstellung in München steht, verrät Gabriele Nuß (57), stellvertretende Leiterin der Münchner Gleichstellungsstelle, im Interview. von Daniela Borsutzky

Frau Nuß, im Münchner Stadtrat sind von 80 Mitgliedern 34 weiblich. Wie stehen wir im Vergleich da?
Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei 31 Prozent, im Landtag sind es sogar nur 27. Im Vergleich steht München also eher gut da. Aber die Zahlen schwanken natürlich. Interessant ist, dass viele Frauen erst im Nachrückverfahren in Gremien einziehen, weil sie auf den hinteren Listenplätzen stehen. Es gibt jedenfalls noch deutlich Luft nach oben.

Gabriele Nuß (57), stellvertretende Leiterin der Münchner Gleichstellungsstelle.

Bei der anstehenden Kommunalwahl gehen sowohl die Grünen mit Katrin Habenschaden als auch die CSU mit Kristina Frank mit einer Frau ins Rennen. Ist es Zeit für eine Oberbürgermeisterin?
Das entscheidet die Münchner Stadtgesellschaft.

Die Gleichstellungsstelle gibt es seit 1985. Was haben Sie bisher erreicht und was ist das nächste Ziel?
Vor allem haben wir erreicht, das Thema immer präsent zu halten und haben das auch in Zukunft vor.

Wie sieht es in der freien Wirtschaft aus?
Auf dieses Feld haben wir keinen direkten Einfluss. Wir können nicht in die Personalstruktur von Firmen eingreifen. Aber wir sind im Gespräch mit vielen Verbänden und Netzwerken und bieten uns als Sparringspartnerinnen an.

Vor welchen Herausforderungen stehen Münchner Mädchen heute?
Zum einen vor strukturellen Veränderungen wie beispielsweise der Ganztagsbildung, welche gerade entwickelt und umgesetzt wird. Mädchen und Jungen bleiben jetzt viel stärker in den sozialen Bezügen, die über schulische Strukturen entstehen. Zum anderen natürlich der Klimawandel. Ich bin sehr stolz auf all die jungen Frauen, die sich hier gerade ihre politische Stimme erkämpfen.

Zu welchen Vorbildern können sie heute aufblicken?
Von unserer Bürgermeisterin Christine Strobl, die schon sehr lange im Amt ist, kann man sich durchaus eine Scheibe abschneiden.

Wenn eine junge Frau heute mit patriarchalen Attitüden konfrontiert wird – was raten Sie in solchen Situationen?
Sie sollen sich verbünden! Sie sollen nicht als Einzelne versuchen, die gläserne Decke, die die Gesellschaft aufgebaut hat, einzureißen. Zusammen ist man immer stärker.

Eine große Auswahl weiterer spannender Interviews finden Sie in unserer Übersicht.

„Hört uns zu!“

Unter dem Motto „Hört uns zu! Wir sagen, was wir wollen!“ findet am Freitag, 19. Juli, die Mädchenkonferenz im Rathaus statt. Von 15 bis 17.30 Uhr können Münchnerinnen ab zehn Jahren mit Politikerinnen ins Gespräch kommen und Anträge stellen. 

Die Organisatorinnen vom Münchner Fachforum für Mädchenarbeit und der Gleichstellungsstelle freuen sich auf viele Besucherinnen. „Unsere Motivation ist es, Mädchen durchs Tun auf der Mädchenkonferenz Lust und Selbstvertrauen für ihren persönlichen politischen Lebensweg zu machen“, erklärt Gabriele Nuß.

Bessere Beleuchtung in der Blumenau

Sandra Lüders (28), Pädagogin im „Mädchentreff Blumenau“.

Sandra Lüders (28) ist Pädagogin im „Mädchentreff Blumenau“ und hat die Mädchenkonferenz mitorganisiert. Zusammen mit einer Gruppe von 9- bis 18-Jährigen wird sie am Freitag vor Ort sein. 

„Wir werden beispielsweise auf das Thema Umwelt- und Klimaschutz eingehen, auf den sogenannten Pay Gap, also den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, aber auch auf mehr Sicherheit im öffentlichen Raum“, erklärt Lüders. 

Die Blumenauer Mädchen hätten sich sowohl mit allgemeinen Münchner Themen befasst, aber auch mit Problemen, die speziell ihr Viertel betreffen. Ein in ihren Augen besonders wichtiges Thema: „Die Blumenau ist durch die Autobahn in zwei Teile getrennt. Viele Mädchen dürfen die Brücke nicht alleine überqueren. Seit langem fordern wir eine bessere Beleuchtung“, sagt Lüders. 

Da alle Bemühungen bisher scheiterten, steht die Beleuchtung nun erneut auf der Agenda – und Lüders und die Mädchen hoffen auf politische Unterstützung.

Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

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