Poetry-Slammer und Ernst-Hoferichter-Preisträger bei Hallo

„Ich bin ja kein Fein-Ironiker“

Jaromir Konecny (64), Poetry-Slammer und Ernst-Hoferichter-Preisträger, von A bis Z
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Jaromir Konecny (64), Poetry-Slammer und Ernst-Hoferichter-Preisträger, von A bis Z

Jaromir Konecny ist Poetry-Slammer und Ernst-Hoferichter-Preisträger. In Hallo verrät er, warum seinem Publikum das Lachen im Hals steckenbleiben soll...

Jaromir Konecny ist seit langem eine feste Größe in der Münchner Literaturszene und gilt als einer der wichtigsten deutschen Slam-­Poeten. 1994 nahm er erstmals im „Substanz“ an einem Poetry-­Slam teil.

Nun hat er neben dem Filmemacher Wolfgang Ettlich und der Comic-Künstlerin Barbara Yelin den mit 5000 Euro dotierten Ernst-Hoferichter-Preis 2021 erhalten. Damit erfüllt er die Kriterien der Jury, „Originalität mit Weltoffenheit und Humor zu verbinden“.

Er arbeitete als Techniker in Libyen, war Arbeiter in der Metallindustrie und Schiffsmeister bei der tschechischen Elbe-Oder-Schifffahrt, bevor er 1982 in die Bundesrepublik emigrierte.

Nach einem Jahr im niederbayerischen Sammellager studierte der „lustigste Tscheche Deutschlands“ (so bezeichnete ihn einst sein Verleger) Chemie an der TU München, wo er über die Entstehung des genetischen Codes promovierte.

Mit seinem humoristischen Roman zur Flüchtlingsproblematik „Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec“ steht er regelmäßig auf der Bühne. Außerdem bietet er Lach-Poetry für Jugendliche und Erwachsene an, macht Wissenschaftskabarett (Programm unter www.kuenstliche-intelligenz-kompakt.de/ki-vortraege/) sowie ­­­Jonglierworkshops.

Jaromir Konecny (64), Poetry-Slammer und Ernst-Hoferichter-Preisträger, von A bis Z

Akzent will ich nicht loswerden, weil ich davon lebe. Mit meinem Akzent bringe ich die Leute zum Lachen.

Bühne: Im normalen Leben wollte sich niemand meine Geschichten anhören. So belabere ich Leute von der Bühne aus. Sie haben den Eintritt gezahlt und laufen nicht davon.

Corona: Ich bin ursprünglich theoretischer Molekularbiologe und Bio-Informatiker. Habe über die Codierung in der RNA geforscht, die auch in den Corona-Viren steckt.

Doktorarbeit: Die hat Spaß gemacht. Keine Ahnung, warum ich darauf verzichtete und Künstler wurde.

Erfolg ist für mich ein gestürmter Berggipfel. Oder wenn ich im Winter das Bad in der kalten Mangfall überlebe. 

Flucht: Hat mein Leben gerettet. Ich habe ja in einer Diktatur gelebt. Mich hat belastet, dass ich nicht hören, lesen oder schreiben konnte, was ich wollte. Ich habe ein großes Problem mit Autoritäten.

Gänsehaut kriege ich, wenn ich einen schönen Liebesfilm sehe. Oder wenn es saukalt ist.

Hoferichter-Preis ist eine große Anerkennung. Seit 26 Jahren trete ich in Deutschland, Österreich der Schweiz, Tschechien und der Slowakei mit Poetry-Slams auf. Immer werde ich als Jaromir Konecny aus München angekündigt. Ich vertrete also München in der Welt. Eine solche Anerkennung aus München tut gut.

Ironie: Bei Thomas Mann wird sie gelobt. Ich bin sicher kein Fein-Ironiker. Ich schreibe sehr direkt, vordergründig, platt, komisch und hoffe, dass den Leuten das Lachen im Halse steckenbleibt, wenn sie plötzlich das Ernste hinter dem Witz entdecken.

Jonglieren ist ein besonderes Format. Bücher und Bälle, Schreiben und Jonglieren – es ist ein Ausgleich. Da entwickelt sich mein Gehirn. Jongleure kriegen kein Alzheimer.

