Gemeinden werden künftig schrumpfen 

Bittersüßer Abschied von St. Markus: Münchens Stadtdekanin Barbara Kittelberger legt ihr Amt nach 16 Jahren nieder

Barbara Kittelberger wird am 12. Juli als Stadtdekanin verabschiedet, da sie in den Ruhestand geht.
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Barbara Kittelberger wird am 12. Juli als Stadtdekanin verabschiedet, da sie in den Ruhestand geht.

Seit 2004 ist Barbara Kittelberger Münchner Stadtdekanin. Jetzt verlässt sie die Dekanatskirche St. Markus in der Gabelsbergerstraße und legt ihr Amt nieder.

  • Münchens Stadtdekanin Barbara Kittelberger legt nach 16 Jahren ihr Amt nieder.
  • Ihr offizieller Abschied ist am 12. Juli. 
  • Im Interview spricht sie über die vielen Kirchenaustritte in München und die Herausforderungen für die evangelische Kirche

Maxvorstadt - Barbara Kittelbergers Abschied als Stadtdekanin fällt mitten in die Corona-Pandemie. Dennoch kann die 65-Jährige am 12. Juli mit über 200 Menschen feiern. In einem Gottesdienst in der Lukaskirche wird sie vom Regionalbischof verabschiedet, danach findet ein musikalischer Ausklang in der Markuskirche – ihrem Sitz in der Gabelsbergerstraße, statt. Im Hallo-Interview verrät Kittelberger, wie es für sie weitergeht, wie man auf die hohe Zahl der Kirchenaustritte reagieren muss und wo es in den kommenden Jahren Herausforderungen gibt.

Frau Kittelberger, wie hat sich München und vor allem die evangelische Kirche in Ihrer Zeit als Stadtdekanin verändert?

München ist größer und bunter geworden. Ich erlebe München als eine sehr wache Stadt, die ein großes Bewusstsein für Menschenrechte und für politische Strömungen hat. Die Evangelische Kirche mischt sich mutig und selbstverständlich ein und leistet ihren Teil, dass Kirche in der Stadtgesellschaft lebendig ist.

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Wo sehen Sie Herausforderungen in den nächsten Jahren?

In den nächsten zehn Jahren werden die Gemeinden nochmal schrumpfen und es werden vor allem weniger Kollegen da sein. 2028 gehen mehr als 170 Pfarrer in der bayerischen Landeskirche in den Ruhestand. Gleichzeitig ist die Sehnsucht nach Lebensdeutung und Begleitung an den Wendepunkten des Lebens riesengroß.

Apropos schrumpfende Gemeinden: Im Jahr 2019 sind mehr Münchner aus der Kirche ausgetreten als je zuvor...

Das schmerzt mich. Ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass Leute, die nach München zuziehen, Familien oder junge Leute, wenn sie ihren ersten Gehaltszettel sehen, sich fragen müssen, was kann ich mir in dieser Stadt leisten.

Wie muss man hierauf reagieren?

Ich komme aus der Seelsorge. Für mich bedeutet das, ich gehe zu den Menschen hin, entwickle ein Gespür für die Menschen. Und wenn wir als Kirche da neugierig bleiben und zeigen, dass wir uns für Nöte und Sorgen, aber auch Wünsche interessieren, dann gewinnen wir die Menschen wieder.

Rekord-Austritte und Pfarrermangel: "Das schmerzt mich"

Barbara Kittelberger hört nach 16 Jahren als Stadtdekanin auf. 

Durch die Corona-Pandemie musste auch die Kirche neue Wege gehen – halten sich Zoom-​Gottesdienste?

Viele Kollegen sind gerne darauf aufgesprungen und ich glaube, dass manche Ideen durchaus Zukunft haben. Ich glaube, dass wir auch sorgfältig prüfen sollten, wen wir mit welchen Angeboten erreichen. Social Media und die Digitalisierung haben eine große Bedeutung bekommen. Und das ist gut.

Zu welchen Umstrukturierungen wird es in den nächsten Jahren sonst kommen?

Wir werden immer wieder schauen, wie wir Gebäude multifunktional verwenden. Ein Beispiel ist die Rogatekirche am Innsbrucker Ring. Das ist eine Gemeindekirche gewesen, die zur Jugendkirche umgebaut wurde und jetzt wird sie von der Kirchen- und der Jugendgemeinde genutzt. Wir werden auch darauf achten, als Kirche nah bei den Menschen zu bleiben. Ein Beispiel dafür ist die Evangeliumskirche im Hasenbergl, die zu einer Diakoniekirche umgebaut wird. So arbeiten Kirche und Diakonie vor Ort stärker zusammen.

Stadtdekanin Barbara Kittelberger: "Den August nutze ich zum Auspendeln"

Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Ich bleibe in München und bin auch schon nach Bogenhausen umgezogen. Den August nutze ich zum Auspendeln und dann werde ich mich Dingen widmen, die mir wichtig sind.

Und die wären?

Mein Mann und ich haben das Privileg, dass wir beide zur gleichen Zeit in den Ruhestand gehen. Wir tanzen schon immer hobbymäßig zusammen, da kann man dann schauen, dass man die Schritte wieder ordentlich lernt. Außerdem ein bisschen mehr Sport oder Kunst und Kultur, was viel zu kurz gekommen ist. Und ich werde sicherlich weiterhin seelsorgerisch und supervisorisch tätig sein und mich natürlich auch politisch engagieren.

Kassandra Fischer

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