Neue Formate entwickeln 

Fünf Jahre NS-Dokumentationszentrum: Direktorin Mirjam Zadoff im Interview - "Schub in Richtung Digitalisierung"

Seit fünf Jahren gibt es in München bereits das NS-Dokumentationszentrum. Mit 190 000 Besuchern im Jahr 2019 konnte die Einrichtung fast an den Erfolg des ersten Jahres anknüpfen -  obwohl die Zahlen vorher rückläufig waren.
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Seit fünf Jahren gibt es in München bereits das NS-Dokumentationszentrum. Mit 190 000 Besuchern im Jahr 2019 konnte die Einrichtung fast an den Erfolg des ersten Jahres anknüpfen -  obwohl die Zahlen vorher rückläufig waren.

Das NS-Dokumentationszentrum wird fünf Jahre alt. Im Hallo-Interview erklärt Direktorin Mirjam Zadoff, wie Corona den Alltag in der Erinnerungsarbeit verändert. 

  • Das NS-Dokumentationszentrum wird am 1. Mai fünf Jahre alt. 
  • Wegen der Corona-Pandemie gibt es bald vermehrt digitale Formate. 
  • Die Direktorin Mirjam Zadoff im Interview mit Hallo München

München - Seit dem 1. Mai 2015 gibt es das NS-Dokumentationszentrum am Max-Mannheimer-Platz 1. Als zentraler Lern- und Erinnerungsort dokumentiert die Einrichtung die Verbrechen der NS-Diktatur und setzt sich mit ihren Ursachen, Ausprä­gungen und Folgen bis in die Gegen­wart auseinander. Mirjam Zadoff ist seit 2018 Direktorin des NS-Dokumentationszentrums.  

Für Hallo blickt sie auf die letzten fünf Jahre zurück und erklärt, wie die Corona-Pandemie auch den Arbeitsalltag in einem Erinnerungsort verändert. 

Fünf Jahre NS-Dokumentationszentrum - Direktorin Mirjam Zadoff im Interview

Frau, Zadoff, was hatten Sie zum fünfjährigen Bestehen geplant?

Wir hatten schöne Pläne, darunter eine Gedenkfeier und Rundgänge im Haus. Das mussten wir aber alles absagen in Anbetracht der aktuellen Situation.

Sie sind seit 2018 Direktorin. Was war ihr Highlight in dieser Zeit?

Die Eröffnung der aktuellen Wechselausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“. Wir haben dadurch ein neues Publikum erreicht – darunter sehr viele junge Menschen oder auch ein postmigrantisches Publikum. 

Wie hat sich das NS-Dokumentationszentrum in den letzten fünf Jahren weiterentwickelt?

Wir hatten 200 000 Besucher im ersten Jahr – darunter auch viele Münchner. Das war ein großer Schritt für München, auch international gesehen. Wir sind inzwischen ein Modellprojekt für viele andere Länder.

Seit 2018 leitet Mirjam Zadoff das NS-Dokumentationszentrum in München. 

Mirjam Zadoff im Interview - Digitale Chancen in der Krisenzeit 

Wegen der Corona-Pandemie mussten aktuell viele Gedenkveranstaltungen rund um die Befreiung vom NS-Regime abgesagt werden...

Es ist ein großes Problem, dass die Überlebenden, die normalerweise gekommen wären, zum Zeitpunkt der Feierlichkeiten nicht kommen konnten.

Wie gedenkt das NS-Dokumentationszentrum dann in dieser Zeit?

Am vergangenen Montag haben wir einen virtuellen Gedenkabend in Form eines Gesprächs über die Überlebenden veranstaltet. 

Zahlreiche Veranstaltungen zur Erinnerung wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Kommt historisches Gedenken in der aktuellen Krisenzeit zu kurz?

Klar kommt es zu kurz, aber es ist die einzige Möglichkeit, wie man aktuell damit umgehen kann. Es besteht allerdings ein großes Interesse bei vielen Menschen, digitale Formate zu nutzen. Und es ergibt sich auch eine Chance, andere oder mehr Menschen durch digitale Wege zu erreichen. Dennoch bleibt es natürlich auch eine Herausforderung. 

Mirjam Zadoff: „Es gibt einen Schub in Richtung Digitalisierung."

Apropos digitale Formate. Wie verändert Corona die Arbeit im NS-Dokumentationszentrum?

Es gibt einen Schub in Richtung Digitalisierung. Vieles was schon lange geplant war, versuchen wir jetzt umzusetzen. Rasch aber überlegt produzieren wir nachhaltige Formate, die jetzt gerade, aber auch danach, noch Sinn machen. Ein Aspekt ist zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Schulen. Wir versuchen digitale Formate zu entwickeln, die Schüler abrufen können, um sich auf einen Besuch bei uns vorzubereiten oder um einen Besuch zu ersetzen. Das eignet sich dann auch für ältere Leute oder Menschen, die gar nicht in München sind.

Und wie gestaltet sich das restliche Jahr?

Alle Ausstellungen, die geplant waren, werden weiterhin normal stattfinden. Die aktuelle Wechselausstellung ist sehr erfolgreich, diese wollen wir noch ein bisschen verlängern. Außerdem überlegen wir, wie wir Abendveranstaltungen in einem kleinen Ausmaß und in ganz unterschiedlichen Formaten weiter anbieten können.

Am 30. April ist es 75 Jahre her, dass München vom Nazi-Regime befreit wurde. So gedenkt die Stadt in Zeiten einer Pandemie. 

Kassandra Fischer

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