Michael Altinger im Gespräch mit Hallo München

„Ich bin schon eine echte Rampensau“

Der dreifache Altinger: Schreiben ist für ihn eine Ersatzhandlung, um die Seele zu streicheln.
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Der dreifache Altinger: Schreiben ist für ihn eine Ersatzhandlung, um die Seele zu streicheln.

Fast wie ein Fisch ohne Wasser: Ohne Zuschauer hält er nicht lange durch, gesteht der Kabarettist mit Wohnsitz in Wasserburg. Warum er Live-Besprechungen als wirklichen Gewinn empfindet, was er an Söders Stelle als Erstes veranlassen würde und welche Chancen Corona für ihn birgt, erklärt er im Interview.

Herr Altinger, wie geht es Ihnen?
Wie sagt man so schön: „Ich bin gsund und meine Frau hat eine Arbeit.“ Im November musste ich 16 Gigs absagen. Aber es gibt Schlimmeres...
Buch statt Bühne, ein guter Ausgleich?
Ehrlich, es ist eine Ersatzhandlung, um ein bissl die Seele zu streicheln. Ich hab mir beim Schreiben vorgestellt, wie mein Publikum auf den Text reagiert. Das hat mir ein bisschen geholfen. Aber ich bin schon eine Rampensau. Ohne echte Zuschauer halte ich nicht lange durch. Das war schon vor Corona schlimm genug.
Merken Sie auch, dass die Leute immer aggressiver werden?
In meinem Umfeld eher nicht. Da halten noch alle gut zusammen. Richtig leid tun mir die jungen Leute. Wenn ich zurückdenke, wie prägend und wichtig das Feiern und Miteinander in meiner Jugend für mich war, dann kann ich total nachvollziehen, dass junge Menschen inzwischen aggressiv reagieren, wenn sie daheimbleiben müssen.
Was halten Sie von Homeoffice und Videokonferenzen?
Man hat ja keine andere Wahl. Aber einige digitale Sitzungen ersetzen tatsächlich 1:1 die Live-Besprechungen. Sie sind ein Gewinn, allein schon deshalb, weil man nicht mehr Autofahren muss. Ich bevorzuge übrigens Telefon-Konferenzen. Da kann man auch mal im Schlafanzug dasitzen und man muss vorher nicht sein Büro aufräumen und kontrollieren, ob die richtigen Bücher im Hintergrund stehen.
Vermissen Sie Urlaube?
Ja, und wie! Mir fehlt das Meer. Allein dieses von Daheim-Wegsein. Denn Urlaub daheim heißt für mich immer: es dauert nicht lang und zack, sitz ich wieder vorm Computer! Meine Frau braucht das Verreisen auch. Allein schon, weil sie weiß, dass sie mich nicht mit meiner Arbeit teilen muss.
Würden Sie sich impfen lassen, es sollen ja bald Mittel auf den Markt kommen?
Eine Freundin von mir arbeitet für einen Pharmakonzern. Der habe ich die gleiche Frage gestellt. Ihre Antwort war ein ganz klares „Nein“. Davor hätte ich einer Impfung zugestimmt. Mittlerweile bin ich hin- und hergerissen.
Fehlen Ihnen Ihre Schwabinger Stammkneipen?
Ja freilich, die „Agnes 9“ und das „Café am Josephsplatz“. Ich wurde ja 50, hatte schon eine große Feier geplant und mich darauf gefreut. Alles musste gecancelt werden.
Wenn Sie Söder wären, was würden Sie als Erstes machen?
Mich mehr um die Kultur und Kunst kümmern. Dass man jetzt 75 Prozent vom letztjährigen Novemberverdienst als Hilfe beantragen kann, ist eine schöne Sache. Das Kleingedruckte ist noch nicht wirklich geklärt. Es wäre mal interessant, wenn alle Kulturschaffenden diese 75 Prozent beantragen würden. Was dann wohl passieren würde…? Wirklich sinnvoll finde ich Hilfsfonds, wie „Handforahand“ für Bühnen- und Veranstaltungstechniker. Da kann jeder einzahlen und einmal im Monat gibt es eine Ausschüttung. Die Kulturschaffenden müssen schauen, wie sie sich auch gegenseitig stützen können.
Birgt Corona auch Chancen?
Wir verzichten auf Flüge, entdecken die Vorzüge der digitalen Kommunikation. Wir gehen aufmerksamer miteinander um. Mehr denn je erkundige ich mich, wie es meinen Freunden geht. Und ich habe viele neue Leute kennengelernt. Vor allen Dingen profitiere ich von jungen Menschen, die sich besser mit den modernen Medien auskennen. Ohne Corona wären diese Kontakte wohl nicht entstanden. Ich hoffe, dass das so bleibt, falls wir wieder in eine „Normalität“ zurückkehren.
Schon ein Corona-Wamperl angesetzt?
Ähm – ich mache jeden Tag brav meine Dehnungsübungen. Natürlich bin ich auch dicker geworden, aber ich bleibe geschmeidig. Ganz ehrlich: In meinem Alter braucht man Speck, allein schon als Nervenpolster. Außerdem macht der Speck auch faltenfrei.

Zur Person Michael Altinger

Michael Altinger wurde am 20. November 1970 im niederbayerischen Landshut geboren. Schon früh zog es ihn auf die Bühne, seine Karriere als Kabarettist begann der diplomierte Sozialpädagoge 1995. Neben seinen Auftritten in „Ottis Schlachthof“, „Grünwalds Freitagscomedy“, „Neues aus der Anstalt“ oder dem „Scheibenwischer“ war Altinger auch in kleineren Rollen in den Fernsehserien „Die Rosenheim-Cops“, „München 7“ und „Der Kaiser von Schexing“ zu sehen. Im März 2013 übernahm er zusammen mit Christian Springer die Sendung „Schlachthof“. 14 Bühnenprogramme hat er mittlerweile präsentiert, drei davon mit seinem Kabarettkollegen Alexander Liegl. Ausgezeichnet wurde er mit dem „Kabarett Kaktus“, dem „Passauer Scharfrichterbeil“ sowie dem Bayerischen und Deutschen Kabarettpreis. Altinger ist verheiratet und zweifacher Vater.

Während der Corona Pandemie hat Michael Altinger eine Art Tagebuch geschrieben. Das Ergebnis ist sein neuestes Werk „Rampensau ohne Bühne“. Hallo verlost drei Exemplare. Machen Sie mit beim Gewinnspiel!

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