Putzen statt Heilige Nacht

Monika Baumgartner über Heimat, den Lockdown und Weihnachten

Monika Baumgartner
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Monika Baumgartner

Sie ist so herzerfrischend geradeheraus und echt. Die Münchner (Volks-)Schauspielerin Monika Baumgartner, die seit 2008 die Mutter Lisbeth Gruber in „Der Bergdoktor“ spielt, hat soeben ihre spannende Autobiographie „Alles eine Frage der Einstellung – Mein Leben zwischen Berg und Tal“ (Knaur Verlag) geschrieben. Wir haben mit ihr gesprochen.

Frau Baumgartner, wie kam es denn zur Entstehung des Buches?
Die Idee stammt nicht von mir. Ich war bei einem Leseabend und da kamen zwei Damen vom Verlag auf mich zu. Dann habe ich meine Autorin Shirley Michaela Seul kennengelernt, wir trafen uns dreimal die Woche und dann ging alles ganz schnell. Ich bin ja immer schon auf verschiedenen Gleisen gefahren und habe gesammelt.
Lisbeth Gruber, die Fernsehfigur, und Monika Baumgartner, die Schauspielerin, tauschen sich immer wieder über ihre Befindlichkeiten aus...
Wir beide fanden die Idee toll: Ich bin eine Figur und trotzdem zwei!
Sie werden oft mit Rollennamen angesprochen. „Frau Gruber“, ehrt oder nervt das?
Die Leute machen das ja mit einem Augenzwinkern. Ich denke, Sie wollen mir damit zeigen, dass sie mich mögen.
Was ist das für ein Gefühl übers Fernsehen Gast in fremden Wohnzimmern zu sein?
Das ist mein Job seit 50 Jahren: Entweder das Publikum kommt zu mir ins Theater oder ich komm zu ihm nachhause. Und da zählen die Einschaltquoten. 2019 haben wir den Publikumspreis der Goldenen Kamera für den „Bergdoktor“ bekommen, das ist doch eine schöne Bestätigung, dass die Leute einen mögen.
Ist denn die Bergdoktorfamilie auch mit Bestand der eigenen?
Wir sind ja heuer im 14. Jahr, schätzen uns alle sehr, treffen uns, wenn‘s geht und telefonieren miteinander. Wir drehen auch trotz Corona, werden zweimal die Woche getestet. Wir sind alle froh, dass wir noch Arbeit haben.
Was bedeutet Heimat für Sie?
Sie ist das wichtigste. Das merkst du erst, wenn du weg bist. Als ich das erste Mal München verlassen habe, um am Mannheimer Theater zu arbeiten, wollte ich nach fünf Jahren nur noch heim, heim, heim. Jetzt, wo die Welt so in Unwucht geworfen ist, ist es wichtig, eine Heimat zu haben. Die Millionen von Menschen auf der Flucht tun mir aufrichtig leid. Heimat hat eben auch mit den Menschen zu tun und nicht nur allein mit der Umgebung.
Apropos Heimat: Sprechen Sie lieber Dialekt als Hochdeutsch? Sie schreiben ja, mit Hochdeutsch fühlen Sie sich wie auf dem Glatteis.
Der Vorteil ist, dass man sich im Dialekt nicht „verstellen“ kann. Aber ich spiele genauso gerne hochdeutsche Rollen.
Wer waren oder sind Ihre Lieblingsregisseure?
Im Theater ist es eindeutig Franz-Xaver Kroetz, ein besonderer Mensch, der besondere Stücke inszeniert hat, wie „Bauern sterben“ an den Kammerspielen. Durch Rainer Wolffhardt hatte ich mit Lena Christs „Rumplhanni“ meinen Durchbruch beim Fernsehen. Dann natürlich F.X. Bogner, der kennt die bairische Sprache in- und auswendig, und Helmut Dietl. Der war auch ganz genau bei der Arbeit.
Ihre Mama ist 92, lebt im Betreuten Wohnen in Karlsfeld, jetzt ist wieder Lockdown, wie gehen Sie damit um?
In meinem Alter gehöre ich ja auch zur Risikogruppe. Die gemeinsamen Begegnungen sind weg. Es ist furchtbar, dass die Urenkel nicht kommen können. Sie hat ja einen Pflegedienst, aber die Putzdame durfte nicht kommen. Das hab dann ich übernommen.
Sie engagieren sich für behinderte Kinder
Ich will Hilfe schaffen. Angefangen hat es mit einem Jungen in Ecuador, er ist mittlerweile gestorben. Jetzt betreue ich ein Mädchen aus Togo, sie schreibt mir alle drei Monate, wie es ihr geht. Außerdem engagiere ich mich für den Tierschutz in Mallorca. Und bei den Dreharbeiten zum „Bergdoktor“ habe ich drei Kälber gerettet, die geschlachtet werden sollten. Ich habe sie einem Bauern abgekauft. Jetzt leben sie friedlich am Chiemsee auf einem Gnadenhof.
Sie sind ein eingefleischter 1860er-Fan.
Durch die Sechziger bin ich beim Papst gewesen. Sie sind jetzt wieder in der dritten Liga oben. Ich hoffe, dass es aufwärts geht und ich bald wieder Spiele live besuchen kann.
Wie werden Sie heuer Weihnachten verbringen?
Wir drehen den „Bergdoktor“ bis 14. Dezember. Und dann hätte ich zusammen mit den Wellküren mehrere Termine gehabt mit Thomas „Heiliger Nacht“. Wenn alles gut geht, bleiben uns noch vier Termine. Aber ich sehe mittlerweile schwarz...

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