Die Unternehmerin im Interview

Nina Hugendubel verrät ihre Pläne für die Frankfurter Buchmesse und zur Nachfeier ihres 50. Geburtstag 

Die Unternehmerin Nina Hugendubel vor einer Bücherwand.
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Die Unternehmerin Nina Hugendubel.

Wie Hugendubel immer stärker auf digitales Angebot setzt, warum sonntags in der Filiale am Marienplatz Licht brennen könnte und wann aus Frau Hugendubel meistens einfach nur Nina wurde, verrät die 50-jährige Unternehmerin aus Bogenhausen von A bis Z.

„Die Welt der Bücher“ wurde wohl von keinem Unternehmen mehr geprägt als von Hugendubel. 1893 in München gegründet, eröffnete Hugendubel 1979 Deutschlands erste mehrstöckige Buchhandlung am Marienplatz.

Heute sind es mehr als 150 Filialen und 1700 Mitarbeiter, denen Nina Hugendubel und ihr Bruder Maximilian vorstehen. Eine besonders wichtige Veranstaltung im jährlichen Terminkalender der Buchhändler: die Frankfurter Buchmesse, die dieses Jahr noch bis Sonntag, 18. Oktober, unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie stattfinden muss.

Das Programm wurde deshalb vermehrt vom realen Raum in den digitalen verlegt.

Die Unternehmerin Nina Hugendubel (50) von A bis Z

Aktuell lese ich „Kalmann“ von Joachim B. Schmidt. Darüber habe ich so viel Gutes gehört. Ich frage immer unsere Mitarbeiter, welches Buch sie mir empfehlen würden.

Bücherregal: Ich habe zu viele Bücher zuhause, als dass sie alle in mein Bücherregal passen würden. Das ist acht Meter hoch und fünf Meter breit. 

Corona ist eine große Herausforderung. Aber es hat auch eine unheimliche Energie erzeugt. Viele neue Dinge sind entstanden, auch Dinge, die vorher technisch unmöglich waren. Irgendwie ging es doch. Wir haben zum Beispiel ein digitales Buchfestival entwickelt, „Bookstock“, und Lesungen mit Autoren auf Instagram gestreamt. 

Digital: Ich freue mich schon darauf, die Autoren auf der Frankfurter Buchmesse live zu erleben. Der Austausch mit den Verlagen wird vermutlich etwas zu kurz kommen. Allerdings habe ich dank der digitalen Angebote die Möglichkeit, an mehr Veranstaltungen teilzunehmen.

E-Books: Wenn ich zuhause bin und die Wahl habe, lese ich lieber gedruckte Bücher. Aber wenn ich unterwegs oder im Urlaub bin, dann bin ich heilfroh, wenn ich den Tolino dabeihabe.

Frau Hugendubel: Man darf das nicht überbewerten. Längst nicht jeder kennt meinen Nachnamen und ich war lange im Ausland, wo die Menschen ihn kaum aussprechen konnten. Sie haben immer gleich gefragt: „Can you spell it please?“ Meistens war ich dann einfach Nina.

Gelesen haben muss man nichts Bestimmtes. Ich finde es wichtig, dass man überhaupt liest und Spaß am Lesen hat. Ob Comics oder Klassiker, ist egal.

Heimat: Meine Heimat und auch die Heimat des Unternehmens ist München. 

Instagram: Als Aprilscherz haben wir auf Instagram „Bookletics“ angeboten – also Sport mit Büchern. Das kam so gut an, dass wir weitere Folgen gemacht haben.

Job: Mein Bruder betreut vor allem die „alte Welt“, also die Filialen, und ich die „neue Welt“, also insbesondere das Digital- und Onlinegeschäft.

Konkurrenz: Amazon ist nur eine Maschine mit Algorithmen. Unsere Mitarbeiter sind mehr. Das ganze Unternehmen lebt für Bücher, die Mitarbeiter brennen dafür. Amazon ist es egal, ob es ein Buch ist oder eine Socke, die sie da verkaufen.

Lieblingsbuch: In meinem Bücherregal sammeln sich meine vielen wichtigsten Bücher. Da sind die Bücher, die mich beeindruckt haben, die eine Spur hinterlassen haben. 

Marienplatz: Das Herzstück von Hugendubel ist die Filiale am Marienplatz. Sie wurde eröffnet, als ich neun Jahre alt war. Mit all seinen Höhen und Tiefen und dem Hin und Her habe ich zum Marienplatz bis heute eine besondere Verbindung.

Nach Ladenschluss: Die Filiale am Marienplatz ist die einzige, für die ich einen Schlüssel habe. Manchmal gehe ich sonntags hin. Das hat etwas Magisches. Für meine Kinder war es – wie für mich als Kind – ein großer Spielplatz. Unabhängig davon, ob über dem Geschäft ein Name steht, der vielleicht etwas mit einem zu tun haben könnte. 

Oberste Prinzipien: Loyalität, Ehrlichkeit und den Mut, auch mal Fehler zu machen.

Pensum: Mein Arbeitspensum schätze ich lieber nicht. Als Familienunternehmer ist es schwer, Beruf und Freizeit zu trennen. Früher habe ich damit gehadert, jetzt habe ich mich daran gewöhnt und finde es ganz normal.

Qualität vor Quantität: Wir wollen unserem Kunden ermöglichen, sich eine umfassende Meinung zu bilden. Das heißt nicht, dass immer alle Bücher zu einem Thema in den Filialen stehen, aber jeweils mindestens ein Buch da ist.

Risiko: Wir sind eine Unternehmerfamilie und investieren immer in die Zukunft unseres Unternehmens. Dazu gehört natürlich eine gewisse Risikobereitschaft, die uns in die Wiege gelegt wurde.

Saxophon: Als ich in New York gelebt habe, habe ich mein Saxophon in Kneipen mitgenommen auf der Suche nach einem anderen Saxophonisten, der mir was beibringt. Vor allem Cello habe ich aber lange gespielt, auch im Orchester. 

Trauerspiel: Schlechte Literatur gibt es in dem Sinne nicht. Jeder hat da ein anderes Empfinden. 

Unternehmen: Das Unternehmen gehört zu unserer Familie. Wir wollen es weiterentwickeln und fit für die Zukunft machen. Auch wir wollen das Unternehmen irgendwann mit Stolz an die nächsten Generationen weitergeben.

Vorbilder habe ich keine. Das würde für mich bedeuten, eine Kopie von jemandem sein zu wollen.

Wandern und Skifahren helfen mir beim Abschalten. Ich gehe gerne in die Schlierseer Berge, weil ich da als Kind viel war und nach wie vor bin. Ausgleich schaffe ich aber auch durch Lesen. Da komme ich mir selbst nicht aus.

X-Mal habe ich meinen beiden Kindern als sie klein waren das Buch „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ vorgelesen. Sie konnten mir den Text auswendig vorsagen und im richtigen Moment umblättern, ohne lesen zu können. Und wehe ich habe versehentlich irgendein Wort ausgelassen...

Yoga: Meine Mutter ist auch Yogalehrerin und Atemtherapeutin. Sie praktiziert immer noch, obwohl sie schon über das offizielle Rentenalter hinaus ist. Ich mache Yoga gerne, aber nicht regelmäßig. Und weil man danach so entspannt ist, noch ein gutes Buch und ein schönes Glas Rotwein, das ist herrlich.

Zu meinem 50. Geburtstag habe ich nur mit der Familie gefeiert. Die große Feier hole ich nach, überraschend, ganz ohne Geburtstagsanlass.

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