Sina Reiß im Interview mit Hallo München

Politik-Parodie am Nockherberg, Anwalts-Assistentin im Fernsehen: Schauspielerin Sina Reiß im Hallo-Interview

Schauspielerin Sina Reiß spielt in „Die Heiland - Wir sind Anwalt“ die Assistentin der blinden Anwältin.
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Sina Reiß spielt in „Die Heiland - Wir sind Anwalt“ die Assistentin der blinden Anwältin.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Dass Sina Reiß erfolgreich in die verschiedensten Charaktere schlüpfen kann beweist sie regelmäßig. Im Hallo-Interview gibt sie Einblicke in ihre neuste Rolle in „Die Heiland - Wir sind Anwalt“ und erzählt von ihrer Arbeit am Nockherberg.

Um Katharina Schulze am Nockherberg zu spielen, legt sich Schauspielerin Sina Reiß richtig ins Zeug. Zu nah will sie der ­Politikerin aber nicht kommen. Denn eine Parodie braucht auch Distanz. Für ihre neue Rolle als Assistentin einer blinden Anwältin tauchte sie dagegen ganz tief ins Thema ein. Und für den Fall der Fälle, gäb’ es noch den Fußball.

Frau Reiß, angenommen, Sie stünden vor Gericht: Was wird Ihnen vorgeworfen und wäre Romy Heiland die richtige Anwältin für Sie?

Mir wäre wahrscheinlich irgendetwas Schusseliges passiert. Und ja, Romy Heiland würde mich bestens vertreten, weil sie Dinge sieht, die andere nicht sehen können und ein besonderes Feingefühl für ihre Mandanten hat. Sie würde mich rausboxen, da bin ich sicher.

Ihre Figur Tilly wird in „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ Assistentin der Rechtsanwältin. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe im Vorfeld viel recherchiert. Ich habe in meinem privaten Umfeld jemanden, der einen blinden Partner hat. Den konnte ich ganz gut befragen. Außerdem habe ich das Buch „Ich sehe was, was ihr nicht seht“ der blinden Anwältin Pamela Pabst, unserem Formatvorbild, gelesen. Und das Tollste war, ins kalte Wasser zu springen und direkt bei ihr zu arbeiten.

Hallo verlost ein Exemplar des Buches, mit Widmung von Sina Reiß.

Was haben Sie dabei gelernt?

Ich habe ein Feingefühl dafür entwickelt, in welchen Situationen ich sie sinnvoll unterstützen kann und wann sie keine Hilfe braucht. Das Beeindruckende war, ich hatte nie das Gefühl, dass ich sie führe, obwohl ich eigentlich dafür dort war, sondern dass sie mir ihre Welt zeigt. Das Wort Behinderung mag ich im Übrigen nicht. Da steckt eine Wertung drin, die ich nicht gut finde. Ich habe gesehen, wie Pamela Pabst ihr Leben zu 100 Prozent im Griff hat. Besser vielleicht als viele Sehende.

Kann die Serie hier auch als Botschaft verstanden werden?

Ja, ich glaube, dass sie dazu beiträgt, mit Vorurteilen aufzuräumen. Mal genauer hinzuschauen, sich selbst zu hinterfragen und sein Verhalten zu überdenken. Auch mein Blickwinkel hat sich komplett verändert. Zum Beispiel, wenn ich durch die Stadt gehe, frage ich mich jetzt oft: Ist das blindengerecht?

Zuletzt spielten Sie in der ­SOKO München, die jedoch abgesetzt wurde. Vermissen Sie diese Serie?

Die eigenwillige Kriminaltechnikerin Billie Curio war meine erste durchgehende Rolle beim Fernsehen, also etwas ganz Besonderes. Ich denke gerne an das gesamte Team zurück. Aber Abschiede gehören zu unserem Beruf und geben Raum für Neues. Sonst wäre ich auch nicht zu „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ gekommen. Was noch dazu in meiner Heimat Berlin gedreht wurde. Das war für mich der Oberknaller. Ick durfte nur nich Berlinern, dit war schade!

Sina Reiß als Tilly Vogel (l.) und Christina Athenstädt als Romy Heiland in „Die Heiland - Wir sind Anwalt“

Das führt mich zur Ihrer Fußball-Begeisterung. Sie ahnen schon die Frage...