Künstliche Intelligenz ist nichts weiter als ein Werkzeug. Mit KI könnten wir die Erde und uns retten. KI soll unsere Fähigkeiten erweitern, uns nicht ersetzen. Die Programme liefern uns so gute und neutrale Lösungen für unsere Probleme, wie gut und neutral die Datensätze sind, mit denen wir sie trainieren. Hinter jedem Fehler der KI steht der Mensch.

Langeweile kenn’ ich nicht. Die wäre super. Ich arbeite 16 Stunden am Tag, mache aber auch jeden Tag Sport. Ich will davontanzen können und nicht auf einer Liege weggetragen werden.

Mutter und ihre Leitsätze waren sehr wichtig für mich. Bevor sie mich mit dem Holzlöffel gezüchtigt hat, wenn ich etwas angestellt hatte, sagte sie: „Jede traurige Geschichte hat eine lustige Seite. Du musst sie nur finden.“ Dann hat sie zugeschlagen. So weiß ich, wenn ich Frauen zum Lachen bringe, gibt’s keine Schläge.

Naturwissenschaften: Dazu bin ich auch durch meine Mutter gekommen. Sie schenkte mir in der 8. Klasse einen Chemiebaukasten. Damit habe ich eine Explosion auf unserem Dachboden verursacht. Darauf meinte sie, ich sei ein idealer Chemiker und schrieb mich in einer Chemiegewerbeschule ein.

Optimist bin ich. Wir haben ja schon so viel geweint. Ich lache dann lieber und möchte mir keine Gedanken über schlechte Menschen machen. Trump hat mich allerdings fertiggemacht.

Poetry-Slam: Man wollte meine Geschichten nicht drucken, mich vielmehr zum Psychiater schicken. Ich habe keinen Anschluss gefunden im literarischen Leben hier. So bin ich auf Poetry- Slams aufgetreten. 

Querdenker: Karl Valentin würde sich im Grab umdrehen, wenn er um die heutige Bedeutung wüsste. Einfach eine depperte Bewegung.

Rentner wollte ich als Kind immer werden. Ich dachte, die haben immer Geld vom Nichtstun. Aber dann kam die Schreiberei dazwischen.

Stress habe ich nur mit meiner Zeit. Zum Glück habe ich einen wunderbaren Spruch der Anonymen Alkoholiker verinnerlicht: Das Wichtigste zuerst.

Tschechien war meine Kindheit und somit das Schönste in meinem Leben. Mit zwölf hatte ich dort mein erstes Buch geschrieben, einen Krimi für meine Mutter. Der war aber so unanständig, dass ich zwei Wochen Hausarrest bekam.

Unsicherheit: Ich wurde von fünf Frauen erzogen. Deshalb waren sie für mich mächtige Wesen. Sie machen mich immer noch unsicher!

Votum: Ich wähle seit Jahren die Grünen. Da sind viele Idealisten drunter. Mir ist wichtig, den Klimawandel zu stoppen.

Wissenschaft und Humor gehen super zusammen. Ich mache ja auch Science-­Kabarett.

X-mal habe ich mir geschworen, keinen Kaffee mehr zu trinken. Aber jetzt bin ich wieder auf Koffein... Früher, in der Tschechoslowakei, hatte ich ein Alkoholproblem. Jetzt reichen zwei Bier pro Woche.

Yeti: Dem bin ich noch nie begegnet. Ich habe mich früher damit beschäftigt und habe Bücher von Reinhold Messner gelesen. Aber das ist doch nur eine Legende wie Loch Ness.

Zen-Buddhismus habe ich während meines Studiums angefangen. 1984 nach der Flucht war ich in einem Sammellager in Niederbayern. Ich habe damals 60 Gauloises am Tag geraucht. Der Arzt meinte, ich hätte eine Lunge wie ein 60-Jähriger. Da war ich 28. Ich war depressiv und wollte nur noch sterben. In einem lichten Moment fiel mir ein Buch über Meditation und Zen-Buddhismus in die Hände.

Claudia Theurer

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