„Kinder haben keinen Hab-dich-lieb-Filter“

Thomas Müller im Gespräch mit Hallo München - Seine Anfänge im Fußball und sein erstes Kinderbuch

Thomas Müller Hat ein Kinderbuch geschrieben.
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Thomas Müller Hat ein Kinderbuch geschrieben.

Vom ersten Ballkontakt über die Anfänge beim FC Bayern bis hin zum Drama vom „Finale dahoam“: Das Kinderbuch von Thomas Müller zeichnet den Weg zum Profi nach. Wie der Offensivspieler mit Niederlagen umgeht und ob er mit Pippi Langstrumpf mithalten kann, verrät der 30-Jährige im Interview. 

  • Thomas Müller hat ein Kinderbuch geschrieben.
  • Es geht um Fußball, den FC Bayern und seinen persönlichen Weg.
  • Der Superstar im Interview bei Hallo München.

Herr Müller, Sie wurden „Storch“, „Fräulein Müller“, „Radio Müller“ genannt. Ihr Rat an Kinder, wie man mit solchen und anderen Kommentaren umgehen soll?
Zwei der Spitznamen gehen auf meinen Jugendtrainer Hermann Gerland zurück. Der gibt nur denen einen, die er mag, also konnte ich das einordnen. Man kann sich davon runterziehen lassen, wenn andere zum Beispiel Muckis haben und man selbst nicht. Man muss sich selbst im Spiegel ansehen und sich denken, dann bin ich eben anders, zeigen tu ich es denen trotzdem.

Die Helden in Kinderbüchern wie Pippi Langstrumpf oder Räuber Hotzenplotz sind oft Rebellen. Wie viel steckt davon in der Romanfigur Thomas Müller?
Mit Pippi kann ich nicht mithalten – meine eigenen Pferde kann ich nicht hochheben. Aber die Geschichten aus dem echten Leben sind manchmal die interessantesten. Im Buch sind witzige Anekdoten dabei.

Welche Botschaft wollen Sie mit diesem Buch vermitteln?
Ich möchte meinen Erfahrungsschatz weitergeben. Man hört oft: Die Schule ist wichtig. Vor allem das Warum ist wichtig. Die Schule hat mir geholfen, keinen Druck zu haben, Profi werden zu müssen. Fußballer werden derzeit heroisiert. Ich will weitergeben, wie ein Kind der beste Fußballer wird, der es sein kann – nicht Profi.

Hallo München verlost fünf Exemplare des neuen Buchs von Thomas Müller

Würden Sie Ihrem eigenen Kind zu diesem Weg raten?
Entscheidend ist, ob das Kind Lust hat. Jeder hat verschiedene Fähigkeiten. Alles ist möglich. Was nicht heißt, dass ich Olympiasieger im 100-Meter-Sprint werde. Man darf nicht zu gierig sein und braucht das Umfeld, die Eltern als Berater.

Sie haben wegen des Trainings Ihre Klassenkameraden wenig gesehen. Gab es da mal blöde Kommentare?
Kinder haben so ein Thema mit Klamotten. Ich hatte Klassenkameraden, die nach der Schule zum Skatepark sind, also wollte ich auch Skateschuhe haben. Als ich dann zum Training zum FCB bin, war ein anderer Style bei den Münchnern im Trend und die scherzten, ach ist das bei dir da draußen jetzt angesagt. Kinder sagen immer das, was gerade gedacht wird, das geht nicht durch einen Hab-dich-lieb-Filter durch.

Was war der schönste Moment der Karriere?
Superlative sind meine Schwachstelle. Die schönsten Momente sind im Buch vielleicht gar nicht beschrieben. Die Gruppendynamik, die ich beim Mannschaftssport so liebe, wie Gespräche mit Mitspielern nach dem Training. Viele würden vermuten, dass es das erste Profi-Spiel ist. Doch das ist kein schöner Moment. Da hast du die Hosen voll.

Ist Ihnen bewusst, dass Sie ein Traumleben führen?
Für das, was man gerade erlebt, hat man hart gearbeitet. Das Problem: Das hört nie auf. Wenn man im Hamsterrad ist, muss man treten. Sonst schleudert es einen raus. Man konnte bei mir diese Saison auch miterleben, wie viel Höhen und Tiefen es geben kann. Man wird bewertet, kritisch beäugt. Das ist Teil des Geschäfts. Viele Spieler machen sich darüber Gedanken. Nicht jeder hat das Glück mit so einer Fröhlichkeit ausgestattet zu sein, um diese negativen Seiten gut verarbeiten zu können.

Sie sagen, Talent allein reicht nicht. Wie entwickelt man den nötigen Willen?
Wenn man Erfolg haben möchte, muss man anpacken und Antrieb haben. Dass man auch glücklich ist, wenn man müde vom Training ist. Ich selbst war schon immer aktiv, da könnte meine Mutter Geschichten erzählen. Dieser Motor hilft schon. Disziplin ist das andere. Man sollte für das brennen, was man macht und sich fragen, was will ich eigentlich?

Hatten Sie selbst mal Motivationsprobleme?
Wenn in der Jugend viele Prüfungen anstanden, war das nicht prickelnd. Aber dann muss man nach vorne schauen, daher hatte ich nie eine große Depression. Als Profi ist die Zeit zwischen September und Weihnachten im Verein und mit der Nationalmannschaft die härteste. Dann frag ich mich: Willst du einer der besten sein? Wenn ja, dann gibt es kein Erbarmen.

Wie lernt man mit Niederlagen umzugehen?
Das lernt man als Sportler automatisch – keiner gewinnt jedes Spiel. Dann muss man aufstehen, denn das nächste Spiel ist das wichtigste. In der FCB-Jugend wurde man hochgestuft, wenn man in seiner Klasse überlegen war. Man verschiebt die Grenze immer weiter nach oben, daher habe ich den Umgang gelernt. Als Offensiver weiß ich, dass auch mal was schief gehen darf. Dann wird die nächste Situation besser.

Thomas Müller im Gespräch mit Hallo München

Seit 20 Jahren beim FC Bayern: Thomas Müller, der am 13. September 1989 in Weilheim geboren wurde, ist die Identifikationsfigur des Vereins. Mit dem FCB holte er seitdem zahlreiche Meisterschaften und 2013 das Triple mit DFB-Pokal und Champions League. 2014 gewann er mit der Nationalmannschaft den WM-Titel. 

Zum Ball zog es ihn in seinem Heimatdorf Pähl schon früh, wie er in seinen mittlerweile drei Kinderbüchern beschreibt. Mit ihnen möchte er Kinder zum Lesen animieren, er selbst war kein großer Lektüre-Fan. „Fußballer hatten damals noch keine Bücher geschrieben, die hätte ich sofort gelesen.“ 

Bis heute ist Müller kein passionierter Leser: „Wenn dann sind es Fachbücher über Golfschwünge oder Pferdezucht.“ Letztere betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Lisa. Seit 2009 ist er mit der Dressurreiterin verheiratet. Das Ehepaar wohnt in Otterfing.

Sabina Kläsener

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