Hallo München-Interview

Schauspielerin Lavinia Wilson über das Drehen mit Babybauch am Set

Lavinia Wilson bei der Berlinale
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In „Andere ­Eltern“ spielt Lavinia Wilson eine Mutter, die eine Kita gründet.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Die Schauspielerin Lavinia Wilson aus München spricht im Hallo-Interview über das Elternsein, Kita-Suche und wie es ist, als Schwangere am Set zu arbeiten.

Beim Dreh der Serie „Andere Eltern“ war die gebürtige Münchnerin schwanger – und hat dabei nur positive Erfahrungen gemacht. Doch nicht immer lassen sich Schauspielerei und Schwangerschaft so glücklich vereinbaren. Was die Branche deshalb ändern muss und warum sie in ihrer Berliner Wahlheimat erstmal keine Kita gründen wird.

Frau Wilson, mussten Sie schon einmal darüber nachdenken, eine Kita zu gründen?

Ich habe das große Glück, in einer Eltern-Initiativ-Kita zu sein, die wurde schon in den 70ern gegründet. Ohne mich, da bin ich doch froh drüber.

Braucht es in Berlin auch so eine Plattform wie den Münchner Kita-Finder?

Ich weiß nicht, ob es so etwas gibt, aber das System in Berlin ist doch etwas unausgegoren. Alle haben große Angst, keinen Platz zu bekommen. Dann melden sie sich bei ganz vielen verschiedenen Kitas an – sagen aber nicht ab, was zur Folge hat, dass alle denken, es gibt keine Plätze.

Und in Wahrheit wäre es nicht so dramatisch?

Klar: Der Betreuungsschlüssel ist wegen des Personalmangels zu niedrig, um den Kindern und ihren Bedürfnissen komplett gerecht zu werden. Aber ich wage zu behaupten, dass sich die Situation in Berlin ein bisschen entspannt hat. Ich kenne in meinem Umfeld nur wenige Leute, die keinen Kita-Platz bekommen haben oder mit ihrem nicht glücklich sind.

Die Protagonisten der Serie „Andere Eltern“ sind sich einig: Das Schlimmste am Kinder kriegen sind die anderen Eltern. Geht es Ihnen genauso?

Naja, eigentlich... Darf ich fragen: Sind Sie selbst Vater?

Nein, aber im Herbst ist es tatsächlich so weit.

Oh Gott, dann hätten Sie die Serie vielleicht nicht jetzt gucken sollen (lacht). Sie müssen wissen: Die Komödie lebt von der Übertreibung und der Zuspitzung. Ich klopfe Ihnen also auf die Schulter und sage: Ganz so schlimm wird’s nicht. Es wird sehr schön!

Ich frage vorsichtig: Aber?

Ein Funke Wahrheit steckt auch darin. Ich habe zwar keine schrecklichen Erfahrungen mit anderen Eltern gemacht. Aber für viele ist Kinder kriegen ein so großer Einschnitt ins Leben, weil in eine auf Selbstverwirklichung ausgerichtete Welt eine Fremdbestimmung kommt. Es wundert mich nicht, dass da manche Leute durchdrehen. Vor allem, wenn die eigenen Ängste und Unsicherheiten auf die Kinder übertragen werden. Ich glaube ja, dass Kinder das Beste und das Schlechteste in einem zum Vorschein bringen.

Was war das in Ihrem Fall?

Ich war sehr ungeduldig, das hat sich verstärkt. Es kostet mich sehr viel Kraft, das in Schach zu halten und anders zu lösen. Gleichzeitig war ich immer schon auch empathisch und das ist auch stärker geworden. 

Beim Dreh der ersten Staffel waren Sie schwanger. Wie war das für Sie?

Es fühlte sich total stimmig an. Ich kannte das Projekt schon. Und als ich dann mit dem dritten Kind schwanger war, habe ich Lutz [Heineking, Regisseur, Anm. d. Red.] angerufen und gesagt: Du, ich hab eine tolle Idee für die Figur! Und ich hoffe, sie gefällt dir, weil eigentlich können wir gar nichts Anderes machen (lacht).

Beim Dreh der Serie „Andere Eltern“ war Lavinia Wilson schwanger.

In Ihrem Fall hat es dann auch gut gepasst.

Ich war sehr glücklich, wie die Produktion mit der Situation umgegangen ist. Das ist nicht immer so. Erst kürzlich haben sich Frauen öffentlich darüber beklagt, dass mit schwangeren Schauspielerinnen oft nicht korrekt umgegangen wird.

Inwiefern?

Zum Beispiel werden zugesagte Jobs wieder abgesagt – auch wenn noch nichts zu sehen ist, aus versicherungstechnischen Gründen. Oder weil sich die arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen für Schwangere, die zurecht existieren, nicht mit den Zwölf-Stunden-Drehtagen vereinbaren lassen. Aber langsam verstehen die Produktionsfirmen endlich, dass nicht die Schwangeren, sondern die Drehbedingungen das Problem sind. Das ist höchste Zeit.

„Was wir wollten“, einer der neuesten Filme, den Sie gedreht haben, wurde aufgrund der Pandemie nicht im Kino, sondern bei Netflix gezeigt. Sind solche Online-Premieren ein gangbarer Weg für die Zukunft?

Das ist eine schwierige Frage. Die Kinobranche ist total im Umbruch. Ich glaube, so haben mehr Leute den Film gesehen, als wenn er nur im Kino gelaufen wäre. Dafür geht das Erlebnis verloren. Es gibt nichts Schöneres, als einen guten Film im Kino zu sehen. Ich hoffe, dass das auch erhalten bleibt.

ZUR PERSON

Geboren wurde die Schauspielerin Lavinia Wilson am 8. März 1980 in München. Von hier aus startete sie ihre Schauspielkarriere, 2001 zog es sie nach Berlin, wo sie mit dem Schauspieler Barnaby Metschurat zusammenlebt und drei gemeinsame Kinder hat. „Je länger ich aus München weg bin, desto schöner finde ich es, wenn ich zurückkehre“, sagt sie im Interview.

„Aber im Moment kann ich es mir nicht vorstellen, wieder dort zu leben. Es ist für mich ein schöner Ferienort.“ Dabei ist die 41-Jährige vielbeschäftigt: Zuletzt war sie in den Serien „Drinnen“ und „Deutschland 89“ sowie im Film „Was wir wollten“ mit Elyas M’Barek zu sehen.

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