Gespräch mit Hallo München

„Ich bin nicht da, um für euch hübsch zu sein“ - Sängerin Stefanie Heinzmann im Hallo-Interview

Fühlt sich befreit und wohl: 
Sängerin Stefanie Heinzmann.
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Fühlt sich befreit und wohl: Sängerin Stefanie Heinzmann.
  • Sabina Kläsener
    vonSabina Kläsener
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Hallo München hat mit Pop- und Soulsängerin Stefanie Heinzmann über ihr neues Album und die Freude auf ihr Publikum gesprochen. Warum sie sich außerdem als stoischen Optimist sieht.

Erst „Sing meinen Song“, dann Strandkorb Open-Air: Die Schweizerin, die durch ihren Sieg bei einer Castingshow 2008 bekannt wurde, freut sich auf Auftritte nach den Beschränkungen. Über ihr neues Album, die Sehnsucht nach dem Publikum, ihre Frisur und warum diese kein Thema sein sollte, spricht die 32-Jährige hier.

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Frau Heinzmann, was ist eigentlich ein Künstler ohne sichtbares Publikum? Da fehlt ja ein wichtiger Part.

Meiner Meinung nach fehlt der wichtigste Part. Musik für sich selber zu machen ist schön und gut. Aber eigentlich machen wir das doch alle, um etwas zu teilen. Diese Emotionen zu teilen, Zeit miteinander zu verbringen, zu singen und zu tanzen. Das ist nicht nur etwas, was den Menschen auf der Bühne, sondern auch den Leuten im Publikum fehlt.

Worauf freuen Sie sich privat am meisten?

Ich freue mich am meisten auf die Menschen, dass man sich wieder nah sein kann, dass Leute wieder aus ihrer Einsamkeit rauskommen. Ich umarme gerne, das fehlt total. Ich merke das auch, ich bin auch super touchy, das muss wieder her.

Jetzt ist ein neues Album erschienen, die Texte sind tiefgründig – ein Spiegel dessen, was Sie im vergangenen Jahr beschäftigt hat?

Auf jeden Fall. Das Album ist, wie die letzten, sehr therapeutisch. Einfach Dinge, die mich beschäftigen, die mich interessieren. Dinge, an denen ich auch an mir selbst gearbeitet habe, Erkenntnisse, die ich gerne teilen möchte. Weil ich der Überzeugung bin, dass ich mit diesen Gedanken, diesem Lernprozess nicht alleine bin.

Ihre Haare sind nach wie vor ein Thema. Vor über einem Jahr haben Sie sie abrasiert. Bekommen Sie immer noch Feedback?

Es vergeht auf jeden Fall kein Interview, in dem ich nicht darauf angesprochen werde. Deswegen ja, was soll ich dazu sagen. Es sind halt nur Haare.

Wenn man sich die Album-Texte anschaut, geht es auch darum, dass so etwas nicht relevant sein sollte, dass es eine Frage wie meine nicht mehr geben sollte.

Absolut. Ich dachte irgendwann: Es kann doch nicht sein, dass ich allen Leuten immer sage, mach’ was für dich richtig ist und mir selber nicht die Haare abschneiden kann. Und dann habe ich sie mir abgeschnitten: Seit diesem Tag fühle ich mich so befreit, so wohl. Ich finde das abgefahren, dass für viele Leute nach wie vor das Äußere wichtiger ist als das Innere.

Das ist oft die Kritik an den sozialen Medien.

Zurecht. Wie oft lese ich gerade dort: Ach früher sahst du mal aus wie eine hübsche Frau und jetzt... Da denke ich mir: Mein Gott, erstens finde ich es super langweilig Weiblichkeit auf Haare zu reduzieren. Und zweitens: Was denkt ihr euch eigentlich. Ich bin doch nicht auf dieser Welt, um für euch hübsch zu sein.

Eben wegen solcher Kommentare: Wie schwer war es, mit 18 Jahren ins Scheinwerferlicht zu treten und so erwachsen zu werden?

Mit 18 war ich komplett damit überfordert. Leute im Internet benehmen sich wirklich nicht wie nette Menschen. Ich habe irgendwann den Fehler begangen und habe mich gegoogelt. Da habe ich ein Forum gefunden, in dem sich Leute darüber unterhalten, ob ich eine Transe bin oder nicht...

Ohne Worte.

Ich fand das wahnsinnig schwer. Ich habe sofort gemerkt, dass ich aufhören muss, das Zeug zu lesen. Mittlerweile kann ich das für mich einordnen. Dennoch: Es macht mich traurig, dass im Internet so ein Tenor herrscht. Dass man Leute so krass auf ihr Äußeres reduziert und wirklich ein Leben davon abhängig macht, wie man auf diese Welt gekommen ist. Niemand hat sich ausgesucht, wie man aussieht.

Ihr Instagram ist ein optimistischer Gegenpol.

Natürlich ist mir klar, dass die Zeit schwer ist. Aber ich bin ein stoischer Optimist, der sich da lieber für die Sonnenseite entscheidet und Verantwortung übernimmt. Und ich bin der Überzeugung, dass ich meine Gedanken selbst kontrollieren kann. Auch wenn natürlich nicht immer, aber ich habe das letzte Wort (lacht).

ZUR PERSON

„My Man Is A Mean Man“: Mit diesem Titel wurde Stefanie Heinzmann 2008 durch einen Casting-Wettbewerb von Stefan Raab als Pop- und Soulsängerin bekannt.

Am 10. März 1989 in Visp im Kanton Wallis geboren, gewann die Schweizerin seitdem zahlreiche Preise wie den Echo oder Comet. Zudem trat sie mit internationalen Künstlern wie Lionel Richie und Joss Stone auf. Mit „Labyrinth“ ist nun ihr sechstes Album erschienen. Parallel ist sie im Fernsehen bei „Sing meinen Song“ zu sehen.

Tolle Verlosung - Hallo bringt Sie aufs Heinzmann-Konzert

„Das ist mein Lichtblick des Sommers“, sagt Stefanie Heinzmann über ihren Auftritt beim Strandkorb Open-Air. Das Festival sollte am Freitag, 4. Juni, in der Messe Augsburg, Am Messezentrum 5, starten. Aufgrund der aktuellen Vorschriften mussten Konzerte verlegt werden. Hier gelangen Sie zur Verlosung.

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