Er genießt bald Münchner Freiheit

„Man muss jetzt den Jüngeren das Feld überlassen“ – Werner Lederer-Piloty im Hallo Interview

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Auch wenn die Skulptur anders aussehen wird als auf dem Foto: Werner Lederer-Piloty freut sich, dass Helmut Dietl bald neben dem Monaco an der Münchner Freiheit sitzen wird.

„Man muss gehen, wenn es noch manche bedauern und nicht so lange sitzen, bis man vom Hof gejagt wird“, sagt Werner Lederer-Piloty. Wie ihn seine Zeit als BA-Vorsitzender geprägt hat, erzählt er im Hallo-Interview...

Schwabing – Werner Lederer-Piloty ist ein Name, den man im Viertel kennt. Seit 1994 engagiert sich der 77-Jährige im Bezirks­ausschuss, seit 1998 leitet er das Gremium. Bei der kommenden Wahl tritt der freiberufliche Architekt lediglich auf Platz 12 der Liste an. Wie ihn seine Zeit als BA-Vorsitzender geprägt hat, erzählt er im Hallo-Interview.

Herr Lederer-Piloty, Ihren Posten als BA-Vorsitzender geben Sie im Frühjahr ab. Warum? 

21 Jahre sind reichlich genug. Man muss jetzt den Jüngeren das Feld überlassen. Ich bin auch noch berufstätig und muss meine Kräfte bündeln. Außerdem ganz wichtig: Man muss gehen, wenn es noch manche bedauern und nicht so lange sitzen, bis man vom Hof gejagt wird.

Erinnern Sie sich noch an ihre erste Wahl zum Vorsitzenden? 

Dr. Axel Berg kam damals in den Bundestag. Damit war der Posten des BA-Vorsitzes frei. Meine Partei hat dann auf mich gedeutet und ich wurde vom Gremium gewählt.

Mit welchen Idealen haben Sie damals Ihr Amt angetreten? 

Ich hab damals festgestellt, dass die Themen Architektur und öffentlicher Raum völlig vernachlässigt waren. Schnell habe ich gemerkt, dass man, wenn man proaktiv und sachlich reingrätscht, viel bewirken kann – verknüpft mit Hartnäckigkeit, Geduld und Leidenschaft.

Wo konnten Sie denn etwas bewirken? 

Zum Beispiel bei der Neugestaltung des Wedekindplatzes. Das war einer meiner ersten Anträge. Der Platz war lange Zeit ein vernachlässigter Verhau an Gestrüpp und kein Ort des Aufenthalts. 25 Jahre hat es dann gedauert – das war Hartnäckigkeit.

Was muss in den nächsten Jahren auf jeden Fall angegangen werden? 

Schwabing hat keinen vernünftigen Ort wie einen Bürgersaal. Das ist bitter für das Quartier.

Was bedeutet Schwabing-Freimann für Sie persönlich? 

Die beiden Stadtteile sind in ihrer Struktur völlig unterschiedlich. Das eine ist ein Stück Stadt mit Mythos, ein Künstlerquartier und das andere ist eine Stadtrandentwicklung, die jedoch ein großes Entwicklungspotential und einen hohen Freizeitwert hat.

Haben Sie denn einen Lieblingsort im Viertel? 

Die Münchner Freiheit, insbesondere das Café Münchner Freiheit. Hier kann man frühstücken, die flanierenden Leute beobachten, Monaco Franze gucken...

Apropos Monaco Franze. Bald kommt die lang erwünschte Helmut-Dietl-Statue. Hierfür haben Sie sich immer eingesetzt... 

Dietl war einer der bedeutendsten Künstler Münchens. Er hat das sogenannte München-Gefühl in genialer, sehr kritischer, aber höchst unterhaltsamer Weise wie kein Zweiter zu Papier gebracht und zu Film gemacht. Er war ein Erfinder von Münchner Geschichten. Das Thema war mir jedoch so wichtig, weil der Impuls für die Statue aus der Bürgerschaft kam.

Und was ärgert einen als BA-Vorsitzenden so richtig? 

Eine bestimmte Art von Wutbürgern. Das sind Leute, die sich ein ganzes Leben nur um sich selbst kümmern, am gesellschaftlichen Leben null mitgestalten – aber wenn vor ihrer Gartentüre etwas passiert, dann sind sie einfach nur dagegen.

Auf Platz 12 der SPD-Liste kandidieren Sie in diesem Jahr trotzdem noch einmal. Ganz wollen Sie dem BA also noch nicht den Rücken kehren? 

Wenn die Wahl es ermöglicht, würde ich mehr aus dem Hintergrund weitermachen.

Ihre Frau, die ebenfalls schon lange im BA ist, löst Sie als Spitzenkandidat der SPD ab. Reden Sie beim Abendessen viel über Lokalpolitik? 

Das kann schon auch im Privaten abendfüllend sein. Aber dadurch, dass meine Frau auch im BA ist, ruht der ganze Job auf zwei Paar Schultern. Ohne sie wäre das nicht leistbar gewesen. 

Kassandra Fischer

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