Liebeserklärung an München

Endlich gehts wieder auf Tour ‒ Sänger Rea Garvey im Hallo-Interview

Rea war im TV bei „The Masked Singer“ zu sehen und zuvor als Coach bei „The Voice of Germany.“
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Rea war im TV bei „The Masked Singer“ zu sehen und zuvor als Coach bei „The Voice of Germany.“
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Ab Januar geht Rea Garvey auf Tour und macht auch Halt in München. Hallo hat sich mit ihm unter anderem über sein neues Album, seine Liebe zu München und Erfolg unterhalten.

Mit seinem Album „Hy Brasil“ – benannt nach einer mystischen Insel – geht der Sänger ab Januar auf Tour. Dabei macht er auch in München Station, einer Stadt, mit der er eng verbunden ist. Warum er Fantasie liebt, welchen Eindruck sein erster Wiesn-Besuch hinterließ und ob es zu einem Duett mit OB Reiter kommt, verrät er im Interview.

Herr Garvey, die Tour musste mehrfach verschoben werden. Wie groß ist die Sehnsucht nach der Bühne?

Als wir im Sommer gespielt haben, war es sehr restricted wegen Covid. Das hat die Sehnsucht umso größer gemacht, ein normales Konzert spielen zu können. Aber das geht jedem so, daher versucht man das nicht so groß im Kopf aufzubauen. Ich will dieses normale Gefühl, backstage zu sitzen, auf die Bühne zu gehen und das Publikum echt zu rocken.

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Ist das der Ort, wo man als Künstler hin will?

Für mich ist Musik ein Life-Cycle. Es fängt mit Songwriting an, dann geht’s ins Studio und dann auf die Bühne. Das ist einer dieser drei Teile, die unglaublich wichtig sind. Die Belohnung für die Arbeit beim Schreiben und im Studio ist, auf der Bühne zu sehen, deine Texte vom Publikum zu hören. Das Gefühl, Musik zu teilen, ist unersetzlich.

Auch wenn etwas Zeit seit dem Schreiben und Aufnehmen des Albums vergangen ist, wird es sich genauso als Belohnung anfühlen?

Ja, ich bin jemand der extrem viel Freude in sich hat. Ich bin so ein Weihnachtskind. Wochen vor Weihnachten war ich schon aufgeladen. Meine Eltern konnten das schon nicht mehr hören. Ich bin jemand: lieber die Vorfreude als keine Freude zu haben. Jetzt mit meiner Band unterwegs zu sein, das ganze Touring, Familie – das ist ein Lifestyle, den wir kennen. Ich bin jetzt schon seit zwei Jahren zuhause, außer in diesem Sommer. Diese Energie, die ich sonst auf der Bühne spende, ist immer noch da.

Die mussten sie nicht bei der Familie rauslassen.

(lacht) Die Familie würde mich am liebsten auf Tour schicken. Wir haben sehr viel gewonnen. Das ist die längste Zeit, die ich jemals zuhause war. Ich versuche, immer auch die positive Seite zu sehen.

Der Album-Titel ‚Hy Brasil‘ bezieht sich auf eine mystische Insel, die sich nach einem traumhaften Zufluchtsort bei der aktuellen Lage anhört, aber auch einsam. Passt meine Assoziation?

Einsamkeit, nein, das bin ich gar nicht. Ich bin sehr gerne unter Menschen. Zufluchtsort ist nicht verkehrt. Ich finde Fantasie, ein Ort, wo man unbedingt hin will, die verschieben die Grenzen, was möglich ist. Und das liebe ich. Wenn Leute von ‚Hy Brasil‘ hören, ist die Frage immer: Glaubst du daran, dass sie existiert? Ich sage: Ja, natürlich. Weil dann ist die Chance noch da. In dem Moment, in dem ich sage, ich glaube nicht daran, dann ist sie weg.

Das lässt sich auf vieles übertragen.

