„Außer Falschparken gibt’s keine Abgründe“

Über ihre Rückkehr zum Theater: Saskia Vester im Gespräch mit Hallo-München

Schauspielerin Saskia Vester (62) im Interview mit Hallo München.
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Schauspielerin Saskia Vester (62) im Interview mit Hallo München.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Für „Willkommen bei den Hartmanns“ kehrt Saskia Vester nun wieder zum Theater zurück. Im Hallo-Interview spricht sie über ihre Schauspielerei, ihre Familie und den Klimaschutz.

Über 130 Einträge umfasst ihre Filmografie. Für „Willkommen bei den Hartmanns“ kehrt die 62-Jährige zu ihrer ersten Liebe, dem Theater, zurück. Warum sie als Schauspielerin eher eine Sprinterin ist, ihren Mann nicht entmannt hat und keine Hindernisse sieht, ihr Herz auf der Zunge zu tragen, verrät sie hier.

Frau Vester, Sie spielen seit rund 40 Jahren Theater. Wie hat sich das Gefühl seit dem ersten Auftritt verändert?

Irgendwie gar nicht.

Immer noch nervös?

Ich habe immer noch eine wahnsinnig große Spielfreude und freue mich, wenn Publikum unten sitzt und ich denen eine Geschichte vorspiele. Ich finde es auch furchtbar aufregend, zumindest die Premiere. Da will man ja eigentlich am liebsten sterben – die ersten fünf Minuten und dann legt sich das.

Sie haben mal gesagt, Ihnen wäre der Film-Dreh ein Liebhaber, der Ihnen eher liegt. Sie kommen dennoch immer wieder zurück ans Theater. Ist das dann eine Jugendliebe?

Das Theater ist halt die erste Liebe. Ich hatte damals nicht dran gedacht, zum Film zu gehen. Das waren andere Zeiten. Wenn man Schauspieler werden wollte, dann ist man ans Theater gegangen. Und wenn man Glück hatte, durfte man ein bisschen drehen und was dazu verdienen.

„Willkommen bei den Hartmanns“ mit Saskia Vester in der Hauptrolle ‒ Hallo verlost Theaterkarten

Warum dann lieber drehen?

Ich bin ein Sprinter und Theater ist doch mehr Marathon, vor allem wenn man eine Vorstellung nach der anderen spielt. Das Drehen liegt mir charakterlich mehr, das ist zack zack, es wird gedreht und dann nächste Szene. Beim Theater ist es jeden Abend aufs Neue, aber...

...ganz ohne Theater ist ja offenbar auch keine Lösung.

Auf keinen Fall. Man braucht zwischendrin auch mal das Publikum. Für das spielen wir ja.

Hat sich die Rollenvergabe verändert, wie Sie Rollen bekommen. Ist es schwerer geworden?

Es hat sich schon sehr geändert. Als ich angefangen habe, war es tatsächlich so, dass man mit 40 die Mutter spielt und irgendwann war man die Großmutter, die dann ihre drei Sätze sagen durfte. Mittlerweile werden viele Geschichten von „älteren“ Frauen erzählt, und das Publikum liebt auch diese Geschichten. Aber es ist immer noch Luft nach oben. Ich rutsche da irgendwie so durch.

In Ihren Interviews sprechen Sie offen über Gedanken und Gefühle sowie Familiäres. Hatten Sie nie Sorge, dass das gegen Sie verwendet wird oder Sie zu viel preisgeben?

Ich habe eine Presseagentin und wir lesen jedes Interview gegen. Weil ich ein Mensch bin, der einfach alles raus haut. Da müssen wir redigieren und manche Dinge fallen dem Rotstift zum Opfer. Aber warum sollte ich aus meinem Herzen eine Mördergrube machen? Ich bin auch nur ein Mensch wie alle anderen, mit Höhen und Tiefen. Außer Falschparken gibt’s bei mit keine Abgründe (lacht).

Als Ihre Kinder klein waren, ist Ihr Mann in die Rolle des Hausmanns geschlüpft. Ihr Sohn ist selber Vater, hat ihn diese Erfahrung geprägt?

Dadurch, dass mein Mann nie irgendein Problem damit hatte, sind die Kinder so groß geworden und haben sich auch nie die Frage gestellt. Ich sehe das bei der Ehe meines Sohnes: Beide sind absolut gleichberechtigt, er bringt morgens die Kinder zum Kindergarten und sie holt sie ab, wenn sie von der Arbeit zurückkommt. Die putzen zusammen die Wohnung.

Bei Ihnen hat das wahrscheinlich auch einfach so Sinn gemacht. Kein Grund, die eigene Rolle, als Mann oder Frau, infrage zu stellen.

Das hat damit gar nichts zu tun. Man ist ein Team, wenn man Kinder hat und zieht an einem Strang und dazu gehört, dass der eine, der mehr Geld verdient, arbeiten geht oder wie auch immer. Das hat nichts mit der Geschlechterrolle zu tun. Und das hat meinen Mann auch nicht entmannt (lacht).

Ihr Vater, Frederic Vester, war unter anderem Umweltexperte. Hat Sie Klimaschutz von klein auf begleitet?

Mein Vater hat damals in den 80er-Jahren schon vor der Klimaerwärmung gewarnt. Da haben noch alle den Kopf geschüttelt. Das ist mir in die Wiege gelegt worden und so verhalte ich mich da auch bewusst. Das ist für mich so selbstverständlich, dass ich da gar nicht drüber nachdenke.

Wenn Sie auf Dreh für ein paar Wochen sind, wonach sehnen Sie sich in München? Worauf freuen Sie sich dann?

Ungeschminkt in der Küche zu stehen, mit meinem Mann ein Glas Wein zu trinken und irgendwas zu schnippeln. Das ist meine Traumvorstellung wenn ich drehe.

„Willkommen bei den Hartmanns“ mit Saskia Vester in der Hauptrolle ‒ Hallo verlost Theaterkarten

Zur Person

„Ich halte mein Herz nicht zurück, bin ein offener Mensch und zu allem bereit, wenn es Spaß macht“, erklärt Saskia Vester auf die Frage, ob sie privat eine Frau zum Pferde stehlen sei.

In Saarbrücken am 24. Juli 1959 geboren, zog Vester als Kind mit ihrer Familie nach München. Nach ihrer Schauspiel-Ausbildung spielte sie ab 1981 an verschiedenen Theatern. Es folgten zahlreiche TV- und Filmauftritte.

Privat sieht sie jedoch lieber spannende Dokus: „Ich kann dabei besser abschalten. Weil ich dann nicht mit einem professionellen Blick einen Film schaue: Wie spielt er? Wie ist es geschnitten?“ Vester ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und wohnt im Münchner Nord-Westen.

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