Rebensburgs Rücktritt: Eine Chance für mich

Lisa Marie Loipetssperger - Ein Debüt im Weltcup beim Riesenslalom

Riesenslalom und Slalom: Die technischen Disziplinen liegen der Münchnerin Lisa Marie Loipetssperger.
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Riesenslalom und Slalom: Die technischen Disziplinen liegen der Münchnerin Lisa Marie Loipetssperger.

Ein Debüt unter besonderen Bedingungen: Die Münchner Skifahrerin feiert ihren Einstand im Weltcup beim Riesenslalom in Sölden – ohne Zuschauer und somit ohne familiäre Unterstützung. Was sie sich vorgenommen hat, was der Rücktritt von Viktoria Rebensburg bedeutet und wie sie nach dem Training entspannt, verrät die 20-Jährige hier.

Frau Loipetssperger, am Wochenende geben Sie Ihr Weltcup-Debüt. Was ging Ihnen durch den Kopf als Sie nominiert wurden?
Wir sind vor dem Weltcup eine Quali gefahren, bei der sich das schon abgezeichnet hat. Aber als es dann feststand, konnte ich es nicht glauben. Ich hab mich riesig gefreut.
Was nehmen Sie sich für Ihr Debüt vor?
Eigentlich nur bestmöglich Ski zu fahren, mein Bestes zu geben.
Gibt es von den Trainern eine Zielvorgabe?
Nein, ich soll einfach reinkommen, ein Stück weit auch genießen. Und dann schauen wir, was dabei rauskommt.
Mikaela Shiffrin fehlt beim Saisonauftakt in Sölden. Hatten Sie sich schon gefreut, Ihr Vorbild zu treffen und gegen Sie zu fahren?
Ich finde es nicht schlimm, dass sie nicht da ist. Natürlich ist es schade. Aber ich möchte mich auf mich konzentrieren. Sonst kann man sich natürlich von den starken, erfahrenen Fahrerinnen etwas abschauen. Doch jetzt ist der Fokus auf mir selber.
Früher haben Sie Ihrem großen Bruder nachgeeifert. Kann man sich jetzt auch bei routinierten Fahrerinnen hochziehen?
Das ist schon noch so. Die haben auch eine Vorbildfunktion. Aber es ist schon cool, wenn man dann mal schneller ist.
Wie lief die Vorbereitung im Corona-Jahr?
Wir haben lange Konditions-Training gemacht. Das war gut, so haben wir viel Abstand vom Skifahren bekommen, auch weil wir erst spät auf Schnee gefahren sind. Ich bin gut reingekommen, dann war es etwas schwieriger. Deswegen war es ein bisschen überraschend, dass es jetzt so gut lief. Wir haben an der Technik etwas umgestellt und ich fühle mich gut auf dem Ski.
Beim Weltcup sind keine Zuschauer zugelassen. Dürfen zumindest die Eltern beim Debüt zuschauen?
Ich bin ganz auf mich gestellt. Man stellt sich das beim Debüt natürlich anders vor. Aber wir werden uns auch so vor dem Rennen und danach austauschen. Auch vor dem Fernseher oder Live-Stream wird mich meine Familie toll unterstützen.
Dass keine Zuschauer da sind, kann ja auch ein Vorteil sein, weil ein paar weniger Augen auf einen gerichtet sind.
Ich denke, dass es ohne die Zuschauermassen nicht so anders wird, als die Rennen, die ich bisher gefahren bin. Die Presse und Medien sind natürlich neu.
Viktoria Rebensburg hat ihre Karriere beendet, ein Aushängeschild des DSV. Eine Chance für jüngere Fahrerinnen oder nun mehr Druck auch solche Erfolge bringen zu müssen?
Ich sehe es mehr als Chance für junge Fahrerinnen, in den Weltcup reinzukommen. Es ist schade, dass sie aufgehört hat. Von den Trainern kommt aber auch kein Druck, dass wir gleich an ihre Leistungen anknüpfen müssen.
Kommentatoren heben bei Wettbewerben oft hervor, wenn ein Skifahrer ein Stadtkind oder Flachländler ist. Merkt man den Unterschied auch im Fahrerfeld?
Früher war das schon so, dass es hieß: Da kommt das Stadtkind daher. Mittlerweile haben wir uns – wir sind ja auch mehrere – durchgesetzt und eine gute Position erkämpft. Jetzt heißt es eher mal überrascht: ‚Was, du kommst aus der Stadt, wo sind dann deine Berge?‘
Im Olympiapark gab es 2011 einen Parallel-Slalom. Dazu würden Sie nicht Nein sagen, sollte das nochmal stattfinden, oder?
Ja, das wäre schon cool, ein Parallel-Slalom daheim. Das wäre was ganz anderes, da ich mit meiner Heimat schon eng verbunden bin. Aber dafür muss erstmal der Schnee her.
Wie entspannen Sie nach dem Training?
Ich habe das Surfen für mich entdeckt. Wenn ich in Berchtesgaden bin, gibt es eine kleine Welle, auf der ich mit dem Surfen angefangen habe.
Eine Welle, dazu keine Unbekannte, gibt’s auch in München.
Bis dahin braucht es aber noch ein paar Jahre Training.

Lisa Marie Loipetssperger - Zur Person 

Mit drei Jahren stand sie erstmals auf den Ski – nun feiert Lisa Marie Loipetssperger, geboren am 27. April 2000, ihr Debüt im Weltcup. Ihre Eltern sowie der ältere Bruder sind begeisterte Skifahrer. Seit 2006 fährt sie für den WSV München, mit Erfolg: Im Riesenslalom wurde sie beispielsweise deutsche U14- und U15-Schülermeisterin.

Nach dem Fachabitur an der FOS Berchtesgaden hat die 20-Jährige aus Untermenzing als zweites Standbein ein Immobilienmanagement-Fernstudium begonnen. Doch noch ist Skifahren ihre erste Priorität. Die Ziele der Sportsoldatin sind klar: „Mein größter Wunsch ist, bei Olympia dabei zu sein – und eine Medaille zu gewinnen.“

Im Weltcup möchte sie in der Weltspitze mitfahren. „Aber da habe ich keinen Zeitplan für. Man weiß nie, was kommt, ob man sich verletzt.“

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