Interview von A-Z mit Gisela Horlemann

Zum Start der Fastenzeit – Ernährungswissenschaftlerin im Hallo-Interview 

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Gisela Horlemann (63) erklärt in Hallo von A bis Z, auf welche Angaben sie bei Inhaltsstoffen achtet und welchen Satz von Paracelsus sie besonders mag.

Ernährungswissenschaftlerin Gisela Horlemann berät vor allem zu Beginn der Fastenzeit besonders viele Münchner. Warum es bei vielen mit dem Vorsatz zum Verzicht nicht sofort klappt, sich aber ein zweiter Versuch lohnt, erklärt sie hier von A bis Z.

München – Selbst hat Gisela Horlemann erst einmal im Leben gefastet, das jedoch nachhaltig: „Ich habe ein Jahr lang meine komplette Ernährung umgestellt, dabei acht Kilo verloren und auch nicht wieder zugelegt.“ 

Die Diplom-Ökotrophologin leitet in München seit 15 Jahren die Abteilung Ernährung beim Verbraucherservice Bayern in der Dachauer Straße, kennt sich aus was Lebensmittel & Co betrifft. „Besonders jetzt, zur Fastenzeit, holen sich mehr Menschen bei uns Tipps und Beratung rund um die gesunde Ernährung und das Fasten.“ 

Sieben Wochen dauert die Fastenzeit – nicht immer einfach, das im Alltag durchzuhalten. Warum es bei vielen mit dem Vorsatz zum Verzicht nicht sofort klappt, sich aber ein zweiter Versuch lohnt, auf welche Angaben Horlemann bei Inhaltsstoffen achtet und welchen Satz von Paracelsus sie besonders mag, erklärt die studierte Ernährungswissenschaftlerin hier von A bis Z. 

Die Ernährungswissenschaftlerin Gisela Horlemann (63), von A bis Z

Aufgeben ist nicht schlimm. Manchmal passt der Plan zum Fasten nicht zu den anderen Lebensumständen. Dann ist es besser, das Vorhaben unter anderen Vorzeichen neu zu beginnen. Etwa: mit weniger Stress im Job, oder ohne den runden Familiengeburtstag samt Sahnetorte und Alkohol.

Bewegung ist in zweierlei Hinsicht gut: wer sich bewegt, kann in der Zeit nichts essen, wird abgelenkt, bekommt den Kopf frei. Außerdem verhindert die Bewegung den Muskelabbau.

Challenge: Die Herausforderung ist, Fasten durchzuhalten. Deshalb sind Fasten-Gruppen nie verkehrt, oder die Variante Intervallfasten, das auch Fasten-Lücken erlaubt.

Diät alleine reicht nicht, um Gewicht zu verlieren. Ernährungsberatung sollte am Anfang stehen, Fasten sollte mit ärztlicher Begleitung erfolgen, damit kein Mangel an Vitaminen oder Mineralien entsteht

Entgiften: Das kennt die Ernährungswissenschaft nicht. Grundsätzlich kommt der Körper damit klar, mit Pausen seine Nahrungszufuhr so zu verarbeiten, dass er sich nicht „vergiftet“.

Fastenfehler ist, zu glauben, man muss schnell an Gewicht verlieren. Es geht doch mehr um eine langfristige Umstellung der Gewohnheiten. Eine Besinnung auf Wesentliches.

Glaube ist ja der eigentliche Ursprung des Fastens, des Verzichts. Jede Weltreligion hat Fastenzeiten. Früher wurde auch viel öfter gefastet: jeden Freitag etwa, oder vor Weihnachten.

Heilfasten hat mit einer Diät nichts zu tun. Da zählt der spirituelle Hintergrund: die Beschäftigung und Besinnung auf den Menschen. Man nimmt auch nur flüssige Nahrung zu sich, maximal 500 Kalorien.

Intervallfasten bedeutet, in regelmäßigen Abständen zu fasten. Etwa nach 17 Uhr oder zwei Tage pro Woche nichts mehr zu essen – oder täglich im 16:8 Stunden Rhythmus seinem Körper Ernährungspausen zu gönnen.

