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„Bequem ist es bei der Polizei nie“ ‒ im Gespräch mit Wilhelm Schmidbauer, Bayerns ranghöchstem Polizist

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Landespolizeipräsident Prof. Dr. jur. Wilhelm Schmidbauer (63) verabschiedet sich in zwei Wochen in seinen Ruhestand.
Landespolizeipräsident Prof. Dr. jur. Wilhelm Schmidbauer (63) verabschiedet sich in zwei Wochen in seinen Ruhestand. © MJH

Die Münchner Sicherheitskonferenz, Cybercrime und Wladimir Putin: scheidender Landespolizeipräsident Prof. Dr. jur. Wilhelm Schmidbauer (63) über seine berufliche Laufbahn.

Knapp zwei Wochen sind es noch, dann endet für den gebürtigen Regensburger am Montag, 28. Februar, eine erstaunliche Laufbahn mit dem Ruhestand: Der promovierte Jurist wurde erst Münchner Polizeipräsident – dann 2013 mit dem Amt des bayerischen Landespolizeipräsidenten ranghöchster Polizist Bayerns.

Was seine Kollegen heute im täglichen Streifendienst und bei der Bekämpfung von Cybercrime beweisen und leisten müssen, wie er Querulanten und Politikern begegnet und worauf er bei allen beruflichen Terminen und Verpflichtungen aus Dankbarkeit zu seiner Ehefrau nie verzichtet hat, verrät er Hallo im Interview.

Landespolizeipräsident Prof. Dr. jur. Wilhelm Schmidbauer (63) von A bis Z

Abschied tut weh, weil ich als Landespolizeipräsident eine herausragende Aufgabe für die Sicherheit in Bayern erfüllen durfte. Mein zentraler Leitsatz war immer: Wer in Bayern lebt, soll sicher leben! Ende Februar ist mein letzter Arbeitstag. Hoffentlich plant man keine große Feier – ich mag so viel Tamtam um meine Person nicht.

Bereitschaft durch mein Fachwissen zu unterstützen, habe ich auch im Ruhestand, wie durch meine Professur an der Juristischen Fakultät der Uni Regensburg. Auch werde ich weiterhin meinen Kommentar zum Bayerischen Polizeiaufgabengesetz herausbringen.

C steht für die Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung, die ich mit mehr als 180 Kollegen im Innenministerium geleitet habe. Dort sind kollegiale Arbeitsatmosphäre und ausgezeichneter Teamgeist.

Disziplin ist wichtig. Ein Polizeibeamter darf nicht parteiisch, muss aber empathisch sein, im Einsatz notwendige Neutralität und Professionalität beweisen. Der gute Ruf der Bayerischen Polizei, den sie verdient genießt, muss so täglich von jedem einzelnen Beamten neu erarbeitet werden.

Einsätze und unvergessene Erinnerung: 2006 waren SiKo, Oktoberfest und die Fußball-WM, Russlands Präsident Wladimir Putin und Papst Benedikt XVI. zu Gast. Oder das Treffen mit Barack Obama beim G7 Gipfel 2015.

Frauen bei der Polizei sind nicht wegzudenken. Fragte Mann früher „Kann die das?“, hören wir heute häufig: „Da brauchen wir eine Frau!“ Die Bayerische Polizei legt vor allem viel Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Geachtet habe ich immer darauf, dass die Sicherheit der Bürger in Zusammenarbeit mit anderen Behörden gewährleistet ist. Dass diese Arbeit oft die 40-Stunden-Woche überstieg, hat meine Frau mitgetragen. Dafür danke ich ihr.

Harschen Kritikern – etwa am Polizeiaufgabengesetz – erwidere ich, dass es nicht darum geht, wie viel Macht die Polizei hat, sie existiert nicht zum Selbstzweck. Das Gesetz dient der effektiven Gefahrenabwehr, dem Schutz der Grundrechte potenzieller Opfer von Kriminellen.

IT ist heute alltägliche Polizeiarbeit: es werden viele Straftaten im Internet geplant und begangen. Die Bayerische Polizei hat seit drei Jahren bei jeder Dienststelle der Kripo ein Kommissariat „Cybercrime”.