Wenn man das vergleicht mit der Reise als Musiker: Ich wollte unbedingt ein erfolgreicher Musiker sein, auf der Bühne stehen, meine Musik spielen, hören, wie das Publikum meinen Text singt. Die Dinge will ich unbedingt, ich habe sie erreicht und will sie auch weiterhin erreichen. Ich fühle mich sehr kindlich, wenn ich so etwas sage, aber ich glaube an den Traum.

Andererseits heißt es, der Schlüssel zum Erwachsen werden ist sich das innere Kind zu bewahren. Vielleicht ist es genau das, sich den Glauben bewahren, die Fantasie.

Für mich ist es das, was mich antreibt. Ich bin so oft in Gesprächen, wo es heißt: ‚Nein, das klappt nicht.‘ Und ich denke mir: ‚Jetzt, wo du es gesagt hast, habe ich erst recht Bock drauf es zu machen.‘ Weil unmöglich – habe ich gelernt – möglich ist. 90 Prozent des Wortes bestehen aus möglich. Ich bin jemand, der glaubt, dass wir Dinge umsetzen können in schwierigen Zeiten.

Sie haben mal gesagt: Erfolg ist fast so selten wie ein Lottogewinn. Das klingt sehr demütig. Sie sind viel im Fernsehen zu sehen, wie ordnen Sie das ein, ein zweites Standbein?

Stehen bleiben ist nicht so meine Stärke und Langeweile kann ich überhaupt nicht ab. Ich bin ein Entertainer und im ersten Lockdown hatte ich das Gefühl, dass meine Aufgabe noch mehr gefragt wird. Und dann gab es halt das Fernsehen. Wir saßen zu fünft in einem Studio und hatten zehn Millionen Zuschauer. Der Bedarf war so riesig. Ein zweites Standbein? Nein, es ist der gleiche Job: Unterhaltung.

In dieser Zeit haben Sie auch mit den „Yellow Jacket Sessions“, Mini-Konzerten mit Gast-Künstlern auf YouTube, angefangen.

Ich schütze meine Privatsphäre. Und die haben wir durch diese Sessions geöffnet, um die Leute zu unterhalten. Ich hatte das Gefühl in den vergangenen zwei Jahren, dass ich das umso mehr machen muss, um diese Menschen nicht alleine zu lassen. Denn die sind immer für mich da und ich wollte auch für sie da sein.

Wollen Sie das auch nach der Pandemie weiterführen?

Wir haben gesagt, wir machen das bis der Shit vorbei ist (lacht). Es macht unglaublich viel Spaß, für mich, für meine Frau Josephine, für unser Team. Den Gästen in dieser Form zu begegnen, liebe ich, genauso die Kommentare von meinen Eltern. Mein Vater ruft mich aus Irland an und sagt: habe ich geschaut, finde ich gut. Aber: Man muss nicht immer den letzten Tropfen Saft aus Sachen quetschen.

Nichts verkrampft festhalten.

Erfolg ist ein bisschen wie Wasser oder Sand in deiner Hand. Du kannst es nicht festhalten. Und das gilt für sehr viele Faktoren von Erfolg. Du musst immer auf der Suche sein nach dem Neuesten. Ich bin jemand, der im Flow lebt.

Wann waren Sie das letzte Mal in Irland?

Wir waren im August dort. Es war eine crazy Zeit, die erste, wo Deutschland und Irland gegenseitig offen waren. Es war unglaublich toll. Natürlich waren wir drei Wochen in Quarantäne. Es hat sich total gelohnt, die Zeit zuhause. Meine Eltern waren fast ein Jahr allein. Da hast du als Kind eine Sehnsucht, sie nicht alleine zu lassen. Ihnen geht es gut und die Umarmung war lang.

Anderes Thema: Auf den ersten Blick bringe ich Rea Garvey und München nicht zusammen...

