„Erfahrung macht uns gelassener“

Simone Rethel-Heesters über das Älterwerden, den Ruhestand und ihr neues Buch

Simone Rethel-Heesters spielt im September in der Komödie im Bayerischen Hof Open Air das Stück „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ mit.
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Simone Rethel-Heesters spielt im September in der Komödie im Bayerischen Hof Open Air das Stück „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ mit.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
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„Ruhestand hat meist Stillstand zur Folge“, sagt die Schauspielerin Simone Rethel-Heesters. Wie sie nun mit Prominenten das Älterwerden zelebriert, verrät sie im Interview.

Für ihr neues Buch „Alterslos – Grenzenlos“ hat die Schauspielerin drei Jahre lang mit Prominenten über das Älterwerden gesprochen – und sie fotografiert. Nun steht sie auch wieder auf der Bühne. Wie wichtig es ist, aktiv zu bleiben, das Rezept für ihre große Liebe und warum sie Hawaii-Hemden nicht cool findet, verrät sie im Interview.

Frau Rethel-Heesters, die Schauspielerin Nicole Heesters sagt: „Altern ist das Abstellen von menschlicher Aktivität“. Wie wichtig ist es, im Alter aktiv zu bleiben?

Ganz ganz wichtig. Grundidee ist mein Leitsatz: „Ich glaube, wir hätten sehr viel gesündere, ältere Menschen, wenn sie sich nicht zur Ruhe setzen würden, denn Ruhestand hat meist Stillstand zur Folge, und das ist ungesund für Geist und Körper. “Hubertus Meyer Burckhardt sagte kürzlich: „Die Arbeit macht umso mehr Spaß, wenn der Erwerbsdruck wegfällt!“ Aber wenn arbeitswilligen Rentnern nur das Ehrenamt übrig bleibt, dann ist es meiner Meinung nach auch ein wenig das Ausnutzen der älteren Gesellschaft und das finde ich nicht so gut.

Sehen Sie den Ruhestand als Strafe?

Das Wort „Strafe“ ist etwas übertrieben ausgedrückt, aber in gewisser Weise: ja. Ich beobachte „wohlverdiente Ruheständler“, die dankbar sind, dass sie nicht aus ihrem Job gekickt wurden und noch am Arbeitsleben teilnehmen dürfen. Sicher, man kann nicht mehr so malochen, wie als junger Mensch. Aber es ist doch schrecklich, wenn die Menschen sagen: „Die oder der kann nicht loslassen!“

Ein Selbstportrait von Simone Rethel-Heesters.

In Würde altern: Früher lebten die Alten mit in der Familie, in einem Austragshäusl, waren integriert. Heute werden sie meist in Pflegeheime oder betreutes Wohnen abgeschoben...

Unsere heutigen Wohnungen werden kleiner gebaut. Dadurch kann man leider nicht mehr gemeinsam leben. Ein Haus ist ja heute Luxus. Was ich großartig finde, sind Mehrgenerationenhäuser, wo Junge und Alte zusammenleben. Die Jungen können von den Alten lernen und umgekehrt, nur um ein Beispiel zu nennen: am Computer zu arbeiten, das ist doch wunderbar!

In südlichen Ländern herrscht aber noch mehr Zusammenhalt.

Das stimmt absolut, da werden die Alten noch mehr verehrt. Bei uns in Deutschland ist in den Köpfen: Alt ist gleich hässlich. Ein altes Gesicht kann wunderschön sein, aber man muss lernen, es zu sehen. In den Medien entsteht der Eindruck, das Maß aller Dinge sei die Jugend.

Wir werden immer älter, finden Sie das gut oder schlecht?

Ich finde es gut. Aber man sollte das Alter erfüllt leben. Es kann nicht gesund sein, nichts mehr zu tun. Wenn man beschäftigt ist, hat man gar keine Zeit, sich über seine Wehwechen zu unterhalten.

Werden wir mit zunehmendem Alter gelassener?

Manche ja, manche nein. Ich will hier nichts über einen Kamm scheren. Ich glaube, Erfahrung macht uns gelassener.

Kann man Älterwerden schön finden?

Ohja. Es wäre eine Verschwendung der Erfahrung, wenn man das nicht täte und sich ins Abseits schieben ließe.

Ich hatte den Eindruck, dass sich alle von Ihnen Befragten einig waren, nicht mehr jünger sein zu wollen.

