Lieder der Hoffnung

Für eine bessere Welt singen: Konstantin Wecker über Hoffnung, Chancen und Kultur

Konstantin Wecker im Gespräch mit Hallo München.
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Konstantin Wecker im Gespräch mit Hallo München.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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In den nächsten Tagen erscheint ein neues Album und ein neues Buch von Konstantin Wecker. Im Hallo-Interview erzählt er, warum Kultur so wichtig für die Menschen ist. Hallo verlost seine neue CD.

Die Pandemie als Chance begreifen – das haben viele gefordert. Doch nur wenigen konnte man das so sehr glauben wie ihm: Konstantin Wecker singt für eine bessere Welt und lässt sich durch nichts davon abhalten.

Herr Wecker, dieser Tage erscheint ein neues Album und ein neues Buch obendrauf. Es gibt viel zu sagen, viel aufzuregen, viel zu verändern. Ist das so richtig zusammengefasst?

Ja, es gibt aber auch Hoffnung. Die Hoffnung auf ein herrschaftsfreies Miteinander dürfen wir nie aufgeben. Ich habe das Gefühl, dass die Pandemie auch eine Chance sein könnte.

Das Titellied zum Album „Utopia“ scheint mit John Lennons „Imagine“ verwandt. Sind Sie Beatles-Fan?

Die Lieder sind verschwestert, ja. Fan wäre aber vielleicht zu viel gesagt. Als junger Mann war ich eher Stones- und Janis-Joplin-Fan.

Lennon stehen Sie aber inhaltlich nahe, der sich mit „Imagine“ vor genau 50 Jahren für den Frieden eingesetzt hat. Ist es nicht frustrierend zu sehen, dass sich nach all der Zeit nur wenig geändert hat?

Ich möchte hier etwas zitieren, was mein Freund Hannes Wader geantwortet hat, als uns auf Tourneen ähnliche Fragen gestellt wurden: Wie sähe die Welt aus, wenn die vielen Mosaik-Steinchen, zu denen wir alle gehören, wenn es diese nicht gäbe? Ich glaube, ohne Kultur sähe die Welt viel grausamer aus.

Wir müssen also das Positive auch sehen?

Genau. Es tut sich etwas. Es gibt eine starke Frauen-Bewegung, zum Beispiel in Südamerika, wo man sie gar nicht erwarten würde, es gibt Fridays for Future, es gibt eine Antirassismus-Bewegung, wie sie sich Amerika noch vor Jahren nicht erhofft hätte. Das sind diese Mosaik-Steinchen, die wir brauchen, um zu einer gerechten Welt zu kommen.

Bei all der Hoffnung: Sind Sie trotzdem auch wütend?

In vielen Punkten. Zum Beispiel macht mich wütend, dass es möglich ist, neofaschistische Ideen sogar in einer Partei zu bündeln, dass es so viele Neonazis gibt. Der Faschismus nährt sich aus Mythen. Und die heißen heute Fake News. Das ist gefährlich.

Mit welchem Gefühl schauen Sie dann auf die Bundestagswahl?

Die ganz große Hoffnung habe ich da nicht, ehrlich gesagt. Klar würde ich mich freuen, wenn die Grünen eine große Chance hätten. Deren Anfangszeit habe ich nicht nur miterlebt, sondern mitgetragen. Davon ist leider nur nicht mehr viel übrig.

Aber?

Die Idee ist ja prinzipiell gut. Und die Vehemenz, mit der Frau Baerbock jetzt angegangen wird, erschreckt mich sehr. Da gibt es neoliberale Kräfte, die die Grünen um jeden Preis verhindern wollen. Auch dass sie eine Frau ist, scheint vielen alten Machos schwer zu schaffen zu machen.

Ihr neues Buch trägt den Untertitel „Ein Plädoyer für Kunst und Kultur.“ Wie lassen sich Menschen vom Stellenwert der Kunst und der Kultur überzeugen?

Ich glaube, dass viele sowieso davon überzeugt sind. Man muss vor allem mehr Politiker überzeugen, dass Kultur Nahrung für die Seele ist. Kultur ist kein Freizeitvergnügen, auf das man auch mal verzichten kann. Kultur ist lebens- und überlebensnotwendig.

Ich spiele des Teufels Advokat: Weil?

In der Kultur besinnen wir uns auf uns selbst, weil wir uns selbst entdecken. Manchmal fühlt man sich verzweifelt, einsam und durch die Kultur merkt man: Ich bin nicht allein. Das ist wichtig fürs Menschsein. Ein anderer Punkt, und davor haben viele Politiker Angst: Kultur ruft auch zum Widerstand auf. Sie ist rebellisch, widerborstig: Poesie ist Widerstand.

Verlosung

Hallo verlost fünf Exemplare der neuen CD „Utopia“.

Neues Album von Konstantin Wecker: Utopia.

Teilnahmeschluss: 25. Juli.

Das Gewinnspiel ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

Viel Glück!

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