Das tut mir jetzt ein bisschen im Herzen weh, weil ich so viele Verbindungen zu München habe. Mit meiner irischen Band habe ich im Strom-Club gespielt, das ist lange her. Damals war ich auf dem Oktoberfest und habe mich in die Stadt verliebt. Meinen ersten Plattenvertrag mit Reamonn habe ich in München unterschrieben. Ich habe hier viele Freunde. München ist für mich am nächsten an Irland, weil die Kultur überall zu sehen ist. Ich bin Bayern-München-Fan. Das geht so tief. Ich kann also nur auf nette Art widersprechen.

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Ich hab nichts gesagt. Geht’s dann nach dem Münchner Konzert in den Pub?

Ich habe gute Freunde in München, wie Michael Mittermeier, mit denen lasse ich mich sehr gerne treiben. Die Menschen, die ich treffe, sind für mich viel mehr wert, als in welchem Raum wir gesessen haben. Ich mag den Viktualienmarkt so gerne, dieses Rumlaufen, du kannst die Sachen probieren, anfassen. Ob es eine Weißwurst ist oder man mittags ein Bier trinken möchte. Das ist eigentlich immer verbunden mit Menschen.

Und eine sinnliche Erfahrung, Essen, Trinken, Zwischenmenschliches.

Absolut. Du erlebst es halt. Wenn du es mit anderen Städten vergleichst: Jeder Münchner weiß, warum er in München wohnt. Es ist eine Stadt, wo viel Leben außerhalb der Wohnung passiert, weil es eine sehr teure Stadt ist. Man arbeitet viel, um dort zu wohnen. Aber ich liebe das so, ob es der Englischen Garten ist – einer meiner besten Freunden ist Eisbach-Surfer. Es sind diese legendären Dinge, die ich charmant finde. Und die die Stadt attraktiv machen.

Also ein nächster Wohnort?

Ich könnte nicht in München wohnen. Münchner wohnen in München. Du musst hier aufgewachsen sein, um alles schätzen zu können. Und ich bin jemand, der viel in Bewegung bleibt. Mein erstes Mal auf dem Oktoberfest ist über 20 Jahre her, als flutenweise die Bauern in ihren Lederhosen aus dem Bahnhof rauskamen und ich dachte: what the fuck... Ich liebe es. Das hat sich nicht fremd angefühlt, genial.

Einmal im Jahr gibt es in München ein kleines irisches Festival bei dem auch OB Dieter Reiter auftritt, wäre das mal was für ein Duett?

(lacht) Das kann ich gar nicht beantworten, da ich nicht die Talente des Bürgermeisters kenne. Die Duett-Auswahl ist für mich eine harmonische, organische Sache. Ich bin ein paar Mal eingeladen worden, am St. Patrick‘s Day aufzutreten. Bis jetzt habe ich das nicht geschafft. Wenn ich das hinkriege, dann ist es natürlich möglich, dass ich mit dem Bürgermeister zusammen singe. Er soll sich melden...

Zur Person

„Wenn ich in einer Kneipe sitze, kann ich mich selbst nicht stoppen, zu singen“, erklärt Raymond Michael Garvey, genannt Rea. Am 3. Mai 1973 in Tralee/Irland geboren wurde er als Frontmann der Band „Reamonn“ mit Hits wie „Supergirl“ bekannt, ehe sich die Band 2010 trennte.

Seitdem feiert er als Solo-Künstler Erfolge. „Hy Brasil“ ist sein fünftes Album – alle konnten sich in den Top 7 der Deutschen Charts platzieren.

Zudem war er im TV bei „The Masked Singer“ zu sehen, zuvor als Coach bei „The Voice of Germany.“ Der 48-Jährige betritt gerne Neuland: „Ich versuche mich herauszufordern, aber nicht komplett außerhalb meines Talents.“ Außerdem engagiert er sich seit vielen Jahren für soziale Projekte. Mit seiner Frau Josephine hat er zwei Kinder und lebt in Berlin.

Verlosung

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Quelle: www.hallo-muenchen.de

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