Peter Weck im Gespräch mit Hallo München

„Ich möchte nicht auf der Bühne sterben!“

Peter Weck gab im Januar 2020 seine letzten Theater-Vorstellungen an der Seite von Friedrich von Thun in der Komödie im Bayerischen Hof.
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Peter Weck gab im Januar 2020 seine letzten Theater-Vorstellungen an der Seite von Friedrich von Thun in der Komödie im Bayerischen Hof.

In Wien ist er eine Institution, aber auch in München wird der 89-Jährige verehrt: wegen seiner Auftritte auf den großen Münchner Bühnen, als Erzherzog in „Sissi“ oder in der ZDF-Serie „Ich heirate eine Familie“. Wie er seinen 90. Geburtstag feiert und welches Ereignis in der Schwabinger „Gisela“ ihn bis heute verfolgt, verrät er hier. 

Peter Weck im Interview mit Hallo München

Herr Weck, Sie tragen den Titel Professor, soll ich Sie damit ansprechen?
Nein, ich habe ja einen Namen. Professor ist ein Titel, den man in Österreich verliehen bekommt, wenn man 50 Jahre alt ist und in seinem Beruf etwas geleistet hat.

Wie fühlen Sie sich denn – wie 90 oder eher wie 30?
Weder noch. Ich kann aber beruhigt sagen – mit 70 habe ich mich auch nicht anders gefühlt als jetzt. In meinem Alter ist eigentlich jeder Tag ein Geburtstag.

Wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag?
Ich bin nicht der Initiator derlei Festivitäten. Meine verstorbene Frau hat das immer erledigt. Dieses Mal lasse ich mich überraschen. Sicherlich wird die eine oder andere öffentliche Ehrung geschehen. Aber ich sehe das Ganze als Anerkennung für meine 66-jährige Berufstätigkeit.

Ihre Frau Ingrid ist vor acht Jahren verstorben, sie waren seit 1966 ein Paar.
Sie war sehr humorvoll, ein ausgleichendes Element, aber etwas streng. Ich höre sie heute noch manchmal mahnen „Füße heben, gerade gehen“. Sie war sehr kommunikativ, ich allerdings bin eher scheu.

Aber Sie werden doch sicher oft auf der Straße angesprochen…
Ja, natürlich und ich freue mich auch darüber. Anfangs war mir das immer lästig, aber im Laufe der Zeit habe ich mich dahingehend diszipliniert, freundlich zu sein. Geographisch gesehen ist die Mentalität der Menschen sehr unterschiedlich. In der Schweiz zum Beispiel entschuldigen sich die Leute zig Mal bevor sie einen um ein Autogramm oder Selfie bitten; auch Deutsche verhalten sich wesentlich diskreter. Hier in Wien aber bin ich schon das Peterl und als Inventar, ohne wenn und aber einverleibt.

Können Sie sich denn auch eine Wiederaufnahme der „Sonny Boys“ auf der Bühne der Komödie im Bayerischen Hof in München vorstellen?
Nein. Es war schön noch einmal das Drumherum auf der Bühne zu erleben, aber gleichzeitig zu wissen, das solche Aufführungs-Serien für mich zu anstrengend geworden sind. Daher habe ich auch ein Stück, das ich in Wien im Herbst im Theater in der Josefstadt spielen sollte, aus diesem Grund abgesagt. Es klingt zwar wehmütig, aber so ist es leider. Es gibt ja Schauspieler, die gerne auf der Bühne sterben würden; ich gehöre nicht dazu.

Gibt es gar kein Zurück auf die Theaterbühne?
Als Schauspieler kann ich mir vieles vorstellen – das nicht.

Sie waren beruflich lange in München, an den Kammerspielen und am Residenztheater.
Ja, sieben Jahre habe ich dabei in Schwabing gewohnt. Schon damals ein bekanntes Künstler-Viertel. Viele exzellente Kollegen haben in meiner Umgebung gewohnt, etwa Werner Fink oder Georg Thomalla. Schon damals hat mich die Mentalität der Bayern angesprochen. Der Witz gepaart mit Sarkasmus und die dazu gehörige Gemütlichkeit haben mich bis heute immer wieder fasziniert. Daher komme ich gerne nach München und lasse die alten Zeiten Revue passieren.

Eines von fast 100 Fotos aus Wecks Biographie: An seinem 80. Geburtstag kochte Alfons Schuhbeck, ein Freund der Familie, für Peter Weck. 

Eine Anekdote aus der Münchener Zeit?
Ich war gerne nach den Vorstellungen in der Schwabinger Kult-Bar „Gisela“. Da saßen sie alle – Theaterleute, Schriftsteller, Künstler. Eines Tages ging ein Schriftenleser von Tisch zu Tisch. Da habe ich ihm meine Unterschrift gegeben, wie viele andere auch. Er sagte zu mir: „Wissen Sie, Ihre Unterschrift wird einmal viel wert sein, aber Sie werden keines natürlichen Todes sterben“ – das war 1955. Bis heute verfolgt mich dieser Satz, obwohl ich nicht abergläubisch bin.

Wie sind Sie als Opa?
Ich finde, dass heutzutage erzieherisch andere Prioritäten herrschen als in meiner Jugend. Das nehme ich so wahr und begnüge mich als liebevoller Opa.

War früher alles besser?
Nicht besser, aber anders. Ich bin froh, dass ich es erlebt habe.

Zur Person

Peter Weck wurde am 12. August 1930 in Wien geboren. Er war Mitglied bei den Wiener Sängerknaben, erhielt seine Schauspiel-Ausbildung am berühmten Max-Reinhardt-Seminar und spielte Theater am Burgtheater, am Schauspielhaus Zürich oder am Münchner Residenztheater. 

In den 50er- und 60er-Jahren sah man ihn in Unterhaltungsfilmen an der Seite von Hans Moser, Theo Lingen oder Conny Froboess oder neben Romy Schneider unter anderem in „Sissi“. Eine neue Generation an Fans in Deutschland erschloss er sich in den 1980er-Jahren mit der erfolgreichen ZDF-Serie „Ich heirate eine Familie“ an der Seite von Thekla Carola Wied. 

Weck arbeitete aber auch als Regisseur sowie als Generalintendant vom Theater an der Wien, dem Raimundtheater in Wien und dem Varieté Ronacher. „Das hat auch meine Neugier bewirkt. Ich habe immer etwas Neues gesucht, neue Herausforderungen“, so Weck im Interview. Mit seiner Frau Ingrid war er fast 45 Jahre verheiratet bis sie 2012 starb. Gemeinsam haben sie einen Sohn und eine Tochter – und drei Enkelkinder.

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Marie-Julie Hlawica

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