A bis Z mit Ilse Neubauer

Ilse Neubauer wird für ihre kulturellen Verdienste ausgezeichnet – „Ziele erreichen? Nur im Sprint!“

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Schauspielerin Ilse Neubauer wird mit der Medallie "München leuchtet" für ihre kulturellen Verdienste geehrt.

Sie ist eine der kultigsten Schauspielerinnen Bayerns. Jetzt bekommt Ilse Neubauer die Medaille „München leuchtet“

München – „Die Hausmeisterin“, „Pumuckl“, „Irgendwie und Sowieso“, „München 7“: kaum eine bayerische Kult-Serie ohne Ilse Neubauer. 

Aber mindestens genauso lang ist die Liste der Facetten, die das Leben der Schauspielerin – abseits der Kameras – prägen: Sie liebt das Garteln, ist Feministin der ersten Stunde und unter der bis zu sieben Meter hohen Decke ihres Hauses in der Landwehrstraße stapeln sich 15 000 Bücher. Vor allem aber hat sie nie ihre Wurzeln vergessen – München. 

Für ihre kulturellen Verdienste für die Stadt erhält die 77-Jährige jetzt die Medaille „München leuchtet“. Warum Helmut Fischer am Set verzweifelt ist, wie sie in den 60ern rebellierte und wo ihre Karriere begonnen hat, erzählt Neubauer im Hallo-Interview.

Sophia Oberhuber

Schauspielerin Ilse Neubauer (77) von A bis Z

Alice Schwarzer verdanke ich ganz viel, sonst wäre ich heute noch so ein ängstliches Wasal. Sie ist genauso alt wie ich, aber ich war naiv. Alice hat mir den Weg gewiesen. Ich bin eine flammende Feministin.

Bayerischer Rundfunk: Ich war nicht direkt ein riesen Renner, aber ich konnte mich von Anfang an als Schauspielerin ernähren. Das war schon ein Wunder. Vom BR habe ich ein Stipendium über 500 Mark bekommen. Und da hat dann auch meine Mutter geglaubt, dass ich vielleicht doch Talent habe.

Chaos: Mein zweiter Vorname ist Chaos (lacht). Ich wollte mal eine Putzfrau engagieren, die dann gesagt hat: „Hier kann ich nicht putzen, weil ich überhaupt nicht weiß, wo die ganzen Sachen hingehören.“

Dietl, Helmut: Mit Dietl hatte ich auch mal Terror. Er hat für die Serie „Der ganz normale Wahnsinn“ gecastet, mir eine Rolle zugesagt und dann trotzdem anders besetzt. Wenn ich ihn auf der Straße in Schwabing getroffen habe, habe ich die Faust gereckt. Und dann haben wir uns auch wieder verstanden.

Ehe: Ich wurde Anfang 20 schwanger. Beide Familien wollten natürlich, dass wir sofort heiraten. Das ging mir aber alles zu schnell. Ich wollte doch Schauspielerin werden.

Falsche Siebziger: Mit dem Regisseur Matthias Kiefersauer hab ich vor zwei Jahren die „Falschen Siebziger“ gedreht. Er hat mir eine Doppelrolle gegeben und ich liebe ihn dafür.

Gräfelfing: Wir haben in Gräfelfing gewohnt, als ich ein kleines Kind war. Da habe ich meine Freundin Heidi Brühl kennengelernt. Ihr Vater hatte ein großes Kino, in das ich nachmittags gehen durfte. Da habe ich gemerkt, dass der Film schöner ist als das echte Leben.

Hof: Meine Mutter hat sich in Garmisch einen Bergbauernhof gekauft. Wir hatten Mulis, auf denen bin ich immer rumgeritten. Es war traumhaft dort, wir sind den Berg runtergefetzt. Von acht bis zwölf Jahren habe ich da gelebt.

Ilse-Hasi: Cornelia Willinger hat die Serie „Die Hausmeisterin“ geschrieben und Ilse-Hasi nach mir benannt. Wir sind heute noch befreundet.

Jung geblieben: Ich bin innen jung bis albern, außen alt. Wie’s halt so ist.

Kinderbücher: Mit meinen Büchern fühle ich mich reich. Ich sammle auch Kinderbücher. Ich komme aus einer Zeit, in der alle bekannten Bücher von Jungen gehandelt haben. Irgendwann habe ich angefangen, die zu sammeln, in denen kleine Mädchen die Heldinnen sind.

Langstreckenlauf: Ich bin eigentlich keine Kämpferin, vor allem keine Langstreckenläuferin. Wenn zu viele Hindernisse im Weg sind, neige ich dazu aufzugeben. Ich bin aber ganz leicht zu begeistern und dann sause ich los. Der Sprint reicht nämlich auch oft.

Mama-Sein: Es war schon hart, mit Anfang 20 alleinerziehend zu sein. Ich bin mit meinem Sohn sehr eng – aber wir streiten uns auch viel.

Naive Rollen kann ich sehr gut spielen, weil ich auch einen kleinen Anteil Naivität in mir habe.

Ofen: Ich bin eine Null-Hausfrau. Aber Freundinnen von mir wie die Maria Peschek können wunderbar kochen und backen. Und die freuen sich, weil es mir einfach so gut schmeckt.

Pumuckl war der Liebling meines Sohnes. Ich habe in vier oder fünf Folgen mitgespielt – und das sehr gerne.

Qual: Ich kann nicht gut damit umgehen, im Mittelpunkt zu stehen. Es ist eine Qual für mich. Ich weiß heute, wenn ich wo eingeladen bin, wie ich reinkomme, ohne über den roten Teppich gehen zu müssen.

Residenztheater: Durch die Lehrer beim BR kam ich ans Residenztheater. Das Fernsehen habe ich aber mehr genossen. Auf der Bühne war ich immer sehr nervös.

Schneeberger, Gisela: Ich werde dauernd mit meiner lieben Freundin Gisela Schneeberger verwechselt. Wir wissen beide nicht, warum. Sie hat sogar schon meine Autogramm-Post bekommen.

Texte lernen war immer leicht für mich. Der Helmut Fischer hat sich immer schwer getan. Wenn eine neue Seite kam, wurde er ganz wahnsinnig. Heute muss ich auch büffeln – und das freut manche Kollegen doch sehr (lacht).

Urlaub: Mit meinem Sohn war ich zwei Monate in Mexiko – mit einem VW-Käfer.

Verreckerlis: Ich gartle sehr gerne. Ich habe nicht nur einen kleinen Garten mitten in der Stadt, sondern auch einen Wintergarten mit 200 Pflanzen. Alleine bis da alles gegossen ist, dauert’s eineinhalb Stunden. Ich krieg auch oft so Verreckerlis geschenkt, weil alle denken, dass die Pflanzen bei mir schon wieder werden.

Wohnen in München: Ich liebe München und wenn ich in Berlin bin, muss ich es immer verteidigen. Manchmal nehme ich es mit Humor, manchmal werde ich sauer. Alle glauben, Bayern-Bashing kann man machen. Ich glaube, es ist der blanke Neid...

X-Mal: Ich kann mich nicht beherrschen und rede den Leuten immer rein. Das ist ein furchtbares Laster. Ich entschuldige mich immer dafür.

Yoga ist ein Lebenselixier. Im Internat in der Schweiz habe ich schon mit zwölf Jahren Yoga gemacht.

Zukunft: Ich möchte arbeiten bis ich tot umfalle. Ich wollte immer 100 oder älter werden. Als ich ein Kind war, gab es in Deutschland sechs 100-Jährige, heute 24 000. Die Chancen stehen also gut (lacht).

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