Petr Ruman im Hallo-Interview

Trainer von Türkgücü München: „Olympiastadion wird unser Heimstadion“

Petr Ruman ist der neue Trainer von Türkgücü München.
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Petr Ruman ist der neue Trainer von Türkgücü München.
  • Andreas Schwarzbauer
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Petr Ruman ist der neue Trainer des Drittligisten Türkgücü München. Mit dem DFB-Pokal-Spiel gegen Union Berlin am nächsten Samstag steht für ihn bereits der erste Höhepunkt an. Welche Ziele er diese Saison hat, was er sich von Jürgen Klopp abgeschaut hat und welche positiven Folgen die Pandemie haben könnte, verrät er im Hallo Interview.

Haben Sie sich schon in München eingelebt?

Ja, die Leute hier im Verein haben es mir sehr leicht gemacht. Es ist aber auch nicht so schwer sich in München einzuleben. Es ist eine schöne Stadt. Ich wohne erst einmal im Hotel. Meine Familie bleibt in Fürth, weil mein Sohn ab September in den Kindergarten gehen wird und wir ihn dort ungern aus seiner gewohnten Umgebung herausreißen wollen.

In Fürth haben Sie in einem modernen Nachwuchsleistungszentrum trainiert, in München müssen Sie sich eine Bezirkssportanlage mit Amateurvereinen teilen. War das ein kleiner Kulturschock für Sie?

Nein, ich wusste, was mich erwartet. Das ist im ersten Gespräch gleich offen kommuniziert worden. Es ist kein Problem. Für mich ist wichtig, wie es „drinnen“ ausschaut, wie die Menschen im Verein und die Mannschaft sind. Wenn das passt, ist alles in Ordnung. Und das passt hier.

Was hat Sie an Türkgücü gereizt?

Die Ambitionen werden hier sehr klar ausgesprochen, aber das Projekt ist auch glaubwürdig. Hier sind Menschen, die 24 Stunden am Tag für den Verein Vollgas geben. Das entspricht auch meinem Naturell.

Welche Ziele haben Sie diese Saison?

Wir wollen attraktiven und emotionalen Fußball spielen. Natürlich wollen wir auch jedes Spiel gewinnen, aber wir haben 19 Konkurrenten, die etwas dagegen haben. Wichtig ist, dass wir uns weiterentwickeln. Wir müssen uns Woche für Woche damit auseinandersetzen, was wir auf den Platz gebracht haben und wie wir uns verbessern können. Eine konkrete Platzierung habe ich nicht im Kopf. Aber wenn wir die Basics auf den Platz bringen, wird es automatisch so sein, dass wir mehr Spiele gewinnen als verlieren.

Ein wichtiger Spieler wird dabei Sercan Sararer sein. Er wollte eigentlich wechseln, der Verein wollte ihn nicht gehen lassen, man traf sich sogar vor Gericht. Nun hat er überraschend seinen Vertrag verlängert. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Ich habe mit allen Spielern geredet, die einen Vertrag haben - auch mit Sercan. Unser Gespräch war geprägt von Vertrauen und Ehrlichkeit. Ich habe ihm gesagt, wenn er der Meinung ist, dass seine Zeit hier vorbei ist, dann ist das so. Jeder Spieler muss von dem überzeugt sein, was er tut. Umso mehr freue ich mich, dass er sich entschieden hat, hierzubleiben.

Türkgücü ist ihre erste Profistation als Trainer. Was für ein Coach sind Sie? Haben Sie irgendwelche Vorbilder?

Konkrete Vorbilder habe ich nicht. Jeder Trainer muss sich selbst finden. Aber ich habe mir bei meinen ehemaligen Trainern die Sachen rausgepickt, die mir als Spieler gefallen haben. Bei meinem ersten Profitrainer hat mich beispielsweise fasziniert, wie sehr er im Detail wusste, wie der Körper unter Belastung reagiert. Benno Möhlmann in Fürth war mit seiner menschlichen Art ein super Typ. Bei Klopp in Mainz war unglaublich, wie respektvoll er mit den Spielern umgegangen ist – egal ob wir ein Spiel gewonnen oder verloren hatten. Das ist wichtig für das Trainerdasein, denn keiner geht in ein Spiel, um zu verlieren. Jeder Spieler versucht jeden Tag sein Bestes.

