Monika Gruber im Gespräch mit Hallo München

Monika Gruber: „Ich tanze viel zu wenig nackert durchs Haus“ 

Monika Gruber
+
MonikaGruber.jpg

Monika Gruber gab das allererste Doppelseiten-Interview unserer Wochenendausgabe. Damals – vor zehn Jahren – baute sie gerade ein Haus und hatte andere große Pläne. Was aus ihnen geworden ist und wie Corona der erfolgreichen Kabarettistin ihr Jahr Auszeit und ihr Comeback verpfuscht hat, lesen Sie hier.

Frau Gruber, in unserem allerersten Hallo-Interview 2010 haben Sie mir erzählt, Sie bauen gerade ein Haus – um laut Musik zu hören und nackert durchs Wohnzimmer zu tanzen. Wann sind Sie denn eingezogen und wie oft sind Sie schon nackt durchs Wohnzimmer getanzt?
Ich bin am 23.12.2010 eingezogen, was wieder eine meiner Riesenideen war: Denn ich war nach dem ganzen Ein- und Um- und Aufräumen so fertig, dass ich Heilig Abend – einer meiner Lieblingstage im Jahr – fast verschlafen hätte. Und nackert durchs Wohnzimmer getanzt bin ich in jedem Fall viel zu wenig!
Und Sie sagten, Sie möchten keinen Tag jünger sein. Geht Ihnen das immer noch so?
Gute Frage! Ich würde jetzt gern ein paar Jahre auf dem Ende-40-Level stehenbleiben, weil ich mich ehrlich gesagt jetzt fitter fühle als mit Mitte 30.
Wenn Sie auf sich selbst vor zehn Jahren zurückschauen, was für einen Tipp würden Sie sich rückwirkend geben?
Ich hätte gern die 5-Sekunden-Regel von Rolf Dobelli gekannt, mit der man sich seltener über sich selber ärgern muss. Die geht so: „Wenn ein Anliegen an einen herangetragen wird, mit dem man eh etwas hadert, dann denkt man fünf Sekunden darüber nach und sagt dann ab. Das ist besser als zwei Monate später zu denken: „Warum zum Geier hab ich Depp diesen Schmarrn zugesagt?!“ Und ich würde mutiger sein und meinem Bauchgefühl mehr vertrauen!
Ihr Bauchgefühl hat Ihnen ja empfohlen, 2020 ein Sabbatical von der Bühne zu nehmen. Das hätten Sie sich aber anders vorgestellt, oder?
Na, ja, um ehrlich zu sein, hat mir „der Scheiß-Corona“ – das sagt meine Mama, weil alles, womit man a Gschiss hat, ist ihrer Meinung nach männlich – einen schönen Strich durch die Rechnung gemacht: Ich würde jetzt in diesem Moment in meiner Sprachschule in Florenz hocken und Italienisch büffeln und dann auf der Piazza einen Teller Nudeln essen. Stattdessen überlege ich, welcher Bauhof noch geöffnet hat, damit ich die Ergebnisse meiner geballten Entrümpelungsaktion aus Keller und Garage ordnungsgemäß entsorgen kann. Das Depperte ist auch, in dem Jahr hätte ich Zeit für Familie und Freunde gehabt und der Herr Corona hat mich stattdessen dazu gezwungen, mich mit meinem äußerst undurchsichtigen Ablagesystem meines Büros auseinanderzusetzen und mich aller Fehlkäufe in meinen Kleiderschränken zu entledigen.
Können Sie völlig abschalten oder haben Sie innerlich schon ganz viel Material für Ihr potentiell nächstes Programm „Wahnsinn reloaded“ gesammelt?
Da ich ja von meiner Grundkonstitution her eher eine „Transfleißige gefangen im Körper einer faulen Sau“ bin – Zitat meines österreichischen Kollegen, Klaus Eckel –, hab ich weniger mit dem völligen Abschalten sondern eher mit Disziplin ein Problem. Außerdem habe ich gerade zusammen mit einem Freund ein Buch mit dem klingenden Titel „Und erlöse uns von den Blöden“ geschrieben, und daher muss der „Wahnsinn reloaded“ noch warten.
Wie kam es zu dem Buch und was ist die Kernaussage?
Das Buch musste meinerseits geschrieben werden, denn sonst hätte ich irgendwann ein Magengeschwür bekommen oder nach einer der einschlägigen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen meinen Fernseher aus dem Fenster geschmissen. Und der kann nun wirklich gar nix dafür, dass derzeit offensichtlich nur diejenigen gehört werden, die am lautesten schreien. Die Kernaussage ist diejenige, die Meister Eder schon vor circa drei Jahrzehnten dem Pumuckl dargelegt hat: „Es muass aa Bleede gebn, aber es wern oiwei mehra!“
Machen Sie sich schon Gedanken um Ihr „Comeback“?
Es gibt kein „Comeback“, sondern ich mache einfach nach einer längeren Pause wieder weiter mit dem, was mir am meisten Spaß macht – neben Kochen. Ich kann leider auch für das kommende Jahr – außer in Österreich – nichts planen, weil die Hysterie längst noch nicht am Abflauen ist und die Kulturszene laut unserer Bundesregierung nicht systemrelevant ist.
Zum Schluss: Was für einen Glückwunsch würden Sie Hallo aussprechen?
Bleibt mutig, vertraut Eurem Bauchgefühl… ansonsten bleibt so wie Ihr seid, was anderes bleibt Euch eh nicht übrig!

Zur Person Monika Gruber

Monika Gruber wurde am 29. Juni 1971 in Wartenberg bei Erding geboren. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin und besuchte dann die Schauspielschule Ruth-von-Zerboni.

Der Durchbruch gelang ihr mit ihrem zweiten Bühnen-Solo „Hauptsach’ g’sund“, mit dem „die Gruaberin“ 2006 bis 2008 tourte. Es folgten eine eigene BR-Serie, Kinorollen („Eine ganz heiße Nummer“) und weitere Solo-Programme.

2014 schrieb sie ihr erstes Buch mit dem Titel „Man muss das Kind im Dorf lassen“, das 40 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Die beiden Abschiedsvorstellungen ihres sechsten Solo-Programms „Wahnsinn“ sahen 20 000 Fans in der Olympiahalle.

Hallo München verlost fünf Exemplare von Monika Grubers Buch „Und erlöse uns von den Blöden – vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten“.

Auch interessant:

Meistgelesen

Marisa Burger: "Wer sagt, er tratscht nicht, der schwindelt"
Marisa Burger: "Wer sagt, er tratscht nicht, der schwindelt"
„Wir sind sehr zusammengewachsen.  Wenn wir uns treffen, sagen unsere Frauen:  Jetzt fährst du zu deinem Ehemann.“
„Wir sind sehr zusammengewachsen.  Wenn wir uns treffen, sagen unsere Frauen:  Jetzt fährst du zu deinem Ehemann.“
Münchens Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht - seine Grundsätze für die nächsten vier Jahre
Münchens Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht - seine Grundsätze für die nächsten vier Jahre

Kommentare