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Die Juristin Hanna Sammüller-Gradl wird die neue KVR-Chefin – als erste Grüne und erste Frau

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Von: Daniela Borsutzky

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Hanna Sammüller-Gradl ist die neue Leiterin des KVR.
Hanna Sammüller-Gradl ist die neue Leiterin des KVR. © Daniela Borsutzky

Das KVR bekommt erstmals eine Leiterin: Hanna Sammüller-Gradl hat mit Hallo über ihre neuen Aufgaben, das Amt und was sie vorabringen will, gesprochen:

Der Stadtrat hat Hanna Sammüller-Gradl jetzt zur neuen Leiterin des Kreisverwaltungsreferats gewählt. Die Grüne tritt zum 1. Juli für sechs Jahre die Nachfolge von Thomas Böhle an. Bis dahin ist die promovierte Juristin und Verwaltungswissenschaftlerin noch Leiterin des Referats für Bürgerdienste und Rechtsangelegenheiten in Freising.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in Bogenhausen. Beim Treffen mit Hallo im Café Trachtenvogl hat sie den zweiten Harry-Potter-Band für ihre Tochter in der Tasche. Die Achtjährige holt Sammüller-Gradl nach dem Interview von der Ganztagsbetreuung ab. „Mein Mann steckt beruflich derzeit zurück“, erklärt die 38-Jährige, wie sie Karriere und Familie stemmt.

Von ihrer Mutter sei sie eben „mit einer Rolladenkurbel zur besten Mama, Ehefrau und KVR-Chefin geschlagen worden“, erzählt sie und lacht – wie sehr oft in diesem Gespräch. Was sie in der Behörde künftig voran bringen will und was sie mit dem ehemaligen KVR-Referenten Peter Gauweiler (CSU) gemein hat, verrät Sammüller-Gradl im Interview.

Dr. Hanna Sammüller-Gradl (38), designierte Kreisverwaltungsreferentin, von A bis Z

Ausländer: Ich fände es toll, wenn man vor einem Termin im KVR eine E-Mail bekommt mit einer Erinnerung zu den Unterlagen, die man mitbringen muss. Und zwar in verschiedenen Sprachen. In Freising gibt’s das schon.

Bastelhass: Kurz vor dem Heulen war ich, als ich die Schultüte meiner Tochter basteln musste. Meine Hände sind einfach nur aneinander geklebt. Ich lese lieber vor.

Chefin sein macht mir Spaß, weil ich Menschen unheimlich gern mag. Man lernt so viele unterschiedliche Welten kennen. Ich möchte gemeinsame Visionen entwickeln.

Digitalisierung von Behördengängen ist ein Leidenschaftsthema für mich. Das neue Digitalgesetz Bayern wird eine gute Grundlage schaffen.

Erweckungserlebnis: Mit 15 wurde ich in meiner Heimatstadt Landsberg Sprecherin des Jugendparlaments. Wir wollten einen Skatepark. Ich habe mit dem Sachbearbeiter gesprochen, wir hatten einen Ortstermin und dann war der Skatepark da. Ich fand das so toll, was man erreichen kann.

Feministin bin ich im Jurastudium geworden, als mir klar wurde, dass gleiche Noten nicht gleiche Karrierechancen bedeuten.

Gauweiler: Wenn man eine Gemeinsamkeit suchen will, könnte man sagen, dass wir beide einen politischen Aspekt ins KVR einbringen – er halt am anderen Ende der Skala als ich.

Hauptaufgabe: Die Welt verändert sich. Das KVR ist das Referat, welches am nähesten an der Stadtgesellschaft ist und sich dementsprechend mitverändern muss. 

Innenministerin: Die öffentliche Sicherheit ist ein gesellschaftspolitisches Thema, bei dem man überlegen muss, auf wen der Fokus gerichtet wird– und zwar mehr auf verletzliche Gruppen.

Juli: Bis zur Amtsübergabe möchte ich in Freising noch viele Projekte abschließen. Und wenn ich davor nochmal Urlaub machen könnte, wäre das auch schön.

