Simon Schwarz im Gespräch mit Hallo-München

„Wir sind sehr zusammengewachsen.  Wenn wir uns treffen, sagen unsere Frauen:  Jetzt fährst du zu deinem Ehemann.“

Von „Dampfnudelblues“ über „Sauerkrautkoma“ bis „Kaiserschmarrndrama“: Simon Schwarz ist seit Anbeginn treuer Begleiter von Franz Eberhofer.
+
Von „Dampfnudelblues“ über „Sauerkrautkoma“ bis „Kaiserschmarrndrama“: Simon Schwarz ist seit Anbeginn treuer Begleiter von Franz Eberhofer.

Das wahre „Kaiserschmarrndrama“: Der Kinostart der neuen Rita-Falk-Verfilmung musste nochmals verschoben werden. Wie sich die Filmbranche langfristig ändern wird, seine Bilanz nach knapp einem Jahr als Veganer und warum er nun seine Rolle Rudi so spielen konnte, wie er es immer wollte, verrät der 49-Jährige im Interview.

Herr Schwarz, wie stehen die Chancen, dass es bei Ihnen privat ein Kaiserschmarrndrama gibt?
Überhaupt keine. Ich habe mehrere Personen in meinem Umfeld, die behaupten, den besten Kaiserschmarrn zu machen.
Und wie steht es um Ihre eigenen Künste?
Ich bin noch nie in die Bredouille gekommen, selber einen machen zu müssen. Ich muss gestehen: Kaiserschmarrn ist mir gar nicht so wichtig. Es gibt aber eine ganz klare Differenz zwischen Sebastian und mir. Er hasst Rosinen, ich liebe sie. Im Film ist es genau andersherum.
Rosinen sind oft ein Streitpunkt.
Das wusste ich bis zum Dreh nicht. Scheinbar ist es ein Politikum. Aber das ist bei jedem dieser Essens-Filmtitel so, da hat jeder eine ganz klare Meinung zu. Ich ernähre mich seit Anfang des Jahres vegan.
Und wie fällt bisher die Bilanz aus?
Ich bleibe gerne dabei. Obwohl ich nicht zwingend sagen würde, dass ich mich vegan ernähre. Ich versuche mich pflanzlich zu ernähren, esse gerne regional und biologisch. Mir geht es um die Fläche, die die Tierhaltung beziehungsweise die Futterproduktion für diese, einnimmt. Das sind zwei Drittel der Flächen der Lebensmittelproduktion. Das sollte reduziert werden.
Der Begriff vegan hat auf manche auch eine abschreckende Wirkung.
Ich bin da gar nicht militant. Ich habe gerne Biofleisch gegessen, bin an Drehorten in Metzgereien gegangen, um mir anzuschauen, ob die da noch selber schlachten. Ich schätze das Handwerk sehr. Wir müssen aber als Gesellschaft umdenken. Ich mache das nicht nur für mich persönlich, für meine Gesundheit, sondern als Dienst an der Gemeinschaft. Selbst größte Liebhaber von Fleisch sehen es als Sünde an, wie auf manchen Schlachthöfen mit den Tieren umgegangen wird.
Ein Thema, das auch Einzug in die Welt von Niederkaltenkirchen halten könnte?
So ein bisschen was kommt rein, wenn Rita das aufgreift. So wie mit dem Anspruch, sich gesünder zu ernähren und man am Ende doch wieder beim Grillhendl landet. Aber das ist auch nicht die richtige Bühne dafür.
Wie geht es Ihnen mit der Umstellung am Set?
Was ich schon so mache: Wenn meine Rolle Fleisch isst, dann mache ich das. Das ist die Figur und nicht ich persönlich. Aber das musste ich in diesem Jahr noch nicht. Wird aber auch noch kommen. Ganz eingestellt bin ich auch noch nicht, beispielsweise beim Grillen, was ich sehr gerne mache. Da muss ich noch kreativer werden.
Kaiserschmarrndrama ist der 7. Eberhofer-Film. Kann man da noch eine neue Seite der Figur zeigen?
Was ich bei dieser Verfilmung mehr zeigen konnte: Rudi ist radikaler. Jetzt ist er so, wie ich die Rolle gerne spielen wollte. Er ist ein bisschen ein Hooligan. Wenn er der Meinung ist, etwas tun zu müssen, dann beißt er in den Knöchel bis dieser ab ist. Diese Radikalität darf er im Rollstuhl mehr präsentieren, das finde ich gut. Denn das ist der Rudi, wie ich ihn am liebsten mag, der am ehrlichsten ist, was auch am besten funktioniert.
Der Kinostart ist zur Zeit ein Wagnis.
Das erfordert viel Mut. Kinos sind schlussendlich keine in dem Sinne gefährlichen Orte. Was entscheidend ist: Die Menschen müssen ein sicheres Gefühl haben. Und das ist subjektiv. Es muss ein Vergnügen sein.
Die Corona-Krise wird die Branche nachhaltig beeinflussen.
Das wird Veränderungen nach sich ziehen, das haben wir schon im 1. Lockdown festgestellt. Serien und Filme waren wichtig, um abzulenken und ein Stück weit auch ruhig zu stellen. Die Medien, wie Filme und Serien, wurden stark genutzt, doch die Macher haben wenig davon gesehen. Ich selbst habe viel gedreht, ich habe drei Kinder. Meine Jüngste ist eineinhalb Jahre alt. Die konnte ich nur wenig sehen, da ich zum Filmen oft in Quarantäne musste. Das war hart.
Wie genau werden die Veränderungen aussehen?
Mehr Streaming-Dienste werden das Drehen übernehmen. Den Reichen und den Rechteverwertern wird das nutzen. Den Filmschaffenden, habe ich den Eindruck, wird es schlechter gehen.
Sie werden im Januar 50. In einem Interview haben Sie verraten, Sie wünschten, Sie wären an einem anderen Punkt, entspannter. Fällt die Bilanz immer noch so aus?
Ja, gerade in so einer Krise. Vielleicht muss ich jetzt mehr dazu stehen, was ich denke. All die Künstler, die im Umfeld der bewegten Bilder arbeiten, stehen schlecht da. Und das obwohl wir einen Dienst leisten. Die Politik hätte in den Monaten nicht so lenken können, wenn wir nicht die Menschen unterhalten hätten – Brot und Spiele. Ich hatte mir gewünscht, mit 50 an einem Punkt zu sein, mehr bewirkt zu haben.
Wie ist es in dieser Zeit, eine Filmfamilie wie die des Eberhofers zu haben?
Ich finde es toll, neue Rollen zu spielen. Aber es ist auch schön, jedes Jahr zum Eberhofer-Dreh zurückzukommen, alle in diesem Jahresrhythmus wiederzusehen – Sebastian ausgenommen. Wir sind ein tolles Team, eine angenehme Mannschaft vor wie hinter der Kamera. Es ist wie eine Familie, wie nach Hause kommen. Das erleben wir nur ein Mal im Leben. Das sollte man genießen.
Sie und Sebastian Bezzel sind Freunde geworden.
Ja, wir sind sehr zusammengewachsen. Wenn wir uns treffen, sagen unsere Frauen: Jetzt fährst du zu deinem Ehemann.
Eigentlich gelten die Eberhofer-Filme als Sommerklassiker.
Der Sommerklassiker hat seinen Ursprung darin, dass man beim ersten Film gebeten hatte, im Sommer zu starten, denn das ist eine schwere Zeit für Kinos. Das hat wahnsinnig gut funktioniert. Wir haben sogar große Blockbuster verdrängt, so dass die Amerikaner überlegen mussten, ob sie ihren Kinostart nicht verschieben, um der Konkurrenz zu entgehen.
Jetzt soll der Film starten, sobald die Kinos wieder öffnen dürfen. Bleibt der Eberhofer ein Kassenschlager?
Ob das auch in diesem Jahr so ist, schwer zu sagen. Wir wollen uns bei den Kinobetreibern bedanken und die Menschen in die Kinos locken, damit sie eine gute Unterhaltung erleben können. 90 Minuten lang mal die Sorgen vergessen können. Auch wenn es weniger Besucher sind, im Kino einen Film zu schauen ist ein Gemeinschaftsgefühl, anders als beim Streamen auf dem Sofa.
Wird es eine Fortsetzung geben?
Die Dreharbeiten sind für nächstes Jahr geplant.

