Ein Abschied unter Tränen

Lebwohl, Kloster! - Janina Hartwig blickt mit Hallo auf 20 Staffeln „Um Himmels Willen“ zurück

In fast 200 Folgen schlüpfte Janina Hartwig an der Serie von Fritz Wepper als Wolfgang Wöller in die Rolle von Schwester Hanna. Nach 20 Staffeln wird „Um Himmels Willen“ jetzt abgesetzt.
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In fast 200 Folgen schlüpfte Janina Hartwig an der Serie von Fritz Wepper als Wolfgang Wöller in die Rolle von Schwester Hanna. Nach 20 Staffeln wird „Um Himmels Willen“ jetzt abgesetzt.
  • Sebastian Obermeir
    vonSebastian Obermeir
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Janina Hartwig lässt das Klosterleben hinter sich – nach 20 Staffeln „Um Himmels Willen“. Welche Momente die TV-Nonne an der Seite von Fritz Wepper niemals vergessen wird.

Seit 2006 hat die 59-Jährige als Schwester Hanna für das Wohl der Menschen und um den Erhalt ihres Klosters gekämpft. Die Rolle brachte ihr zahlreiche Preise ein, mitunter galt „Um Himmels Willen“ als die meistgesehene deutsche TV-Serie. Doch nach 20 Staffeln stehen jetzt die letzten Folgen an. Hallo blickt mit der Münchnerin zurück.

Frau Hartwig, Sie spielen Schwester Hanna seit 2006. Inwiefern hat sich die Figur mit Ihnen verändert?

Ich denke meine Entwicklung als Mensch und als Schauspielerin zeigt sich stark. Wir haben aber auch eine aktive Entscheidung gefällt, der Figur eine andere charakterliche Tiefe zu geben. Wenn man sich die ersten Folgen und spätere ansieht, liegen Welten dazwischen. Hanna war körperlich viel agiler, fuhr mit dem Fahrrad, sprang herum...

In der neuen Staffel beschäftigen Schwester Hanna kirchenpolitische Fragen. Hat die Rolle Ihre Einstellung zur Religion und zum Glauben geprägt?

In einem Podcast äußert sie sich zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Sie muss ganz schön einstecken dafür. Dass das in der Serie zum Thema gemacht wurde, hat mich sehr gefreut, denn es gibt viele Punkte in der Institution Kirche, die mich stören und die ich kritisiere.

2010 gewann „Um Himmels Willen“ mit Janina Hartwig den Bambi für die beliebteste Fernsehserie.

Damit sind Sie nicht alleine. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Steht das nicht im Widerspruch zum Erfolg der Serie?

Viele schreiben mir, dass sie Unterhaltung wollen, dass sie einschalten, um von ihren Problemen wegzukommen. „Um Himmels Willen“ ist keine Doku über das Klosterleben. Sondern wir erzählen Geschichten über menschliche Auseinandersetzungen, Konflikte – und die gibt es überall. Die Serie bietet Lösungsmöglichkeiten. Sie endet immer positiv, was im Leben natürlich nicht immer so ist. Aber es ist gewissermaßen eine Hilfe fürs wahre Leben.

Dazu ein Gedankenspiel: Was könnte unser Oberbürgermeister Dieter Reiter von Wolfgang Wöller, dem Gegenspieler von Schwester Hanna, lernen?

Als Mensch kenne ich Herrn Reiter nicht. Also lassen Sie mich sagen, was ich mir wünsche, dass die beiden gemeinsam haben. Bei all seiner Schlitzohrigkeit muss man Wöller eines zu Gute halten: Es ging ihm immer um die Gemeinde. Ich hoffe, Dieter Reiter handelt, so wie Wöller, im Wohl der Stadt.

Gespielt wird Wöller von Fritz Wepper. Wie ist Ihr Verhältnis?

An dieser Stelle würde ich gern auf den Anfang der Serie blicken. Jutta Speidel hat der Sendung fünf Jahre lang das Gesicht verliehen. Viele sind auf mich zugekommen und haben gefragt: Hast du nicht Angst, in diese großen Fußstapfen zu treten.

Hatten Sie die nicht?

Nein. Ich bin ja als erfahrene Schauspielerin in diese Serie eingestiegen. Aber die Erwartungen der Verantwortlichen waren verständlicherweise extrem hoch. Und jetzt kommt Fritz ins Spiel, um die Frage zu beantworten: Er hat es mir leicht gemacht, ist mir auf Augenhöhe begegnet, hat mich sofort voll akzeptiert. Das werde ich ihm nie vergessen.

Die letzten Drehtage waren dann wohl emotional.

Als Schauspieler kennt man die Situation: Bei jedem Film gibt es einen letzten Drehtag und dann geht man auseinander. Doch nach so langer Zeit ist das anders. Wir haben viel geweint, es gab Kuchen und Champagner. Und ich muss gestehen: Wir lagen uns zum Abschluss doch mit unserem Masken im Gesicht in den Armen, obwohl wir das nicht machen hätten sollen.

Wegen der Corona-Regeln.

Ja. Jetzt wurde ein großes Fest versprochen, sobald es wieder möglich ist. Da freue ich mich darauf.

Der letzte Drehtag war nach all den Jahren sehr emotional für Janina Hartwig.

Wie geht es für Sie jetzt nach dem Ende der Serie beruflich weiter? Starten Sie, ganz nach Schwester Hanna, einen Podcast?

(Lacht) Nein, ich bin gar nicht so der Pocdast-Hörer. Eigentlich sollte ich jetzt Theater spielen, aber das geht wegen Corona gerade nicht. Für Oktober ist nun das Stück an der Komödie im Bayerischen Hof mit Günther Maria Halmer geplant.

Sind Sie froh, dann etwas anderes als eine Nonnen-Kutte zu tragen?

Wenn mich die Nonnen-Kutte genervt hätte, hätte ich sie viel früher abgelegt. Als Frau bin ich vielleicht ein wenig eitel, aber nicht als Schauspielerin. Da ist es schlicht das Kostüm, und das Kostüm hilft, sich in die Rolle zu versetzen.

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Zur Person

Janina Hartwig wurde am 8. Juni 1961 in Ost-Berlin geboren. Ihre Schauspiel-Karriere begann 1978, als sie für den Film „Disko mit Einlage“ entdeckt wurde. Seither drehte sie zahlreiche Fernsehfilme und -serien, in über 150 Folgen von „Um Himmels Willen“ war sie zu sehen.

Welche blieben besonders in Erinnerung? „Immer die Folgen, die man gerade gedreht hat, liegen einem besonders am Herzen. Wenn ich aber zurückdenke, dann war die letzte Folge einer Staffel immer besonders für mich.

Es gab dann immer eine Benefizgala, da durfte ich Tango tanzen, ich habe Steppen gerlernt, habe gerappt. In welcher Sendung sonst hat man denn so etwas als Schauspielerin?“ Hartwig lebt am Perlacher Forst und hat zwei Kinder.

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Sebastian Obermeir

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