Ja, weil alle 25 Gesprächspartner ein prall gefülltes, glückliches Alter erleben mit vielen Aufgaben und sich gebraucht fühlen. Und das ist der entscheidende Punkt

Ihr Mann, Johannes Heesters, war 46 Jahre älter als Sie. Sie schienen immer glücklich miteinander zu sein. Wie haben Sie das angestellt?

Wir haben den Altersunterschied nicht als solchen empfunden. Wir lebten unser Leben. „Das kann ich nicht“ - diesen Satz gab es bei meinem Mann nicht. Es war ganz einfach eine große Liebe. Wir waren uns in vielem sehr ähnlich. Wichtig ist im Zusammenleben, tolerant zu sein und nicht anzufangen, an dem anderen rumzuerziehen und ihn ändern zu wollen.

Was halten Sie von Botox und anderen Schönheitsoperationen?

Ich finde, kleinere Reparaturen, wenn man sie braucht, sind ok. Ich kann aber nicht nachvollziehen, dass, wenn der Körper älter wird, sich das Gesicht verjüngt. Es gibt OPs für Schlupflider, das kann ich nachvollziehen. Aber diese aufgespritzten Schlauchbootlippen, nein schrecklich. Trotzdem sollte man tolerant bleiben.

Sie sind seit 2005 Botschafterin der Initiative „Altern in Würde“, die sich für das Thema Alzheimer engagiert.

Sie hat sich mittlerweile aufgelöst. Meine Aufgabe war damals das Tabuthema Demenz und Alzheimer mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Übrigens, zweimal die Woche Krafttraining verringert das Demenzrisiko um 50 Prozent!

Darf oder kann man im Alter noch mal Blödsinn machen?

Absolut. Das sollte man auch! Aber was mich jedoch oft wahnsinnig macht, ist die falsche Darstellung älterer, aktiver Menschen im Fernsehen, wenn sie in Filmen ausgeflippt mit türkisen Haaren und in Hawaii-Hemden auf Motorrädern durch die Landschaft fahren und das soll dann „cool“ sein.

Sie spielen im September in der Komödie im Bayerischen Hof Open Air das Stück „Schwiegermutter und andere Bosheiten“. Ihre Rolle?

Ich bin die böse Schwiegermutter und nerve die Jungen, speziell meine Tochter, gespielt von Susu Padotzke. Wir sind ein wunderbares Team, Pascal Breuer, Michael von Au, ich freue mich sehr auf die Arbeit. Ich spiele sehr gerne Komödien, denn ich bringe Menschen gerne zum Lachen.

Das Theater war zuletzt aufgrund des Prozesses gegen Komödien-Chef Thomas Pekny wegen sexueller Belästigung in den Schlagzeilen.

Dazu möchte ich mich nicht mehr äußern. Ich habe bei Facebook ein Statement abgegeben, ich finde das reicht. (Anm. d. Red. siehe unten)

Was macht Ihnen mehr Spaß: Schauspielern, Fotografieren, Malen oder Schreiben?

Jede dieser Tätigkeiten macht mir enorm viel Spaß, mein Hauptberuf ist zweifelsfrei die Schauspielerei. Aber die Corona-Zeit war für mich kein Problem, denn die Zeit war ausgefüllt mit der Fertigstellung meines Buchs: „Alterslos-Grenzenlos“. Außerdem gibt es viele Dinge, die ich noch lernen möchte...

Verlosung

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ZUR PERSON

Entdeckt wurde Simone Rethel-Heesters 1965, da war sie noch Schülerin, von Axel von Ambesser, der sie wegen ihres süßen Stupsnäschens als „Fromme Helene“ (nach Wilhelm Busch) in dem gleichnamigen Film mit Theo Lingen und Friedrich von Thun engagierte.

Nach der Schule begann die gebürtige Herrschingerin eine Schauspielausbildung. Mit dem 46 Jahre älteren niederländischen Schauspieler und Sänger Johannes Heesters war die heute 72-Jährige von 1992 bis zu dessen Tod verheiratet. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin schreibt sie, fotografiert und malt.

Rethel-Heesters lebt in der Nähe von Starnberg. Auf einen konkreten Artikel bezugnehmend erklärte sie am 29. Juli auf Facebook zur Causa Pekny: „Ich stehe in keinster Weise in dieser Sache hinter Thomas Pekny.“

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