„Die Wiesn wird münchnerischer“

Michael Käfer: seine Prognose für die Wiesn 2021, über Bierzapfen in der Wüste und Heiligabend

Feinkost-Händler und Wiesn-Wirt: Michael Käfer über das Oktoberfest 2021.
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Feinkost-Händler und Wiesn-Wirt: Michael Käfer über das Oktoberfest 2021.

Michael Käfer ist Wiesn-Wirt und Feinkosthändler. Im Interview von A-Z redet er über seine Prognose für die Wiesn 2021 und warum sie münchnerischer werden könnte.

P1-Gründer, Feinkost-Papst und Papa: Michael Käfer, eine Größe in Münchens Feinkostwelt, schreckt auch in der Krise nicht vor Investitionen zurück. Er will 2021 zwei neue Geschäfte aufmachen, im Laufe der nächsten Jahre sollen es zehn werden. Der Bogenhauser hofft inständig auf eine Wiesn 2021 und glaubt, dass die auf jeden Fall „münchnerischer“ wird als sonst. Wie die Zwischenbilanz des 62-Jährigen zum Lockdown ausfällt, was in seiner Küche niemals auf den Teller käme, warum es mitunter schwierig ist, Gäste wie Bill Clinton zu bewirten und was er Weihnachten am liebsten isst, verrät Michael Käfer im Interview.

Der Feinkost-Händler und Wiesn-Wirt Michael Käfer im Interview von A-Z

Alkohol trinke ich kaum. Mal ein Glaserl Wein. Mehr nicht, das vertrage ich auch nicht. Gutes Essen ist natürlich toll! Aber auch das ist nicht meine größte Passion. Mir macht es mehr Freude, zu sehen, wenn die Kunden zufrieden sind.

Bill Clinton und seine Frau Hillary waren schon bei uns in der Wiesn-Schänke. Ganz klar: So ein Besuch ist ein Highlight. Man muss solchen Gästen viel Aufmerksamkeit schenken. Aber das ist auch eine Gratwanderung: Denn wichtiger sind natürlich die normalen Gäste, die immer wieder kommen.  

Corona: Angst vor dem Virus habe ich nicht. Aber erst in diesen Tagen habe ich mit einem Freund telefoniert, der Corona hatte und beatmet werden musste. Er hatte das Gefühl, zu ersticken. Schrecklich! Jetzt geht es ihm wieder besser, aber es ist furchtbar, so etwas zu hören. Da wächst der Respekt vor dem Virus wieder.

Demenz: Leider ist meine Mutter sehr dement. Sie ist 91 und lebt bei uns in Bogenhausen. An manchen Tagen erkennt sie mich nicht, das ist sehr traurig für mich. Deshalb setzen wir uns mit der Käfer Stiftung bewusst für ältere Menschen ein.

Eklig: Die meisten Dinge esse ich gerne, was ich mir aber nicht vorstellen kann, ist, irgendwelche komischen Tiere wie Schlangen zu essen. 

FC Bayern: Die Spieler kommen immer zu uns in die Wiesn-Schänke. Das hat Tradition, wir sind schon lange mit dem FC Bayern verbunden. Auch, weil ein Jugendfreund meiner Mutter, Hansi Bauer – der erste Bayern-Weltmeister –, Spieler war. 

Gäste: Die fehlen mir am meisten in diesem Corona­-Jahr.

Heiligabend ist bei uns der arbeitsreichste Tag, da bin ich schon um fünf Uhr morgens unterwegs. Und werde abends entsprechend früh müde.  

Investitionen plane ich trotz Krise. Relativ sicher eröffnen wir nächstes Jahr zwei weitere Märkte – einen im Münchner Süden und einen in der Mitte. Sie werden ähnlich sein wie das Geschäft in Solln.

Jugend: Ich hatte auch als Bub nie einen anderen Berufswunsch. Ich wollte immer ins Familien­unternehmen einsteigen. 

