Zwei Ratten erobern das Radio und die Schule

Nockherberg-Star Stefan Murr: Wie sein neues Hörspiel in den Münchner Klassenzimmern ankommt

Stefan Murr (li.) und Heinz-Josef Braun haben bereits acht CDs mit Hörspielen für Kinder veröffentlicht.
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Stefan Murr (li.) und Heinz-Josef Braun haben bereits acht CDs mit Hörspielen für Kinder veröffentlicht.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Bereits sieben Hörspiel-CDs für Kinder und Erwachsene hat der Nockerberg-Star Stefan Murr raus gebracht. Jetzt folgte Nummer 8. Im Hallo-Interview verrät er, wie die Charaktere entstanden sind.

Rainer und Rene – so heißen die Nagetier-Alter-Egos des Maxvorstädters und Heinz-Josef Braun, mit denen sie Kinder und Erwachsene gleichermaßen zum Lachen bringen. Auch die neue CD „Radio Plapperzahn“ ist eine tierische Gaudi – die sogar in manchen Münchner Klassenzimmern zur Nachhilfe genutzt wird.

Herr Murr, Ihre neue CD versammelt eine illustre Runde an Tierpersönlichkeiten. Was hat denn Hannes Ringlstetter zu seinem Fast-Namensvetter Hannes Ringlschwanzl gesagt?

Wir haben ihm vor kurzem eine CD geschickt, noch hat er sich nicht geäußert. Er hat aber bestimmt genug Humor, um es gut zu finden. Es ist ja im Endeffekt eine Hommage. Der Josef Menzl mit seiner Blaskapelle, der als Josef Schweinzl vorkommt, der hat sich schon gemeldet und war ganz begeistert.

Ich musste noch an den Kater Murr denken. Der wäre zu naheliegend gewesen, oder?

Wir haben schon auch über Kater nachgedacht. Aber wäre das ein guter Studiogast für zwei Ratten?

Wie kam es eigentlich zu Ratten? Die sind ja nicht fürs Süßsein bekannt.

Dafür können sie mal einen blöden Witz machen und man nimmt es ihnen nicht so übel. Die Ratten sind in den Geschichten unsere Alter Egos. Sie reißen auch mal ihr Maul auf, können Grenzen überschreiten, essen gern, trinken gern, machen gern Party.

Die erste Hörspiel-CD mit Heinz-Josef Braun haben Sie vor zwölf Jahren aufgenommen. Wie kam es dazu?

Die Grundidee entstand, als mein Sohn zur Welt kam. Ich habe versucht, Musik zu finden, die ich ihm vorspielen kann. Vieles kam mir aber doof vor. Und auch bei meinem Sohn merkte ich, dass sie ihn nervt. Also wollte ich selber was machen. Aber mir fehlte ein Kompagnon, ein guter Musiker. Heinz-Josef Braun ist in der gleichen Schauspiel-Agentur und als ich ihn gefragt habe, war er gleich Feuer und Flamme.

Beim Singspiel am Nockherberg doubelte Stefan Murr zuletzt Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Vor kurzem haben Sie einen Auftritt in ein Klassenzimmer gestreamt. Wie kam das an?

Sehr gut! Wir saßen im Wohnzimmer und wurden aufs Whiteboard ins Klassenzimmer gestreamt. Wir haben die Kinder animiert, mitzusingen und mitzumachen. Sie waren begeistert, weil sie den Corona-Schulalltag so ein bisschen vergessen konnten.

Tolles Gewinnspiel: Hallo verlost signierte Hörspiel-CDs von „Radio Plapperzahn“

Gab’s schon Anfragen von anderen Schulen?

In der Tat – wobei wir zunächst als Stream weitermachen. Live und vor Ort können wir es momentan den anderen Produktionen als Schauspieler gegenüber nicht verantworten. Meine zweite Impfung ist erst Anfang August, da ist das Schuljahr schon rum. Wir haben also beschlossen, dass wir es erst live machen, wenn wir guten Gewissens so vielen Kindern begegnen können.

Kriegen die Kinder mit Ihren Auftritten ein Stück weit notwendige Dialekt-Nachhilfe?

Schon, aber wir sehen uns nicht als Dialekt-Bewahrer. Wir machen es auf Bairisch, weil es unsere Muttersprache ist, und weil wir da Lust drauf haben. Aber: Für Kinder, die nicht mit Bairisch aufwachsen, ist es doch schön, wenn man es hört und sich darauf einlassen kann.

Lassen Sie uns zum Nockherberg blicken, wo Sie schon fünf mal die Rollen wechseln mussten. Zuletzt doubelten Sie Andreas Scheuer. Wie nervös schauen Sie Richtung Wahl?

Als ich mit dem Guttenberg angefangen hab, dachte ich: Das wird was längerfristiges und fand das gut. Aber ich merkte: Mir geht’s nicht gut, wenn ich mich vom Wohl und dem Schicksal der Politiker abhängig mache. Das kann nämlich sehr schnelllebig sein, was man dann ja auch gesehen hat.

Wäre Ihnen eine längerfristige Rolle lieber?

Ich hab bisher so Karrieristen gespielt, die sitzen immer auf einem Schleudersitz. Und jetzt, wo ich älter werde, spiele ich vielleicht auch jemand älteren – und die sitzen ein bisserl fester im Sattel. Einerseits hätte das den Vorteil, dass man auf der Figur aufbauen kann. Andererseits finde ich es auch spannend, immer wieder zu wechseln.

Zum Abschluss zum Fußball: In einer Schauspiel-Vita bedauern Sie, dass Sie Ihr Panini-Album von 1990 weggeworfen haben. Sammeln Sie auch heuer?

Ja, mein Sohn und ich sammeln. Aber wegen Corona kann man nicht mehr so gut tauschen. Und um das mit selbst gekauften Stickern vollzukriegen, müsste ich arbeiten, nur um das Album zu finanzieren.

Und das 90er-Album war voll?

Ja, bis aufs letzte Stickerl. Echt ärgerlich, dass es weg ist (lacht). Wir haben aber noch Alben von den Europa- und Weltmeisterschaften aus den letzten zehn, 15 Jahren. Die kramen wir immer wieder aus, schauen sie gemeinsam an – das macht uns großen Spaß!

ZUR PERSON

Bekannt ist der Tölzer Schauspieler ­Stefan Murr vor allem für seine Politiker-Parodien am Nockherberg. Als Double von Karl-Theodor zu Guttenberg stieg er 2009 ein, später spielte er Hubert Aiwanger, den SPDler Florian Pronold, den CSU-Politiker Alexander Dobrindt sowie zuletzt Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Auch als Feuerwehrmann ist Murr bekannt: für seine Rolle als Stefan Weingartner in „Marie fängt Feuer“. Darüber hinaus war der 45-Jährige auch auf verschiedenen Münchner Theaterbühnen zu sehen – etwa bei den Kammerspielen oder dem Volkstheater.

Murr lebt mit seiner Familie in der Maxvorstadt.

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