Kinder und Karriere: Ich freue mich für jede Frau, die ihr Glück ausschließlich in der Familie findet – für mich war aber immer klar, dass mir das nicht reicht. Wir müssen als Gesellschaft dafür die Voraussetzungen schaffen, dass sich ein jeder persönlich so entwickeln kann, wie er das möchte.

Lehrer-Trauma: Meine Eltern und mein ältester Bruder sind Lehrer. Zwar habe ich die Schule geliebt, aber diesen Weg wollte ich nie einschlagen. 

Mehr Mitarbeiter für das KVR sind bitter notwendig. Allein wenn ich an die ganzen Führerscheine denke, die jetzt umgetauscht werden müssen.

Nachfolge: Vor acht Jahren habe ich ein Assessment Center unter Leitung von Thomas Böhle gemacht und mich als Juristin bei der Stadt beworben. Auf die Frage, was meine Vision für München sei, habe ich gesagt, dass ich mir wünsche, dass die Hälfte aller Referentinnen Frauen werden. Ich wurde genommen. Als ich mich für seine Nachfolge beworben habe, hat er sich noch daran erinnert. 

Objektive Sicherheit ist mir zu kurz gedacht, das sujektive Gefühl ist ebenso wichtig. Wenn ich gezwungen bin, mein Verhalten anzupassen, ist das ein Problem. Präventive Sicherheit, wofür das KVR steht, bedeutet, dass man beispielsweise schaut, wo Taxistände platziert werden. 

Promoviert habe ich im Umweltstrafrecht, welches nicht besonders effektiv ist. Vereinfacht gesagt ist das Problem: Wenn es um eine Wasserverschmutzung geht, muss diese einer natürlichen Person zugeordnet werden. Man müsste also ein Unternehmensstrafrecht einführen.

Quote ist so wichtig. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass alle davon profitieren, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gibt.

Rebellion ist in Wirklichkeit der Anfang wichtiger gesellschaftlicher Veränderung.

SoBoN: Die Regularien für Sozialgerechte Bodennutzung habe ich überarbeitet, als ich von 2015 bis 2019 im Kommunalreferat tätig war. Ich bin sehr überzeugt von der Idee.

Tolle Zeit: Als ich mit Katha Schulze in einer WG in Sendling gewohnt habe, habe ich gemerkt, wie viel es bedeutet, eine starke Frau an seiner Seite zu haben. 

Ueberprüfung: Die Sperrbezirksverordnung, die durch die Regierung von Oberbayern erlassen wird, ist 20 Jahre alt. Ob sie für unsere Kommune noch zeitgemäß ist, will ich überprüfen.

Verwaltungsnerd: Ich brenne für meinen Job. Die Verwaltung ist das Bindeglied zwischen einer demokratisch legitimierten Regierung und der Stadtgesellschaft. Ihre Aufgabe ist es, Dinge umzusetzen, also zu gestalten. Eine kreative Aufgabe, wie ich finde. 

Weltfrauentag: Meine beste Freundin hat am 8. März Geburtstag. Zuerst gehen wir mit unseren Töchtern auf die Demo, dann feiern wir. Ich freue mich schon.

X-ess: Den Club an der Jahnstraße gibt es leider nicht mehr. Früher war ich dort mit meinem Mann feiern. Vor Kurzem habe ich gelesen, dass der Betreiber jetzt als Friedhofsgärtner arbeitet.

Yoga: Während dem Studium in Frankreich habe ich einen Kurs gemacht, weil man dafür extra Punkte gekriegt hat. Ich war am Anfang ziemlich überfordert, weil ich nie wusste, welches Körperteil ich gerade entspannen soll. Dafür weiß ich heute noch, was Oberschenkel auf Französisch heißt – la cuisse!

Zeit: Ich stehe jeden Tag um sechs auf und trinke erst mal meinen Kaffee. Um viertel vor sieben wecke ich die Kinder und es wird eine Viertelstunde geknuddelt. Und dann beginnt der normale Wahnsinn.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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