Investor Hasan Kivran ist eine prägende Figur bei Türkgücü. Ihre Vorgänger haben im Nachhinein geklagt, dass er zu viel Einfluss auf sportliche Entscheidungen nimmt. Haben Sie Sorge, dass Ihnen das auch passiert?

Diese Sorge habe ich nicht, sonst wäre ich nicht hier. Mein Eindruck von Herrn Kivran ist bisher sehr positiv. Was ich vorher gehört habe, hat sich nullkommanull bestätigt. Unsere Gespräche waren sehr locker und entspannt. Mir ist wichtig, dass wir uns austauschen und er informiert ist. Es ist auch normal, dass man über Fußball diskutiert.

Türkgücü wird wie vergangene Saison seine Heimspiele im Grünwalder und im Olympiastadion austragen. Ist es ein Nachteil, keine klare Heimstätte zu haben?

Es muss sich erst einmal alles finden. Aber wenn im Olympiastadion der Rasen eingesetzt ist, wird es unser Heimstadion sein. Ich freue mich schon riesig darauf. Es wird voraussichtlich am 10. Spieltag so weit sein. Wir sind der Stadt München sehr dankbar dafür.

Die Heimspiele werden dann wieder vor Zuschauern stattfinden. Wie wichtig sind die Fans in den Stadien?

Sie gehören einfach zum Fußball und auch zu jeder anderen Sportart. Ich bin guter Dinge, dass wir langsam zur Normalität zurückkehren. Vielleicht ist es etwas Positives aus der Pandemie, dass die Menschen ihre Freiheiten mehr schätzen und es noch mehr genießen, zum Fußball, Eishockey oder ins Theater zu gehen.

Ein erstes Highlight ist das DFB-Pokal-Spiel gegen Union. Wie stehen die Chancen von Türkgücü?

Ich bereite mich jetzt nur auf das Spiel gegen Halle (Drittligaspiel am Sonntag) vor und erst nach Abpfiff um 16 oder 17 Uhr gehen die Gedanken zum Pokalspiel.

Vergangenes Jahr gab es Streit um die Teilnahme am DFB-Pokal. Der Bayerische Fußballverband hatte entschieden, dass nach der abgebrochenen Saison Schweinfurt und nicht Türkgücü mitspielen soll. Türkgücü klagte dagegen. Spielt das im Vorfeld der Partie gegen Union irgendeine Rolle?

Ich habe das im vergangenen Jahr nicht verfolgt. Es war jetzt auch kein Thema mehr. Für uns war nur wichtig, unsere Hausaufgaben zu machen. Es war schwierig genug, uns mitten in der Vorbereitung über den Toto-Pokal das Ticket für den DFB-Pokal zu sichern. Die Spieler hatten vier bis fünf Wochen keinen Ball am Fuß und mussten dann nach nur wenigen Tagen Training gegen drei Vereine antreten, die hochmotiviert waren. Das war eine tolle Leistung. Wichtig war auch, dass das alle Spieler gut und ohne Verletzungen überstanden haben.

Zur Person

Petr Ruman wurde 1976 im tschechischen Prerov geboren, wurde mit elf Jahren in eine Fußballschule aufgenommen und schaffte 1993 den Sprung in den Profikader von Banik Ostrau. 1999 wechselte er nach Deutschland zu Greuther Fürth. Dort blieb der Stürmer sechs Jahre, schoss 38 Tore in 169 Zweitligaspielen, stieg zum Mannschaftskapitän auf und wurde zum Publikumsliebling. 2005 wechselte er in die 1. Liga nach Mainz. Dort bestritt er unter anderem unter Jürgen Klopp 40 Bundesliga- und sechs UEFA-Cup-Spiele.

Nach seiner Spielerkarriere trainierte er verschiedene Jugendmannschaften in Mainz, Frankfurt, Offenbach und Darmstadt. Zuletzt war er Coach der zweiten Mannschaft und Co-Trainer des Profiteams in Fürth. Bei Türkgücü folgt er auf Serdar Dayat. Ruman ist der vierte Trainer in den vergangenen zwei Jahren. Türkgücü stieg innerhalb von drei Jahren von der sechsten in die dritte Liga auf und will bis 2023 in die Zweite Bundesliga

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