Michael Mittermeier im Gespräch mit Hallo München

Michael Mittermeier: „Rotes Sackgesicht – Guter Humor, Danke!“

Michael Mittermeier
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„Ich wollte mich zeigen, wie ich bin. Solange der Humor jung bleibt...“, erklärt Michael Mittermeier seine helle, ungefärbte Haarpracht.

Was macht ein Comedian ohne die Bühne? Die Antwort darauf liefert der Pullacher in seinem neuen Buch „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“. Wie er nun auf das Bühnen-Aus im November blickt und warum er sich auch über vermeintlich negative Kommentare in den sozialen Medien freut, verrät der 54-Jährige im Interview.

Herr Mittermeier, im Buch schreiben Sie über die Puff-Öffnung in Rheinland-Pfalz – Überlegt man da, ob man ein Komiker mit Benefits werden muss?
Ich bin kein Schwarzmaler. Die Geschichte mit den Puffs, die vor der Kulturszene öffnen sollten, ist auch auf der Bühne eine lustige Nummer. Weil sie unterstreicht, wie absurd das ist. Ich wurde danach angesprochen: ‚Endlich sagt’s mal einer.‘ Das hat mir gezeigt: Man kann mit leichtem Humor trotzdem eine Aussage treffen. Uns hat es gezeigt, dass wir in der Nahrungskette hinter Prostituierten sind. Und sonst heißt es, die Kultur ist so wichtig, im Land der Dichter und Denker.
Sie berichten in Ihrem Buch über vermehrten Alkoholkonsum im Lockdown. Wie viel Wein haben Sie jetzt auf Vorrat?
Wir hatten frisch eingekauft, aber eher schon ein bisschen auf Weihnachten geschielt. Das Zitat von Werner Finck: ‚Egal wie heftig es wird, wir brauchen Unterhaltung‘ verliert nicht an Relevanz. Wir brauchen uns nichts vormachen, wenn die Gastro zumacht, werden die Innenstädte in einen Teillockdown gehen. Denn warum gehe ich in die Innenstadt? Um einzukaufen und was essen zu gehen. Dann werden die Innenstädte nochmal verwaister sein.
Braucht es eine bessere Vernetzung, eine Kultur-Lobby?
Scheinbar ist es das, was uns abgeht. Ich habe im März gedacht, dass es eine Taskforce Kultur geben wird, wie es sie auch für die Lufthansa und Autoindustrie gab. Bisher passiert alles im Flickenteppich. In Bayern gibt es Gespräche mit Aiwanger und Söder, aber es kommt nichts bei rum. Keiner will nationale Entscheidungen treffen. Ich verstehe die Reflexe der Politik, aber den Künstlern, egal ob sie aus Nordrhein-Westfalen oder Bayern stammen, muss man helfen.
Wie zum Beispiel?
Es gibt Modelle, dass man das Durchschnittsgehalt der letzten Jahre ermittelt und dann Kurzarbeitergeld von 70 Prozent auszahlt. Das muss man deckeln. Aber die Solo-Selbstständigen, wozu auch Caterer, Licht und Ton gehören, haben keine Betriebskosten, für die die Hilfen bisher ausschließlich verwendet werden durften. Und die Hilfe muss schnell kommen, eigentlich gestern. Viele werden es nicht bis Weihnachten schaffen.
Wird das Auswirkungen haben, dass sich keiner selbstständig macht, weil es zu riskant ist, man im Zweifelsfall durchrutscht?
Es war immer riskant, aber die Leidenschaft war größer. Aber wenn du abgeschnitten wirst, kannst du dir die Leidenschaft sonst wohin stecken. Niemand kauft gerade Tickets, denn dieses Jahr ist vorbei. Wer fällt dabei durchs Raster? Ich habe jetzt alles gespielt, was ging, auch auf kleinen Bühnen, weil ich Lust hatte. Für uns ist das schräg. Wir haben uns in den vergangenen Wochen angehört, dass private Veranstaltungen wie Hochzeiten die Superspreader sind. Und wer wird zugemacht?
Tim Bendzko hat getestet, dass Veranstaltungen in großen Hallen mit Konzept möglich sind. Macht es das noch unverständlicher?
Das macht es bitter, weil man das Gefühl hat, die Politiker haben keinen Plan. Es hat viel in den letzten Wochen stattgefunden, auch im Kleinen. Aber das Lustspielhaus konnte nicht öffnen, weil eine Öffnung mit den Begrenzungen mehr gekostet hätte. Auch bei der Lach- und Schießgesellschaft bleibt offen, ob sie je wieder aufmachen kann. Und dabei gibt es so viele Konzepte mit Abstandsregeln. Ich wäre auch im Stadion vor Strandkörben aufgetreten, völlig wurscht.
Auf Instagram haben Sie als Reaktion auf die Bühnenschließungen ein Bild mit einem roten Sack über den Kopf gepostet.
Das Bild mit dem roten Sack über dem Kopf wurde am Tag bevor im März die Bühnen geschlossen wurden gemacht. Das war reiner Zufall. Das habe ich jetzt gepostet, um zu zeigen, wie es mir gerade geht. Und ein Kommentar drunter war: ‚Was soll ich dazu sagen? Rotes Sackgesicht?‘ Und ich habe geantwortet: ‚Guter Humor. Danke!

Mehr Einblicke in den Corona Alltag gibt es in seinem neuen Buch: „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“. Hallo verlost fünf Ausgaben. Machen Sie mit beim Gewinnspiel!

Zur Person Michael Mittermeier

Zwölf Wochen und vier Tage ohne Auftritte: Für Michael Mittermeier ein Novum in 34 Jahren Karriere. Und so mussten Ehefrau Gudrun, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Somersault, und die zwölfjährige Tochter als Witzableiter herhalten, wie der 54-Jährige in seinem neuen Buch gesteht. Harte Zeiten im Pullacher Zuhause.

Klar ist, er will so schnell wie möglich zurück auf die Bühne, wo er für seine energiegeladenen Auftritte bekannt ist. Denn Comedy ist seine große Leidenschaft: Nach einem Studium der Politologie und Amerikanistik an der LMU schrieb er seine Magisterarbeit über die Amerikanische Stand-up-Comedy. 1996 eroberte er mit „Zapped“ die Bühne. Zahlreiche Programme, Auftritte und Auszeichnungen folgten.

Diesen Herbst wollte sich Mittermeier mit „#13“ zurückmelden – doch nun gibt’s erst einmal die „Corona-Chroniken“ als Buch. „Ich hoffe, dass kleine Auftritte im Dezember stattfinden und sich die Leute rein trauen.“ Dafür will er sich Veranstaltern als Publikumsmagnet zur Verfügung stellen. „Ich werde nicht müde, die Menschen zum Lachen zu bringen.“

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