Hallo-Interview

Die neue Israelische Generalkonsulin Carmela Shamir über ihre Arbeit, Familie und München

„München war mein Wunschziel“, verrät Carmela Shamir. Seit August leitet sie als neue Generalkonsulin das Israelische Generalkonsulat in der Barer Straße.
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„München war mein Wunschziel“, verrät Carmela Shamir. Seit August leitet sie als neue Generalkonsulin das Israelische Generalkonsulat in der Barer Straße.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Wo sie Ruhe vom Arbeitsstress findet, welches Gebäck Israel mit Bayern verbindet und warum der Dialog das Wichtigste an menschlichen Begegnungen ist - Carmela Shamir im Hallo-Interview.

Frau Shamir - Willkommen in München.

Herzlichen Dank, ich bin wirklich sehr froh hier zu sein, denn München war mein Wunschziel. Ich habe mich tatsächlich nur für diesen Posten beworben – und ihn bekommen. Darüber freue ich mich sehr.

Sie betreuen seit August das Israelische Generalkonsulat.

Ja, aber von München aus bin ich nicht nur für Bayern, sondern ebenso als Generalkonsulin für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz das Saarland und Hessen zuständig – ich komme viel herum.

Was verbindet Israel mit München?

Wir haben viel Kultur, Traditionen, sind kreative Leute. Ich finde es schön, wie hier der 1700 Jahre Judentum in Deutschland gedacht wurde und wird. Gerade für junge Menschen gibt es Gemeinsamkeiten. Junge Leute wollen Spaß haben, Neues kennenlernen, etwas erleben. Das kann man in München und in Israel! Beide sind tolle Universitätsstandorte, es gibt zahlreiche Forschungs-Projekte zwischen Israel und Deutschland, die sich gegenseitig fördern.

Das Generalkonsulat liegt in der Stadtmitte – was gefällt Ihnen bisher am besten?

Ich mag vieles an München, die Cafés, das Kulturangebot. Am besten abschalten vom beruflichen Alltag und Stress kann ich im Englischen Garten – das viele Grün, die Weite, die gute Luft.

Ist Ihre Familie mit nach München gezogen?

Mein Mann ist Professor an der Bar Ilan-Universität in Israel, zwei meiner Kinder studieren nicht hier, aber meine jüngste Tochter ist mit dabei, besucht die Schule hier. Wir pendeln also viel, aber München ist jetzt unser Familienmittelpunkt, alle kommen gerne hier zusammen.

Wer keinen Kontakt zu Israel hat – wie kann man Israel in München erleben?

Aktuell planen wir für den Christkindlmarkt einen Stand mit Souvenirs, Essen und Musik. Denn in die Vorweihnachtszeit fällt auch Chanukkah, das jüdische Lichterfest.

Sie vertreten als Generalkonsulin ihr Heimatland. War das immer Ihr Traum?

Natürlich wollte ich als kleines Mädchen Prinzessin werden – aber da das nicht ging, wurde mir während meines Politik-Studiums klar, dass ich gerne in den diplomatischen Dienst möchte. Politik hat mich immer interessiert, sowie der Dialog zwischen den Völkern.

Sie waren die erste weibliche israelische Botschafterin in Usbekistan, einem muslimischen Land.

Ja, tatsächlich. Aber das war nicht meine einzige berufliche Station. Ich war in London, Tokio, in Brüssel - dabei wollte ich eigentlich Diplomatin in Paris werden!

Dieser Beruf, Diplomatin, ist nicht immer ungefährlich.

Ja, leider muss mir bei beruflichen Terminen Personen- oder Polizeischutz bereitgestellt werden.

Macht das Angst?

Nein, ich fühle mich sicher hier, auch privat auf der Straße.

Auch auf der Website des Konsulats gibt es eine Notruf-Nummer?

Ja, aber die wird nur benötigt, wenn jemand seinen Pass verloren hat, schnell ein Ersatzdokument benötigt.

Israel, die Hamas, der Krieg – haben Sie einen Rezept, wie man befrieden kann?

Greife nicht Deine Nachbarn an, niemand muss aggressiv sein. Leider wird Israel nicht von allen als eigener Staat anerkannt. Manche Nachbarn Israels wollen uns lieber von der Karte radieren.

Als Diplomatin vermitteln Sie, bringen Menschen, Völker zusammen.

Ich sage: Lass uns reden, setzen wir uns an einen Tisch, lerne mich kennen, lass uns gegenseitig respektieren – selbst wenn man nicht auf einer Linie liegt. Aber man hat sich bemüht, die Ansichten des anderen zu hören, selbst wenn man sie im Endergebnis nicht teilt. Ich finde es traurig, wenn man nicht in den Dialog kommt, Gespräche abblockt. Israel hat heute gute Kontakte zu Jordanien, Ägypten und mit dem Bahrain, Marokko. Das war nicht immer so.

Diplomaten bleiben nie für immer an einem Ort - wie lange wird ihre Amtszeit hier in München dauern?

Ich bleibe sicher vier Jahre. Aber schon jetzt steht für mich fest: Ich fühle mich so wohl hier - und werde sicher versuchen, ein Jahr zu verlängern.

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