Jurist wurde ich, weil mich Recht immer interessiert hat. Es stellt Lösungen bereit, Konflikte juristisch gewaltfrei zu bewältigen.

Kleidung: Meine Dienst-Uniform habe ich dem Museum der Bayerischen Geschichte gespendet. Nur meine alte Polizei-Lederjacke werde ich als Dienstzeit-Andenken aufheben. Sie passt sogar noch!

Lieblingsplatz ist für mich der Englische Garten. Je mehr Aufgaben ich in meiner Dienstzeit bekam, desto seltener wurden leider meine Besuche.

Münchner SIKO (MSC): Eine große Herausforderung, bei einer der wichtigsten Großveranstaltungen weltweit, Personenschutz mitten in der Stadt zu gewährleisten. Die MSC ist Chance, dass hochrangige Politiker, unbehelligt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit miteinander reden. Dass dies unter dem bayerischen Motto „Leben und leben lassen” möglich ist, ist vielleicht sogar hilfreich, damit die Welt insgesamt ein bisschen friedlicher wird.

Nicht immer lässt die Presse der Polizei Zeit, einen Sachverhalt aufzuklären, bevor sie darüber berichtet.

Opferprävention betreibt der Verein „Münchner Blaulicht”, den ich 2010 mit initiiert habe. Der „Polizeiverein für Prävention und Bürgerbegegnungen” berät und macht polizeiliche Aufgaben transparent.

Politik: Der Bayerische Landtag entscheidet über Personal und Geld. Bis 2023 werden zusätzlich 3500 Kollegen landesweit eingestellt. Eine Fortsetzung dieses Programms wäre nicht verkehrt.

Querulanten begegne ich mit Respekt, mache aber deutlich, dass es Grenzen gibt, etwa bei Gewaltanwendung. Dann schreitet die Bayerische Polizei konsequent ein.

Regelmäßig mache ich mit meiner Frau ein Wellness-Wochenende, damit man sich herausnimmt von allem dienstlichen. Sie sucht aus, wohin wir fahren – mir ist nur ein warmer Pool wichtig.

Straftaten müssen vermieden werden! Wenn sie doch passieren, muss man sie konsequent verfolgen. Wir haben hier in Bayern eine hohe Aufklärungsquote. In der Statistik des Bundeskriminalamtes liegen wir seit Jahren auf Platz 1.

Tipps für den Nachfolger habe ich keine! Michael Schwald, jetziger Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Nord in Augsburg, der das Amt des Landespolizeipräsidenten nach mir übernimmt, ist ein erfahrener Kollege.

Urkunden aus meiner beruflichen Laufbahn bewahre ich in einer Urkundenmappe auf. Wie viele es sind, habe ich allerdings noch nie gezählt.

Verantwortung für Bürger und Staat trägt jeder der über 44.000 Mitarbeitenden der Bayerischen Polizei. Polizist sein ist Berufung, ein Selbstverständnis. Wer beruflich ein „bequemes Leben“ einschlagen will, ist bei der Polizei verkehrt.

Wieder würde ich Polizeibeamter werden, auch als Jurist. Es ist eine interessante, sinnstiftende Aufgabe.

X-mal habe ich mich in meiner Berufswahl bestätigt gesehen. Die Straftaten in Bayern gehen seit Jahren kontinuierlich zurück, wir sind das sicherste Bundesland. Das ist nicht nur Verdienst der Polizei, sondern auch der Bevölkerung.

Yahoo – stellvertretend fürs Internet – wird von Straftätern raffiniert genutzt. So, wie man auf der Straße sicher ist, soll jeder auch im virtuellen Raum vor Trickbetrug, Identitätsdiebstahl und Erpressung sicher sein.

Zufrieden bin ich nicht leicht. Ich fordere von allen Kollegen, neue Ideen einzubringen, wie wir die Sicherheit im Land erhöhen können. Die Konferenz der bayerischen Polizeipräsidenten ist Austausch, um zukunftsweisende polizeiliche Entscheidungen für Bayern zu treffen.

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