Jugendliche dürfen mehr Kalorien zu sich nehmen als ältere Menschen. Etwa ab 40 Jahren heißt es pro Jahrzehnt an Alter muss man 100 Kalorien abziehen. Eine Frau in mittleren Jahren liegt bei täglich etwa 2000 Kilokalorien.

Kirche: Die evangelische Kirche hat während der Fastenzeit die Aktion „7 Wochen ohne...“ ins Leben gerufen. Dieses Jahr lautet das Motto „7 Wochen ohne Pessimismus.“

Leicht fällt es niemandem, auf etwas zu verzichten, ob auf Kalorien oder den Fernseher. Da muss man schon mal den inneren Schweinehund überwinden. Aber manchmal reicht es schon, zwei Stunden das Handy wegzulegen.

Mär: Morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König abends wie ein Bettelmann, das gilt natürlich nicht für alle. Auch, dass fünf Mahlzeiten am Tag besser sind als drei stimmt nicht. Tagesablauf, Beruf und Lebensumstände sind entscheidend.

Nüchtern wird die Zeit für die, die in der Fastenzeit auf Alkohol verzichten. Hier habe ich dazu noch niemanden beraten. Keiner serviert das gerne auf dem Silbertablett, sonst denken alle, er wäre Alkoholiker.

Obst in großen Mengen ist wie Säfte nicht ungefährlich. Fructose und Glucose sind beide versteckte Kalorien. Reine Säfte deshalb immer im Verhältnis 1:3 verdünnen.

Paracelsus hat es gut auf den Punkt gebracht: Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.

Q 10 gilt als Nahrungsergänzung, aber auch Diät-Shakes. Sie sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Wer bei starkem Übergewicht schnell Gewicht verlieren muss, kann diese unter ärztlicher Aufsicht nehmen. Sie führen Mineralstoffe, Vitamine und Eiweiß zu.

Risiko beim Fasten: Vorerkrankungen. So sollten auch Kinder, Schwangere, Diabetiker nicht fasten.

Snacken ist die große Gefahr: Ob der Keks zwischendurch, der Schokoriegel mal so. Der Kaffee mit Karamelsirup – wir merken oft nicht, wie viel wir zwischendurch essen.

Trend: Fasten ist in. Das macht sich auch in der Ernährungsberatung bemerkbar. Für viele ist es aber nur momentan modern und schick, es geht nicht um den wirklich dauerhaften Verzicht.

Unsinn sind von selbsternannten Gurus seltsame Fastenregeln oder Diäten wie die Ananas-Diät. 

Vegan oder vegetarisch – das ist ein Trend, auf den viele ohne Überzeugung aufspringen. Hochrechnungen bis 2040 ergaben, dass sie die Überzahl an Fleischessern nicht verdrängen werden.

Wechselwirkung: Wer sich nach der Einhaltung seiner Fastenzeit belohnen will, kommt besser zum Ziel. Wer lange auf Zigaretten verzichtet hat, kann das gesparte Geld für ein schönes Kleidungsstück ausgeben.

X ylit süßt stark, wie auch andere Zuckerersatzstoffe, liefert aber nur 40 Prozent der Kalorien. Wer also nicht auf Süßes verzichten will, kann mit Zuckeraustauschstoffen tricksen, ohne zuzunehmen. Besser wäre allerdings, sparsamer zu süßen.

Yufka, Yam, Yak – andere Kulturen kochen oft gesünder. Etwa, wenn schonend Dampf gegart oder auf Frittiertes verzichtet wird.

Zusatzstoffe sind mein Hobby. Immer wenn ich ein neues Produkt entdecke, schaue ich mir genau die Liste der Inhaltsstoffe an. Je länger sie ist, desto mehr heißt es: Finger weg vom Produkt. E-Stoffe, Regulatoren und -ose am Wortende – das ist alles nicht gesund.

Marie-Julie Hlawica

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