Thorsten Havener im Gespräch mit Hallo München

Münchner Mentalist zeigt, wie Sie Körpersprache trotz Corona-Mundschutz lesen können

Thorsten Havener
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Thorsten Havener

Der Mentalist liest Gedanken, indem er die Körpersprache seines Gegenübers versteht. Er weiß, was Menschen souverän und sympathisch wirken lässt. Er erkennt, was Augen verraten und was nicht. Denn gewissermaßen sind wir hinter unserer Maske alle gleich. Oder? Ein Gespräch über Mimik und Gestik in Zeiten des Mund-Nase-Schutzes. 

Herr Havener, wenn wir uns gegenüber säßen und nicht telefonieren würden, hätten Sie jede meiner Gesten und meine Mimik deuten können. Wie hätten Sie erkannt, dass mich das nervös macht?
Nervosität äußert sich oft in vermehrter Bewegung. Sie hätten öfter geblinzelt, mit den Händen gezappelt. Oder aber das komplette Gegenteil wäre eingetreten und Sie wären komplett starr geworden. Das ist die Krux bei der Körpersprache und gleichzeitig, warum ich sie so spannend finde: Allgemeine Aussagen lassen sich nur selten treffen.
Wie löst ein Mentalist dieses Problem?
Durch Intuition. Und man muss schauen: Weicht jemand von seinem sonstigen Verhalten ab? Trommelt jemand dauernd mit den Fingern am Tisch, dann ist das nur ein Zeichen für Nervosität, wenn er das sonst nicht tut.
Derzeit gilt vermehrt Maskenpflicht. Ist die nonverbale Kommunikation dadurch zum Scheitern verurteilt?
Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Mund und Nase machen zwei Drittel aus, wie wir uns im Gesicht ausdrücken. Nur an den Augen lässt sich nicht erkennen, ob jemand zweifelt oder trauert, ob jemand zornig ist oder sich ekelt. In Japan gehört der Mund-Nase-Schutz schon länger zum Alltag. Dort wird die wegfallende Mimik durch Gesten unterstützt. Es ist auffallend, dass dort Gesten schon fast übertrieben wirken. Probieren Sie das mal aus, wenn Sie beim nächsten Mal beim Bäcker bezahlen: Lächeln Sie unter der Maske und zeigen außerdem den Daumen hoch – Sie werden merken, wie anders Sie wahrgenommen werden.
Daumen hoch und alles halb so schlimm?
Ich sehe die Masken auch kritisch und bin froh, wenn das wieder vorbei ist. Das Ziel unserer Mimik ist ja, dass wir eine emotionale Verbindung zueinander aufbauen. Das fällt schwerer, wenn wir Masken tragen.
Eine Grundannahme: Wenn man Körpersprache lesen lernen kann, kann man auch lernen, sie zu verstecken. Richtig?
Mit Training lässt sich das zu einem gewissen Grad machen. Aber wir Menschen sind ja wie eine Tube Senf. Wenn man fest genug drückt, kommt raus, was drinnen ist.
Das heißt?
Wir können Gefühle bis zu einem gewissen Grad kaschieren, aber unter Druck werden sie für unser Gegenüber sichtbar. Sie kommen dann raus – wie der Senf aus der Tube. Wie viel Druck jedoch nötig ist, kann man bis zu einem gewissen Grad trainieren. Für gute Führungskräfte zum Beispiel ist das ein sehr wichtiger Aspekt. Angenommen, eine gute Führungskraft merkt, dass etwas schief läuft – es baut sich Druck auf. Dennoch hat sie sich unter Kontrolle und bleibt besonnen, ruhig und Herr der Lage. Das heißt nicht,dass die betreffende Person emotionslos ist, sie weiß nur, ihre Emotionen zu beherrschen und mit ihnen richtig umzugehen.
Zum Schluss noch ein Tipp für unsere Leser: Wie wirkt man souverän?
Zunächst: Alle Macht kommt von innen. Die Körpersprache ist immer erst der zweite Schritt. Der erste ist: Was denke ich? So wie ich denke, werde ich mich auch verhalten.
Und dann?
Wenn ich souverän wirken will, dann durch Offenheit und eine gewisse Ernsthaftigkeit. Sonst wirkt man schnell herablassend. Authentizität ist auch wichtig. Die Grundbausteine der Körpersprache sind offene und geschlossene Gesten. Ein Experiment zeigte, dass offene Handflächen einen sympathischer wirken lassen. Also: Handflächen öffnen, keine Faust, kein erhobener Zeigefinger. Üben kann man das vor dem Spiegel, aber es sollte nicht einstudiert wirken, sonst geht die ganze Wirkung verloren.

Wie Körpersprache die Kommunikation beeinflussen kann, erklärt Thorsten Havener in seinem neuen Buch „Ich sehe das, was du nicht sagst“. Hallo verlost fünf Exemplare. Machen Sie mit beim Gewinnspiel!

Zur Person Thorsten Havener

Begonnen hat der 1972 geborene Thorsten Havener seine Karriere als Zauberkünstler. Aber auch nachdem er sich 2001 von der klassischen Zauberei ab- und den Geheimnissen der Körpersprache, der Verhaltenspsychologie, der Illusion und der Intuition zuwandte, ist das Staunen des Publikums geblieben: Als „Gedankenleser“ begeisterte er im Fernsehen und bei Shows, seine Bücher zementierten seinen Status als Experte für Körpersprache, Charakterkunde und Menschenkenntnis. Haveners Bücher verkauften sich über eine Million mal, sein erstes, „Ich weiß, was du denkst“, wurde in 16 Sprachen übersetzt. Havener lebt mit seiner Familie in Pullach. 

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