„Keine Sekunde einsam“

Das Leben im Seniorenheim in Corona-Zeiten – Schauspielerin Jutta Kammann spricht darüber mit Hallo

Seit 2014 lebt Jutta Kammann im Augustinum in München.
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Seit 2014 lebt Jutta Kammann im Augustinum in München.
  • Claudia Theurer
    vonClaudia Theurer
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Jutta Kammann wird nächste Woche 77 Jahre alt. In Hallo spricht sie darüber, wie sie ihren Geburtstag feiert und wie ihr Leben im Augustinum zu Corona-Zeiten ist.

München - 16 Jahre lang war sie in der Serie „In aller Freundschaft“ als Oberschwester Ingrid zu sehen. Dann hat sich Jutta Kammann für ein Leben im Augustinum in Hadern entschieden. Wie sie dort die Corona-Zeit empfindet, ob sie dort neue Freunde gefunden hat, und wie sie ihren 77. Geburtstag am 22. März feiert, erzählt sie im Hallo München Interview.

Frau Kammann, Sie werden am 22. März 77. Können Sie feiern?

Corona schränkt ein. Aber hier im Augustinum werde ich mit ein paar Freundinnen schon feiern – mal sehen, was erlaubt ist.

Sie haben 16 Jahre lang in 660 Folgen in der Serie „In aller Freundschaft“ die Oberschwester Ingrid gespielt. Plötzlich war Schluss. Hat man sich in aller Freundschaft getrennt oder war das ein Schlag?

Natürlich ist das für alle ein schwerer Zeitpunkt, wenn man in den Ruhestand gehen muss. Zum Glück bin ich aber zur gleichen Zeit ins Augustinum gezogen. Das war gut so.

Jetzt haben Sie ja noch gelegentlich Gastauftritte. Kommt man da in eine Familie zurück?

Ich habe im Februar wieder gedreht und wurde herzlichst und mit viel Wärme empfangen. In einer Langzeitserie muss es einen Generationenwechsel geben. Eine über 70-jährige Oberschwester ist da nicht mehr glaubhaft.

Seit wann leben Sie im Augustinum?

Ich bin 2014 hier eingezogen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe Quadratmeter gegen Lebensqualität getauscht. Ich hatte die Diagnose einer Makuladegeneration (eine Erkrankung der Netzhaut, Anm.d.Red.) und musste schauen, dass ich geschützt bin, wenn ich meinen Haushalt nicht mehr alleine führen, aber trotzdem selbstbestimmt leben kann.

Viele denken, in einem Seniorenheim lebt es sich in totaler Abgeschiedenheit.

Kein bisschen. Wir dürfen hier ohne Fußfesseln das Haus verlassen (lacht). Jetzt mit Corona ist das natürlich etwas anderes. Ich bin ja hier nicht das Nesthäckchen. Ich hatte zum Beispiel viele angenehme Gespräche mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der bis zu seinem Tod letztes Jahr hier lebte.

Verspüren Sie trotzdem Einsamkeit?

Nicht eine Sekunde. Meine Zeit ist voll. Ich habe nie Langeweile. Wir haben Feste, Ausflüge, Konzerte, Vorträge und so weiter. Leider fällt das jetzt weg. Leute über 80 Jahre werden wegen Corona nicht genommen. Ich war 70, als ich einzog, mit 65 habe ich den Vertrag unterschrieben.

Dürfen Sie zur Zeit Besuch empfangen?

Natürlich. Außerdem können meine Besucher außerhalb der Corona-Zeit entweder in meiner Wohnung übernachten oder in einem Gäste-Appartement schlafen.

Ihr Buch „Rothaarig und wild entschlossen“ ist gerade erschienen.

Es ist eine Biographie, die ich zusammen mit Margit Roth, der Chefredakteurin von „BISS“, verfasst habe. Es sind tragische und lustige Geschichten.

Verlosung

Hallo verlost fünf Exemplare von Jutta Kammanns Biographie: „Rothaarig und wild entschlossen“

„Heime öffnen“

Gemäß bayerischer Infektionsschutzverordnung gilt noch immer, dass jeder Besucher eines Heimes – auch wenn er geimpft ist – ein negatives Testergebnis vorlegen muss. Zudem ist täglich nur der Besuch durch höchstens eine Person zulässig. Hans Kopp, Geschäftsführer der AWO München-Stadt (keine Verbindung zum Augustinum) fordert deshalb eine Öffnung der Seniorenheime:

„Diese Vorgabe hat sich überholt, da ja der Impfstoff bei unseren Bewohnern wirkt. Auch unser Personal, welches geimpft ist, bedarf keiner weiteren ständigen Testung.“ Er fordert eine sofortige Änderung der bayerischen Infektionsschutzverordnung.

Claudia Theurer

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