Vanessa Eckart im Gespräch mit Hallo München

Abschied vom Theater? „Für mich unvorstellbar“ - Neue „Rosenheim Cops“-Kommissarin Vanessa Eckart im Interview

 Loslassen: Für Vanessa Eckart ein Schlüssel zum Glück.
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Loslassen: Für Vanessa Eckart ein Schlüssel zum Glück.

Was Vanessa Eckart seit Corona fehlt, wie sie sich bei den Rosenheim-Cops eingefunden hat und was ihr Schlüssel zum Glück ist, erzählt sie im Hallo-Interview...

Sehnsucht nach der Bühne: Die Sendlingerin ist seit vier Jahren beim Ensemble des Metropoltheaters. Und vermisst es sehr. Seit Anfang des Jahres ist sie Kommissarin bei den „Rosenheim Cops“ – warum das manchen Frauen nicht gefällt und was uns die Pandemie beigebracht hat, verrät die 33-Jährige im Interview.

Frau Eckart, der Interviewtermin wurde dreimal verschoben – ein Zeichen, dass Sie offenbar gut zu tun haben, oder?

In diesem chaotischen Jahr war ich in einer sehr privilegierten Situation, habe die Rosenheim Cops gedreht. Die mussten wir zwar etwas verschieben und die Bedingungen am Set waren anders – das wäre aber Meckern auf hohem Niveau. Beim Theater habe ich die Veränderungen mehr zu spüren bekommen. Wir hätten Gastspiele gehabt, haben es bis zum letzten Moment versucht. Da kommen auch persönliche Gedanken ins Spiel, ob das so noch Sinn macht. Seit Corona habe ich nicht mehr Theater gespielt, was mir sehr fehlt.

Was muss sich in der Branche ändern?

Das Problem ist, dass es unter Künstlern keinen Zusammenschluss gibt, es gibt zwar einen Interessenverband, aber keine...

...Lobby.

Ja, die fehlt. Auch wegen des schon stimmenden Künstlerklischee „ich mach mein Ding“. Ich würde auch jetzt nicht angestellt sein wollen. Aber es braucht eine andere Gesetzeslage, damit Leute nicht mehr hinten herunterfallen. Man muss sich aber auch privat absichern. Ja, ich bin Künstler, wilder Freigeist, aber ich muss mich um mich kümmern.

Sie haben die Rosenheim Cops angesprochen. Wie sind Sie in diesen Kosmos reingekommen?

Total gut, denn dieses Team ist so wohlwollend freundlich. Schon am zweiten Drehtag hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Auch wenn es Millionen sehen, man ist in einem Mikrokosmos, man dreht das nicht mit dem Gedanken, dass das Millionen sehen.

Gab es Feedback für Sie als „die Neue“?

Es ist immer schwierig als der oder die Neue. Besonders bei einer alt eingesessenen Serie. Es gibt zwei Stimmen: ‚Was hat die an?‘ oder hellauf begeistert. Manche tun sich schwer, sich auf Neues einzulassen. Die Kollegen haben mir gesagt, jeder hat es erstmal schwer. Das darf man nicht persönlich nehmen. Es ist ja auch eine Frage des Geschmacks, also legitim, wenn es nicht in einem beleidigenden Rahmen ist. Aber was mir aufgefallen ist: Wenn mich jemand nicht mag, dann Frauen.

Das habe ich auch gesehen. „Schon wieder eine Frau“ hieß es bei Facebook.

Ja, die wollen dann lieber, dass ein stattlicher Mann ermittelt. Es ist schade, wenn das aus dem eigenen Lager kommt. Aber da schüttele ich den Kopf und dann ist gut.

Sie sind zur Serie gestoßen, nachdem Joseph Hannesschläger verstorben ist. Kein leichter Zeitpunkt.

Ja, das Timing war ungünstig. Aber es ist eine Fehlinformation, dass ich seine Nachfolgerin bin. Ich wurde schon vorher besetzt, durfte mit ihm auch schon vorher drehen, als ich einen Gastauftritt hatte. Als seine Nachfolgerin wäre ich eine Fehlbesetzung, da man ihn nicht nachbesetzen kann. Er war das Kernstück, hat die Serie geprägt. Es war nie der Anspruch gewesen, ihm nachzufolgen.

Die Theater haben kein leichtes Jahr hinter sich. Überlegen Sie deswegen, vermehrt zu drehen oder als Synchronsprecherin zu arbeiten?

Ich möchte dem Theater treu bleiben, denn ich habe eine ganz besondere Beziehung zur Bühne. Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht mehr Theater zu spielen. Als Schauspieler lernt man, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Denn Planungssicherheit gibt es nicht. Aber der Mensch steht auf Sicherheit. Da gilt es loszulassen, dann geht alles leichter von der Hand. Alles was dazu kommt, ist ein Geschenk. Mit dieser Einstellung bin ich beruflich gut gefahren. Das soll nicht heißen, dass man zuhause sitzen und Däumchen drehen soll.

Man muss präsent sein.

Genau. Es liegt so wenig in unserer Hand, das hat diese Zeit uns beigebracht. Ständig die Frage: Was wird nächste Woche sein? Je mehr man loslässt, desto mehr kommt zurück.

Wie fällt Ihr Resümee für 2020 aus?

Es sind privat wie beruflich auch schöne Sachen passiert. In meinem Kosmos ist 2020 keine Katastrophe. Schwer war der erste Lockdown ohne die Familie, da ich ein geselliger Mensch bin.

„Ständig die Frage: Was wird nächste Woche sein? Je mehr man loslässt, desto mehr kommt zurück,“ Vanessa Eckart.

Zur Person

„Das Theater ist ein Medium, das die Gesellschaft formt“, zitiert Vanessa Eckart aus dem Schreiben von Kunstminister Bernd Sibler zu ihrer Auszeichnung mit dem Bayerischen Kunstförderpreis. „Dieser Preis kam ganz überraschend und bedeutet in einem Jahr wie diesem schon noch mehr“, erklärt die Sendlingerin, die seit 2016 am Metropoltheater engagiert und in zahlreichen Produktionen zu sehen ist.

In München am 24. August 1987 geboren, stand sie für die „SOKO München“ erstmals vor der Kamera. Kurzfilme sowie ein erster Gastauftritt bei den „Rosenheim Cops“ folgten. Seit diesem Jahr gehört sie als Kommissarin Eva Winter zur festen Besetzung. Parallel arbeitet sie als Synchronsprecherin.

Wenn sie nicht gerade auf der Bühne, vor der Kamera oder dem Mikrofron steht, entspannt Eckart in der Natur, beim Stand-up Paddling oder Reiten. Seit vielen Jahren spielt sie leidenschaftlich „Pen und Paper“-Spiele, bei denen die Mitwirkenden fiktive Rollen einnehmen und gemeinsam durch Erzählen ein Abenteuer erleben. „Das war über die Jahre auch eine schöne Schauspielschule für mich.“

Sabina Kläsener

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