Wer schon vor Kinostart Lust auf Eberhofer-Stimmung hat, sollte bei unserem Gewinnspiel mitmachen! Wir verlosen fünf Pakete zum Film inklusive Shirt, Buch und Hörbuch.

Zur Person Simon Schwarz

„Ich hätte mir gewünscht, mit 50 an einem Punkt zu sein, mehr bewirkt zu haben“, erklärt Simon Schwarz auf die Frage nach seiner Bilanz anlässlich seines 50. Geburtstages. Am 10. Januar 1971 in Wien geboren, machte Schwarz eine Tanz- sowie klassische Ballettausbildung, besuchte die Hochschule für Schauspielkunst in Berlin. Nach Theaterengagements und einem Auftritt bei den Salzburger Festspielen, ist der 49-Jährige seit 1996 in Film und Fernsehen präsent. Seit 2013 verkörpert er in den Rita-Falk-Buchverfilmungen den Privatdetektiv Rudi Birkenberger. Mit Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel spielte Schwarz 2006 gemeinsam im Kinofilm „Schwere Jungs“. Seit 2019 stehen die beiden für die Doku-Reihe „Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger“ vor der Kamera. Schwarz lebt mit seiner Familie in Wien.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Marisa Burger: "Wer sagt, er tratscht nicht, der schwindelt"
Marisa Burger: "Wer sagt, er tratscht nicht, der schwindelt"
Carin C. Tietze: Lieber Sport-Programm statt Spießer-Einladung
Carin C. Tietze: Lieber Sport-Programm statt Spießer-Einladung
Nadja Sabersky: „Superstar zu werden fände ich schrecklich“
Nadja Sabersky: „Superstar zu werden fände ich schrecklich“

Kommentare