Im Gespräch mit Hallo München

Ralph Siegel im Interview über Zeppeline, Corona & München 

Über 2000 Lieder hat der Münchner Komponist Ralph Siegel geschrieben.
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Über 2000 Lieder hat der Münchner Komponist Ralph Siegel geschrieben.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Nach Pandemie-bedingten Verschiebungen setzt „Mr. Grand-Prix“ zum erneuten Start seines Musicals „Zeppelin“ an. Wie das Herzensprojekt entstand, was ihn inspiriert und wie Corona und München klingen.

Herr Siegel, sind Sie schon einmal mit einem Zeppelin geflogen?

Leider noch nicht!

Zumindest in der Musical-­Welt steht der Flug jetzt bevor. Nach einigen Corona-bedingten Startschwierigkeiten.

Wir haben das Musical mehrfach verschieben müssen. Der einzige Vorteil lag darin, dass wir das als Probenzeit nehmen konnten. Die wirkliche Problematik war, dass die Produzenten ausgestiegen sind.

Sie wollten das Musical trotzdem umsetzen.

Ich habe die Musik und die Texte geschrieben und es jetzt im Endeffekt noch selbst produziert. Für „Zeppelin“ habe ich alle Reserven mobilisiert, was ich ja gar nicht machen dürfte. Das konnte ich nur mit einer guten Bank vereinbaren. Die haben gesagt: Wir glauben an dich, du zahlst uns schon was zurück (lacht).

Woher kam die Faszination am Stoff?

Ich hatte die Idee, als ich eine Dokumentation über die Kriegsjahre gesehen habe. Da flogen Zeppeline über London und gleichzeitig sah ich vor meinem inneren Auge die vielen Zeppeline, die heute mit Werbung versehen über das Land ziehen. Das Leben des Graf Zeppelin wollte ich parallel zum Flug der Hindenburg erzählen, die dann abstürzte.

Eine schillernde Persönlichkeit, eine Liebesgeschichte und ein dramatisches Finale. Alles was ein Musical braucht.

(lacht) Das haben Sie jetzt gesagt. Wir haben fünf Jahre daran gearbeitet. In der ersten Version gab es viele Figuren noch gar nicht. Das Leben und die Schicksale der Charaktere auf der Hindenburg zum Beispiel entwickelten sich erst.

Inwiefern gehen Sie an ein Musical anders heran als an ein Lied, das die Charts stürmen soll?

Wenn du ein dreiminütiges Lied für den Grand Prix schreibst, weißt du genau: Hier fängt es an, da hört es auf. Im Mainstream klingt ja fast alles gleich. Beim Musical kannst du aus der Seele und dem Herzen schreiben. Man ist nicht an die Vorgaben gebunden, die das sogenannte Format­radio vorgibt.

Etwa die Länge.

Genau, wenn ein Lied zu lang ist, spielen sie es im Radio nicht. Wir haben hier ein sieben Minuten langes Lied. Außerdem schreibt man noch visueller und man ist natürlich an die Story gebunden. Der erste Song fürs Musical entstand in Amerika. Er heißt: „Wir fahren nach Amerika“. Dann habe ich noch Lieder in den letzten Monaten geschrieben, weil eine der Sängerinnen so gut war, dass ich noch eines schreiben musste.

Sie scheinen die Lieder aus dem Ärmel zu schütteln. Mehr als 2000 sind bei der GEMA von Ihnen registriert.

Ich habe mit 14 angefangen, zu komponieren. Aber auch nach 60 Jahren komponieren ist es so: Zuerst kommt die Inspiration, dann die harte Arbeit. Ich bin auch froh, ein Jahr in Paris und eines in Amerika gelebt zu haben. Das hat sich musikalisch stark ausgewirkt. Diese Einflüsse sind in meinem Kopf drinnen und kommen irgendwann raus.

Wie klingt denn Ihr München?

Das ist ganz einfach, das habe ich schon komponiert: „München leuchtet“. Oder „I love Munich“. (singt) „I mag München in der Sommerzeit...“ Das ist das, das sie auf der Wiesn spielen. So klingt München, so klingt meine Heimatstadt. Die hat viele Farben und Klänge.

Gibt es ein Lied, das Sie gern geschrieben hätten?

Die „Rhapsody in Blue“, die ist mein absolutes Lieblingsstück. Ich hab mit 14 Vorträge über George Gershwin gehalten. Er war mein Vorbild. Und Peter Ustinov.

Wenn das Coronavirus ein Lied wäre, welches wäre es?

Hmm, da muss ich überlegen, es gibt so viele. Ich hab ein Lied geschrieben, vor fünfzig Jahren, für die Alexandra. Es hieß: „Alles geht vorüber“.

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ZUR PERSON 

Wer den Namen Ralph Siegel hört, hat schnell die Melodien seiner größten Hits im Kopf: Zum Beispiel die „Fiesta Mexicana“, die Rex Gildo sang, den Klassiker und Eurovision Songcontest-Beitrag

„Dschinghis Khan“ oder Nicoles „Ein bisschen Frieden“, mit dem Deutschland dann 1982 den Songcontest auch gewann. Generell gilt der am 30. September 1945 in München geborene Siegel als „Mr. Grand Prix“ – 25 Mal hat er am Musikwettbewerb teilgenommen.

Komponiert hat er aber noch weitaus mehr Stücke: Rund 2000 seiner Lieder sind bei der Verwertungsagentur GEMA registriert. Ralph Siegel lebt mit seiner vierten Frau in Solln.

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