Kühlschrank: Was ich immer zuhause habe sind Brot und Butter. Bei Brot kann ich sowieso nicht widerstehen – wenn irgendwo Brot mit einer knusprigen Kruste steht, muss ich ein Stück essen. 

Lockdown: Im Lockdown lese ich viel – etwa über Nachhaltigkeit. Das ist das Thema, das jeden von uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen wird.  

Mama: Aufgewachsen bin ich nach der Scheidung meiner Eltern bei meiner Mutter. Mein Vater Gerd hat immer gearbeitet, ich habe ihn kaum gesehen – typisch für seine Generation. Ich bin viel mehr Familienmensch als er es war. 

Nachwuchs: Meine Buben sind Zwillinge, sie werden im März zehn. Sie sind auch schon öfter dabei im Geschäft, das macht ihnen richtig Spaß. 

Ozapft: Ich hoffe sehr, dass die Wiesn nächstes Jahr stattfindet. Aber ich bin sicher: Wenn es 2021 eine Wiesn gibt, wird sie anders – münchnerischer. Also auch besonders! Ich glaube nicht, dass so viele Touristen aus der ganzen Welt kommen wie sonst. 

P1: Mei, das P1 hab ich 1983 aufgemacht – mein erster eigener Laden. Ich hatte das große Glück, dass München damals die Stadt war, in die alle kamen, auch die Musiker. München hatte die besten Tonstudios. Die 80er-Jahre waren eine tolle Zeit, aber in einem bestimmten Alter ist das nicht mehr so lustig. Deswegen bin ich ausgestiegen.  

Quark: Einfache Gerichte wie Kartoffeln mit Quark oder Bratkartoffeln mit einem Stück Fleisch können großartig sein. Aber: Dafür müssen sie perfekt sein, jede einzelne Scheibe Bratkartoffel muss knusprig sein. Und dann kann man dafür auch Geld verlangen. Das sage ich meinen Köchen immer wieder oder diskutiere mit ihnen. Ich glaube auch, dass das in Zukunft unsere Delikatessen sind: einfache, regionale Gerichte, absolut perfekt zubereitet. 

Ruhestand ist für mich kein Thema. Gerade die Corona-­Zeit hat mir gezeigt, dass mir die Arbeit fehlt.

Service: Guter Service war für meinen Vater ganz, ganz wichtig. Das ist bei mir genauso.

Traditionell gibt es bei uns daheim am ersten Weihnachtsfeiertag Hummer zu essen. Da freue ich mich immer besonders drauf.

Umsatz: 2019 haben wir einen Umsatz von 173 Millionen Euro gemacht. In diesem Jahr ist es weniger: Die eins bei der Zahl streichen, dann kommt es in etwa hin. 

Vorfreude: Ich hätte es nie gedacht, aber das, worauf ich mich „nach“ Corona am meisten freue, ist das Meer. Das Reisen fehlt mir. 

Weihnachten: Klar, unser größter Geschäftsbereich, also Gastro, Partyservice und Catering, fällt jetzt weg. Aber ich glaube, dass das Weihnachtsgeschäft trotzdem gut wird. Einige Kunden, für die wir sonst die Firmenfeier organisieren, haben stattdessen schon Geschenke für ihre Mitarbeiter bestellt.

Xundheit: Fit halte ich mich mit Joggen – das mache ich mit meiner Frau Clarissa.

Yes, we can: Klar realisieren wir auch ausgefallene Wünsche oder verrückte Ideen! Richtig Spaß gemacht hat es, in der Wüste von Marokko ein Wiesnzelt aufzustellen. Und Dirndl stehen auch den marokkanischen Damen sehr gut! Oder eine Feier im Schloss Neuschwan­stein. Auch lustig: Als wir für ein Zwillingspärchen eine Feier ausrichteten, haben im Service nur Zwillinge gearbeitet.

Zukunft: Nachhaltigkeit, Regionalität und soziales Engagement – das wird auch in Zukunft für Unternehmen wichtig. Wenn junge Leute einkaufen, wollen sie wissen, wo, was unter welchen Bedingungen produziert wird.  

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