Jasmin Tabatabai im Gespräch mit Hallo München

Wortwitz und Tiefe funktioniert auf Deutsch

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Jasmin Tabatabai im Gespräch mit Hallo München.

Sonst macht die deutsch-iranische Schauspielerin als TV-Kommissarin Jagd auf Kriminelle, nun nimmt sie auf ihrem neuen Jazz-Album Rehe ins Visier – und singt auf vier Sprachen. Welche Stärke jede von ihnen hat, ob sie sich als singende Schauspielerin sieht und welche Wiesn-Erfahrungen sie hat, erklärt die 52-Jährige hier. 

Sie sind Schauspielerin, Sängerin – schon mal geträumt Jägerin zu sein?

Nein. Aber mein Vater war Jäger. „Jagd auf Rehe“ ist die Übersetzung eines persischen Volkslieds, das mein Vater gerne gehört hat. Im Iran kennt das jeder.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Das ist das schöne an meinem Beruf, permanent neue Sachen machen zu können. Letztes Jahr habe ich das erste Mal einen Film auf persisch gedreht. So ist auch dieser Song zu mir gekommen. Ein bekannter iranischer Sänger, der im Film meinen Bruder spielt, hat mir dieses Lied rausgesucht.

Sie singen auf vier Sprachen – welche Besonderheiten hat jede?

Jede Sprache hat ihre eigenen Klangmelodie. Was super auf Deutsch funktioniert: Wortwitz und Tiefe. Der Vorteil von Englisch: Selbst einfachste Texte klingen nicht banal. Französisch hat einfach eine schöne Sprachmelodie. Es ist eine Sprache, in die man sich hineinschmiegen kann, da klingt alles so poetisch. Was wir im Persischen gar nicht haben: eine Genderdiskussion – die ich für wichtig halte, denn Sprache formt Denken! Im Persischen gibt es keine Artikel, jedes Lied kann für Mann und Frau sein, daher sind auch die Gedichte von Rumi so geheimnisvoll.

Schauspielende Sängerin oder singende Schauspielerin – wo sehen Sie sich?

Das wird immer leicht abfällig gesagt. Weil Schauspieler mit 35 auf einmal entdecken, dass sie auch mal Musiker spielen wollen. „Everybody wants to be a Rockstar“ sage ich immer. Ich weiß auch, dass das Musiker verachten. Ich bin mit dem Thema immer sehr respektvoll umgegangen. Was Schauspieler gut können: an fremde Texte ran gehen und sie zu eigenen zu machen. Ich sage etwas trotzig, dass ich eine singende Schauspielerin bin. Habe aber eine Sonderposition, da ich es immer nebeneinander gemacht habe.

Schon mal überlegt, hinter die Kamera zu wechseln?

Regie interessiert mich nicht, will aber auch nichts ausschließen. Das hat mit meinem Charakter zu tun. Ich bin kein Kontrollfreak, sondern performe einfach gerne. Als Performer habe ich Freiheit. Das bin ich einfach nicht, alles bis ins Kleinste zu kontrollieren. Wie viele Fragen ein Regisseur jeden Tag beantworten muss, das finde ich nicht gerade sexy.

Sie singen große Lieder wie „Hey Jude“. Wie geht man an so etwas heran?

Es ist das Grundprinzip von Jazz, dass jeder Musiker das bestehende Liedgut auf seine eigene Art wiedergibt. So verschieden wie die Menschen sind, werden dann die Lieder. In der Musik darf man alles.

Hallo München verlost fünf Exemplare der neuen CD  „Jagd auf Rehe“.

Haben Sie ein Lieblingscover?

Ich liebe alle diese Lieder, wie meine Babys. Aber abwechselnd schleicht sich immer mal eins in mein Ohr, mal „Hey Jude“, mal Reinhard Mey, mal die Cole Porter Lieder.

Jasmin Tabatabai live auf der Bühne.

Ihre Eltern haben sich auf dem Oktoberfest kennengelernt. Wie steht es mit Ihnen und dem Volksfest?

Sehr gut, ich war dort ganz viel als Kind und wollte schon länger mal wieder hin. Aber dieser Dirndl-Zwang, den gab es früher nicht, dabei trage ich privat sehr gerne Dirndl. Früher waren für mich die Fahrgeschäfte wichtiger. Im Bierzelt war ich mit 20/21 Jahren und nach zwei Maß am Ende.

Sind Ihre Kinder auch mal bei Auftritten dabei?

Nein. Meine Große war mal dabei als sie neun war und ist eingeschlafen. Ich bring die Arbeit aber auch nicht mit nach Hause. Obwohl: Vor Jahren habe ich die weibliche Hauptrolle im Disney-Film „Hercules“ synchronisiert und auch einen Song gesungen. Das kommt ganz gut. Wenn die Kinder mal frech werden, sage ich: Hey, nicht jeder hat eine Mama, die ihren eigenen Disney-Song hat (lacht). Das sitzt dann.

In den sozialen Medien konnte man Sie auch auf einer Klima-Demo sehen. Ihre älteste Tochter ist 17. Wie gehen Sie mit solchen Themen um?

Wir unterstützen als Eltern, den Kampf der Jugend für eine bessere Welt. Auch politisch. Die Kinder können später ihre eigene Meinung entwickeln. Was wir ihnen aber zeigen ist, dass man Haltung haben sollte.

ZUR PERSON 

„Ein bisschen wie nach Hause kommen“: So beschreibt Jasmin Tabatabai den Platz, den München in ihrem Herzen einnimmt. Am 8. Juni 1967 in Teheran geboren, lebte ihre Familie bis 1979 dort. Während der Islamischen Revolution verließen sie das Land, Tabatabais Vater kehrte ein Jahr später in den Iran zurück und starb 1986. Ihr Abitur machte die Schauspielerin und Sängerin in Planegg, bevor sie in Stuttgart Schauspiel studierte.

1997 gelang ihr als Rockröhre im Film „Bandits“ der Durchbruch. Der Soundtrack, der größtenteils aus Songs von Tabatabai besteht, wurde mit 700 000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg.

Tabatabai lebt mit ihrem Partner Andreas Pietschmann und drei Kindern in Berlin – und ist bekennender FC Bayern-Fan.

von SABINA KLÄSENER

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