(lacht) Ich habe viele Jahre bei Union Berlin in der Mädchenmannschaft gespielt, zuerst Verteidigung, dann Mittelfeld, dann Sturm. Und das ist auch der Verein, für den mein Herz schlägt, Jetzt sind wir zwei Jahre in der Bundesliga und ich bin sowas von stolz. Wirklich. Es war ein absolutes Highlight, in der Allianz Arena Bayern gegen Union Berlin zu sehen. Und dann nicht zu verlieren – das war historisch. Wenn ich nicht Schauspielerin geworden wäre, dann Fußballerin!

Beim Singspiel am Nockherberg spielen Sie Katharina Schulze. Kommt Ihnen der Nockherberg als Berlinerin nicht spanisch vor?

Nein. Ich war schon vorher ein großer Fan und ich wusste auch, dass es etwas ganz Besonderes ist, als Berlinerin bei dieser urbayerischen Tradition dabei sein zu dürfen.

Hat Sie der Nockherberg politischer gemacht?

Ich war vorher schon sehr politisch interessiert, aber das war die Chance, nochmal besser in die bayerische Politik einzutauchen. Und ihre Protagonisten genau kennenzulernen.

Was würden Sie sagen, macht Katharina Schulze aus?

Definitiv ihre Energie. Ich frage mich, wo sie ihre Batterien auflädt. Es gleicht einem Zirkeltraining sie zu spielen. Aber es macht jede Menge Spaß.

Haben Sie das Gefühl, sie jetzt als Person besser zu kennen?

Ein wenig ja. Ich fand das persönliche Kennenlernen nach der Vorstellung sehr schön. Dennoch ist es wichtig, Abstand zu wahren – wenn man jemanden weiterhin parodieren möchte.

Wie hat sie denn Ihre Parodie verkraftet?

Ich hatte danach gehört, dass sie wohl am lautesten von allen gelacht hat. Damit würde ich sagen, hat sie auf alle Fälle Stärke und jede Menge Humor bewiesen.

Nächstes Jahr hoffentlich wieder, nach der Absage des Singspiels 2021.

Ja, die Hoffnung ist sehr groß, dass es den Nockherberg wie wir ihn kennen und lieben wieder geben wird. Aber ich hab es ja selbst nicht in der Hand, ob ich dabei sein werde. Da muss sich Katharina Schulze nochmal ins Zeug legen (lacht).

Zur Person:

Sina Reiß wurde 1985 in Berlin-­Köpenick geboren. Nach dem Schauspielstudium in Salzburg folgte ein erstes Gastspiel in München – am Volkstheater. 2015 stieg sie als Kriminaltechnikerin Billie Curio bei der SOKO München ein. Es folgten Rollen in der Serie Tonio & Julia, dem Film „Der Fall Collini“ oder als Katharina Schulze am Nockherberg.

Während des Lockdowns streamte Reiß auf ihrem Instagram-Account auch Lesungen für Kinder. „Ich habe meiner Nichte über Skype vorgelesen und ihre Eltern fanden es toll, eine halbe Stunde zu haben, um zum Beispiel das Abendessen in Ruhe vorzubereiten.“ Und schon bald darauf ging sie damit live. „Vielleicht öffne ich Sinas Lese­ecke zu Weihnachten nochmals. Denn es hat auch mir viel Freude gemacht“, verrät sie. Wer nicht so lange warten will, kann die von Reiß eingesprochenen neuen Folgen der BR-Betthupferl mit dem Titel „Babysitter-Service“ ab Montag, 1. November, bei BR-Podcast anhören.

Und Berlin? Die Stadt hat die Schauspielerin nie vergessen: „Berlin ist meine Heimat und ich werde auch immer mit ihr verbunden bleiben. Aber die andere Hälfte meines kleinen Herzchens gehört München. Beide Städte haben ihren Zauber und ich möchte in beiden Zuhause sein und bleiben.“

Hallo München verlost ein Exemplar „Ich sehe das, was ihr nicht seht“ der blinden Strafverteidigerin Pamela Pabst, die die Serie inspiriert hat - mit Widmung von Sina Reiß.

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